Verbeugung . „ Aber – wenn ich nun nicht in der Lage wäre , wenn ich – – es kommt so plötzlich ! “ Sie spielte , kokett lächelnd , mit den Schleifen ihres Kleides . Er erhob sich sofort . „ Pardon , gnädiges Fräulein ! “ Ihr Lächeln verschwand augenblicklich . „ Aber , Lieutenant Kerkow ! “ sagte sie bestürzt und streckte die Hand aus , als wollte sie ihn halten . „ Mir ist nicht zum Scherzen , “ stieß er hervor . „ Nun denn , machen wir Ernst , Kerkow ! “ rief sie und reichte ihm die Rechte hinüber , die er langsam an seine Lippen führte . „ Und damit Sie es denn wissen , ich – ich habe es geahnt , daß Sie heute kommen würden . “ „ Meine Tante – “ murmelte er . „ Nein , seit gestern abend , Kerkow , seit dem Souperwalzer . “ Das war der Walzer , mit dem er Aenne „ kurieren “ wollte . Er wurde rot , so schämte er sich vor sich selbst , und küßte nochmals ihre Hand . Sie schwieg und sah ihn an mit Augen die sich vom Glück belebten über den schönen , längst begehrten Mann „ Kerkow , “ sagte sie leise , „ warum kommen Sie heute erst ? “ Er stotterte etwas von nicht gewagt haben – . “ Da fühlte er sich umfaßt , sie zog sich zu ihm empor und ihre Wange streifte die seine . „ Heinz , ich weiß ja längst , daß du mich lieb hast , schon lange , lange ! “ Er sah mit ganz verstörten Augen zu ihr hinunter , die nun den blonden Kopf an seine Brust gepreßt hielt . „ Schon längst ? – Nein ! “ sagte er laut , unfähig , sie in diesem Irrtum zu lassen , der einen überschwenglich beglückten Bräutigam voraussetzte . „ Ich habe Sie immer nett und bewundernswert gefunden , aber der Entschluß , Sie als Frau zu begehren , der ist noch neu . “ Sie war empor gefahren und starrte ihn an , einen Zug grenzenloser Enttäuschung um den Mund . „ So ? “ antwortete sie . „ Ich bin ein Fanatiker der Wahrheit , und derjenigen , die meine Frau wird , kann ich nichts vorlügen , “ sprach er weiter . Sie biß in die Unterlippe , sie wußte es ja ganz genau , daß [ 039 ] er in früheren Zeiten ihr eher ausgewichen war als sie zu suchen aber sie hatte doch gemeint , er werde sagen . „ Ja , Toni , schon lange . Und dann hätte sie ihrer Familie schreiben können „ Ich war seine einzige Liebe “ – „ Dann liebten Sie eine andere ? “ fragte sie durch die Zähne . Er hatte Lust , mit dem Fuße aufzutreten . Was ging sie seine Vergangenheit an ! „ Baroneß , “ sagte er kurz , „ bisher dachte ich nicht an die Ehe ! “ – Das Wort „ Liebe “ vermied er . „ Und das ist so plötzlich gekommen ? “ Sie schlug schmachtend die Augen auf . „ Wie das kommt ? “ fragte er zurück mit gefurchter Stirn . „ O , vergeben Sie , ich quäle Sie ! “ rief sie geängstigt . Er sah aus , als stände er im Begriffe , eine Abschiedsverbeugung zu machen und sporenklirrend hinaus zu gehen , und sie warf sich in den Sessel und begann zu weinen . „ Ich bitte Sie , mir zu verzeihen , “ begann er nun „ ich bin vielleicht unzart gewesen , Toni , aber in dieser Stunde kann ich so wenig lügen , noch weniger als in jeder andern . Hat Sie mein Bekenntnis enttäuscht , so schicken Sie mich fort ; behalten Sie mich trotzdem , so werde ich Ihnen dankbar sein mit jedem Atemzuge , denn ich bin ein bedrückter Mensch , der Schweres zu tragen hat und viel Geduld und viel Nachsicht braucht – von Ihrer Seite . “ Es lag etwas in seiner Stimme , das ihr imponierte , und sie dachte überhaupt nicht daran , ihn wegzuschicken , den schönen Heinz von Kerkow , um den sie beneidet werden würde auf und nieder im Lande . Sie hatte einen kleinen Versuch gemacht , sich von ihm belügen zu lassen , sie wollte ihn zwingen , ihr eine leidenschaftliche Scene vorzuspielen , es mißlang . Nun gut , er liebte sie nicht , aber er wollte sie heiraten , sie – oder ihr Geld – das genügte ! Sie reichte ihm die Hand . „ Geduld , Nachsicht , soviel Sie wollen , Heinz , denn ich liebe Sie ! Gehen Sie denn , lassen Sie sich bei Durchlaucht melden und bitten Sie um meine Hand ! “ Und sie stand auf und bot ihm die Lippen . Er beugte sich langsam hinunter zu der kleinen Gestalt und küßte sie , kalt , formell . Sie zuckte zusammen , das war kein Brautkuß ! Und als er zur Thür schritt , folgte ihm ein Blick , der nicht viel versprach von Nachsicht , Geduld und Liebe . – „ Freigeben “ dachte sie , „ soll ich ihn freigeben “ Dann schüttelte sie den Kopf . „ Nein ! nun gerad ’ nicht ! “ – – – – – – – – – Um zwei Uhr hatte das junge Paar bereits in seiner Eigenschaft als Verlobte vor der hohen Frau in dem kleinen dunkelrot dekorierten Eckzimmer gestanden und gnädige , von echtem Wohlwollen erfüllte Glückwünsche entgegengenommen , wenn auch Durchlaucht entschieden betrübt war , ihre liebe Ribbeneck zu verlieren und Frau von Gruber hatte ein paar Thränen dazu geweint . Die junge Braut besprach dann im Zimmer der Oberhofmeisterin mit ihrem Bräutigam die Form und die Anzahl der Verlobungskarten , und als die Tante diskret das Gemach verließ und