auf und versuchte weiterzuschlafen . Freilich umsonst . Der Lärm draußen und die wachsende Furcht , ihren ohnehin schadhaften Schornstein in die Stube hinabstürzen zu sehn , ließen sie mit ihrem Versuche nicht weit kommen , und so stand sie schließlich doch auf und tappte sich an den Herd hin , um hier an einem bißchen Aschenglut einen Schwefelfaden und dann das Licht anzuzünden . Zugleich warf sie reichlich Kienäpfel auf , an denen sie nie Mangel litt , seit sie letzten Herbst dem vierjährigen Jungen von Förster Nothnagel , drüben in der neumärkischen Heide , das freiwillige Hinken wegkuriert hatte . Das Licht und die Wärme taten ihr wohl , und als es ein paar Minuten später in dem immer bereitstehenden Kaffeetopfe zu dampfen und zu brodeln anfing , hockte sie neben dem Herde nieder und vergaß über ihrem Behagen den Sturm , der draußen heulte . Mit einem Mal aber gab es einen Krach , als bräche was zusammen , ein Baum oder ein Strauchwerk , und so ging sie denn mit dem Licht ans Fenster und , weil das Licht hier blendete , vom Fenster her in die Küche , wo sie den obern Türladen rasch aufschlug , um zu sehn , was es sei . Richtig , ein Teil des Gartenzauns war umgeworfen , und als sie das niedergelegte Stück nach links hin bis an das Kegelhäuschen verfolgte , sah sie , zwischen den Pfosten der Lattenrinne hindurch , daß in dem Hradscheckschen Hause noch Licht war . Es flimmerte hin und her , mal hier , mal da , so daß sie nicht recht sehen konnte , woher es kam , ob aus dem Kellerloch unten oder aus dem dicht darüber gelegenen Fenster der Weinstube . » Mien Jott , supen se noch ? « fragte die Jeschke vor sich hin . » Na , Kunicke is et kumpafel . Un dann seggt he hinnerher , dat Wedder wihr schull un he künn nich anners . « Unter dieser Betrachtung schloß sie den Türladen wieder und ging an ihre Herdstätte zurück . Aber ihr Hang zu spionieren ließ ihr keine Ruh , und trotzdem der Wind immer stärker geworden war , suchte sie doch die Küche wieder auf und öffnete den Laden noch einmal , in der Hoffnung , was zu sehen . Eine Weile stand sie so , ohne daß etwas geschehen wäre , bis sie , als sie sich schon zurückziehn wollte , drüben plötzlich die Hradschecksche Gartentür auffliegen und Hradscheck selbst in der Türöffnung erscheinen sah . Etwas Dunkles , das er schon vorher herangeschafft haben mußte , lag neben ihm . Er war in sichtlicher Erregung und sah gespannt nach ihrem Hause hinüber . Und dann war ' s ihr doch wieder , als ob er wolle , daß man ihn sähe . Denn wozu sonst das Licht , in dessen Flackerschein er dastand ? Er hielt es immer noch vor sich , es mit der Hand schützend , und schien zu schwanken , wohin damit . Endlich aber mußt er eine geborgene Stelle gefunden haben , denn das Licht selbst war weg und statt seiner nur noch ein Schein da , viel zu schwach , um den nach wie vor in der Türöffnung liegenden dunklen Gegenstand erkennen zu lassen . Was war es ? Eine Truhe ? Nein . Dazu war es nicht lang genug . Oder ein Korb , eine Kiste ? Nein , auch das nicht . » Wat he man hett ? « murmelte sie vor sich hin . Aber ehe sie sich , aus ihren Mutmaßungen heraus , ihre Frage noch beantworten konnte , sah sie , wie der ihr auf Minuten aus dem Auge gekommene Hradscheck von der Tür her in den Garten trat und mit einem Spaten in der Hand rasch auf den Birnbaum zuschritt . Hier grub er eifrig und mit sichtlicher Hast und mußte schon ein gut Teil Erde herausgeworfen haben , als er mit einem Male das Graben aufgab und sich aufs neue nach allen Seiten hin umsah . Aber auch jetzt wieder ( so wenigstens schien es ihr ) mehr in Spannung als in Angst und Sorge . » Wat he man hett ? « wiederholte sie . Dann sah sie , daß er das Loch rasch wieder zuschüttete . Noch einen Augenblick , und die Gartentür schloß sich , und alles war wieder dunkel . » Hm « , brummte die Jeschke . » Dat ' s joa binoah , as ob he een abmurkst hett . Na , so dull wahrd et joa woll nich sinn ... Nei , nei , denn wihr dat Licht nich . Awers ick tru em nich . Un ehr tru ick ook nich . « Und damit ging sie wieder bis an ihr Bett und kletterte hinein . Aber ein rechter Schlaf wollt ihr nicht mehr kommen , und in ihrem halbwachen Zustande sah sie beständig das Flimmern im Kellerloch und dann den Lichtschein , der in den Garten fiel , und dann wieder Hradscheck , wie er unter dem Baume stand und grub . 7. Kapitel Siebentes Kapitel Um vier Uhr stieg der Knecht die Stiege hinauf , um Szulski zu wecken . Er fand aber die Stube verschlossen , weshalb er sich begnügte , zu klopfen und durch das Schlüsselloch hineinzurufen : » Is vier , Herr Szulski ; steihn S ' upp . « Er horchte noch eine Weile hinein , und als alles ruhig blieb , riß er an der klapprigen Türklinke hin und her und wiederholte : » Steihn S ' upp , Herr Szulski , is Tied ; ick spann nu an . « Und danach ging er wieder treppab und durch den Laden in die Küche , wo die Hradschecksche Magd , eine gutmütige Person mit krausem Haar und vielen Sommersprossen , noch halb verschlafen am Herde stand und Feuer machte . » Na , Maleken , ook all rut ? Wat seggst du dato