unter diesen , fahren eben in die breite , mit prächtigen Bäumen besetzte Dorfstraße ein , und halten vor dem alten Herrenhause , einem geräumigen , aber anspruchslosen Bau , dessen Fachwerkwände die schlichte Art des vorigen Jahrhunderts zeigen . Ein traulich-wohnlicher Zug ist um das Ganze her , und im selben Augenblick , wo wir eintreten , erkennen wir auch , daß das Haus nach gut märkischer Art tüchtiger ist , als es von außen her erschien , und daß seine Fachwerkwände nur eine Hülle sind , hinter der sich ein massiver älterer Bau verbirgt . Zugleich bemerken wir eine doppelarmige Treppe , die breit und mit niedrigen Stufen ansteigend , nach rechts und links hin auf die oberen Korridore mündet . Es ist warm , und so nehmen wir in der Vorhalle Platz , um die Wohltat von Luft und Licht und den vollen Blick in die Anlagen des Gartens zu haben . Eine künstlerische Hand hat hier unverkennbar die Linien gezogen , und die Frage tritt an uns heran : wer war hier tätig ? wer schuf diese Durchsichten ? wer richtete diese Statuen auf ? wer gab ihnen die malerischste Stelle ? Und nun verlassen wir die Vorhalle wieder , um erst im Erdgeschoß und dann im oberen Stock eine lange Zimmerreihe zu passieren , und siehe da , im reichen Anblick aller hier angesammelten Schätze wird uns zugleich Antwort auf unsere Frage . Kunst , echte Kunst überall . Das gut Märkische schwindet und der Zauber italischer Ferne steigt vor uns auf . Erst eine Landschaft Blechens , hell , prächtig , fremdländisch . Der heiße Sonnenschein liegt auf dem schattenlosen Marktplatz und blau dehnt sich das eingebuchtete Meer , an dessen Horizont ein Kuppelturm emporsteigt . Wie schön ! Und indem wir weiterschreiten , tun sich die goldenen Tore des Südens immer herrlicher vor uns auf . Alle Namen , die vor Perugino und Raphael geglänzt , die Schöpfer moderner Malerei , hier sprechen sie zu uns . Giotto und Giottino , Fiesole und Orcagna , Fra Bartolomeo und Pietro Spinello Aretino , die beiden Lippis , vor allem der mächtige Mantegna – alle , die groß waren , ehe die größeren kamen , sie sind hier um uns versammelt . Die Welt der Madonnen erschließt sich uns , und aus ihren Rahmen auf uns niederblickend , tun sie , was sie immer taten , und lächeln Freudigkeit und Hoffnung in unser Herz . Da ist eine » Mutter Gottes anbetend vor dem Kinde « , ein Terracottarelief von Luca della Robbia , und da ist eine zweite ( mit einem Stieglitz auf dem Händchen des Christkinds ) in der lieblich naiven Art Filippino Lippis . Hier fällt das faltenreiche , lang herabwallende Kopftuch über die ernsten , hoheitkündenden Züge der » Himmelskönigin « , wie Fra Bartolomeo die Jungfrau gemalt , und hier breitet eine Madonna Giovannis da Milano ihren schwarzen , mit rot und Goldbrokat gefütterten Mantel um Päpste , Mönche und Heilige aus und erhebt sich mit ihnen , um ihre Schützlinge mit gen Himmel zu tragen . Selbst das große Bild in der Kirche » Annunziata « zu Florenz , das alljährlich dem anbetenden Volke nur einmal gezeigt wird – künstlerische Begeisterung hat nach flüchtigem Schauen die schönsten Köpfe desselben festzuhalten gewußt , und die hinweggelauschten Bildnisse Marias und des verkündenden Engels , sie haben jetzt eine Stätte hier , in dem stillen Herrenhause der stillen Grafschaft . Manches Kunstwerk wohl , von dem die Welt nicht weiß , verbirgt sich in märkischen Dörfern . Grabdenkmälern von Rauch und Schadow , von Canova und Thorwaldsen bin ich begegnet , Bilder aller Länder und Schulen seit Papst Julius ' Tagen hab ich gesehen – aber Bilder aus den Tagen der Kindheit und Keuschheit aller modernen Kunst , solche Bilder hat nur das Herrenhaus zu Radensleben . Kein anderes märkisches Dorf kennt Fiesole und Mantegna , am wenigsten hat es sie . Da sind wir wieder in der Halle . Kühle weht , und wir blicken noch einmal hinunter in den Park , hinter dessen Bäumen die Abendröte verglüht . Seine feingezogenen Linien überraschen uns nicht länger mehr . Wo Madonna weilt , da weilt auch die Schönheit . Radensleben II 1. Altitalienische Bilder 1. Altitalienische Bilder 1. Madonna hält mit beiden Händen das auf ihrem Schoße sitzende Christuskind . Im Hintergrunde drei Cherubimköpfe . Gewand der Madonna mit reichem Muster modelliert , und sodann vergoldet und bemalt . Flaches Relief aus gebrannter Erde ( Terracotta ) , in reich vergoldetem Rahmen . Dieser hat die Inschrift Ave Maria gratia plena , Dominus tecum . Wahrscheinlich eine Arbeit von Mino da Fiesole . Ein Exemplar , nach derselben Form gegossen , befindet sich im Berliner Museum . 2. Madonna , halbe Figur , anbetend vor dem Kinde ; zur Rechten drei Engel , links Johannes . Madonna und Christkind sehr schön . Terracottarelief von etwa zweieinhalb Fuß Durchmesser . Von der Bemalung und Vergoldung sind nur noch schwache Reste vorhanden . Trotzdem ein Prachtstück der Sammlung . Nach der Ansicht Metzgers , eines Kunsthändlers in Rom , durch dessen Vermittlung Herr von Rumohr viele Sachen fürs Berliner Museum ankaufen ließ , von Luca della Robbia . Der einzige Zweifel , den Metzger unterhielt , war der , daß ihm kein Werk des Luca von ähnlicher Schönheit vorgekommen sei . 3. Madonna mit dem Kinde , Johannes und Engeln . Von Fra Filippo Lippi . Wie fast alle folgenden Bilder auf Holz gemalt . 4. Vermählung der heiligen Katharina . Die sitzende Madonna hält auf dem Schoße das Christuskind und neigt sich mit demselben der vor ihr zur Linken knienden heiligen Katharina entgegen , welche vom Christuskinde den Ring empfängt . Eine vorzügliche Arbeit von Sandro Botticelli , einem Schüler des Fra Filippo Lippi . 5. Madonna mit dem Kinde , welches einen Stieglitz in den Händen hält . Ein weißer Schleier fällt unter der Krone der Madonna auf den dunkel schwarzblauen Mantel