zur Gewohnheit geworden , sobald er Henry reden hört . » Wollen Sie sich nicht bald einmal von Doktor Baumann analysieren lassen , lieber Henry ? « fragte er . » Oh , wir haben schon damit angefangen . « » Findest du , es nützt etwas ? « fragte ich beklommen . Gerade als er sich darüber auslassen wollte , kam Baumann selbst , und Lukas wandte sich sofort an ihn . » Ich bin , wie Sie wissen , nur Laie « , sagte er , » die Psychiatrie ist ein Gebiet , das mir völlig fern liegt . Gelingt es Ihnen aber , diese beiden Herrschaften zur Vernunft zu bringen , so gehöre ich von Stund ' an zu Ihren fanatischen Anhängern und mache enorme Propaganda für Sie . « ( Lukas ist dort , wo er doziert , eine einflußreiche Persönlichkeit und hat glänzende Beziehungen . Baumann brennt darauf , Karriere zu machen und selbst eine Anstalt zu übernehmen , wo nach seiner Methode wunderbare Heilungen gemacht werden . ) Er , Baumann , lächelte so geschickt , daß keiner der Beteiligten sich verletzt fühlen konnte , Henry aber meinte : » Besser , Sie lassen sich erst einmal von mir gründen , ich habe da von einer verkrachten Aluminiumgesellschaft einige Terrains an der Hand , die sich ungemein billig stellen würden , und die Aktionäre haben wir bald beisammen . Balailoff geht zum Beispiel todsicher mit , sobald die Petroleumsache gedeichselt ist ... « Sein Blick nahm allmählich jene sonderbare Starrheit an , die ihm manchmal eigen ist ... er rechnete ... machte Überschläge ... erlag seinem Komplex . Und Baumann meinte , es sei der geeignete Moment für eine analytische Seance , worauf wir anderen uns diskret entfernten . Das ist schon wieder ein paar Tage her . Henry ist gestern nach Rußland gefahren , um das Petroleumgebiet in Augenschein zu nehmen . Balailoffs Sekretär begleitet ihn als Dolmetscher . Balailoff hat nämlich ein Gefolge bei sich , das aus eben diesem Sekretär , zwei Dienern und einem alten russischen Popen , seinem früheren Erzieher , besteht . Dieser letztere wird hier ebenfalls saniert , ob auch wegen Alkoholismus , haben wir noch nicht feststellen können . Er ist ein friedlicher , würdevoller Herr , der fast nie aus seinem Zimmer herauskommt und außer Russisch keine lebende Sprache spricht . Lukas und die Ärzte reden lateinisch mit ihm , und ich suche manchmal in meiner Erinnerung aus den Grammatikstunden meiner Brüder oder aus der Religionsstunde , um ihm etwas Liebenswürdiges zu sagen . Aber es stimmt meistens nicht recht . Gottfried wurde letzten Mittwoch aus der Kur entlassen , um nach Hause zu fahren . Statt dessen hat er sich in der Stadt versteckt gehalten und jetzt heimlich mit Henry die Petroleumfahrt angetreten ... er war überglücklich . Seine Eltern haben schon dreimal telegraphiert , und kein Mensch begreift , wo er geblieben ist . Dummerweise bekam ich nun gerade eine Depesche aus Finnland . » Endlich aufgefunden . Eröffnung noch durch Formalitäten verzögert ... « Der Professor bat mich dringend , zu gestehen , daß das Telegramm mit dem vermißten Jungen zusammenhinge . Ich beteuerte mit gutem Gewissen : Nein . Er glaubte mir nicht , und nur , um ihn zu beruhigen , gab ich es ihm schließlich zu lesen . Dadurch wurde die Sache nun noch schlimmer , er war jetzt vollkommen überzeugt , daß es sich um Gottfried handle , daß man eben ihn in Finnland aufgefunden - er Selbstmord begangen habe oder verunglückt sei und - Eröffnung durch Formalitäten verzögert - seziert werden solle . In seiner erhitzten Medizinerphantasie schien ihm das vollkommen klar ... Aber die Unterschrift - der Miterbe trägt als mein Gatte bekanntlich denselben Namen wie ich - und das Rätsel , wieso ich diese Nachricht an mich selbst aus Finnland telegraphiere , konnte er denn doch nicht kleinkriegen , und ich verfiel darüber in ein solches Gelächter , daß er immer zorniger wurde ... Schon vor Wochen hätte ich ihm von einem Erbschaftsprozeß erzählt , und nun sollte das Testament noch nicht einmal eröffnet sein ? ... Und mit diesem Herrn verheiratet ... bisher hätte ich mich doch immer als geschiedene Frau ausgegeben und könne nun wirklich nicht verlangen , daß man mir noch ein einziges Wort glaube . Es war eine recht nette Szene , und mir blieb schließlich nichts übrig , als zu gestehen , daß ich wüßte , wo der Junge sich aufhielte , und daß er es seinen Eltern demnächst selbst mitteilen wolle . Der Professor war zuletzt sprachlos und schickte mir später einen Brief aufs Zimmer . In dem Brief schlug er mir vor , ich möchte mich doch lieber in ein anderes Sanatorium begeben , falls ich es überhaupt noch für nötig halte . - Nun , Baumann hat die Sache dann mit vieler Mühe wieder ins Geleise gebracht , und ich war ihm sehr dankbar . Wo hätte ich auch hingehen sollen ? Ich bleibe also da und gebe mich , nachdem der Sturm ausgetobt hat , einer wohlverdienten Ruhe hin . Es herrscht hier jetzt eine gewaltige Sommerhitze . Da keiner von uns etwas zu tun hat , sitzen wir fast den ganzen Tag auf der Terrasse . Morgens ist man noch halbwegs munter , liest Zeitungen oder unterhält sich . Nachher liegt alles wie tot in den Klappstühlen umher und hält sich gegenseitig für mehr oder minder vertrottelt . So behauptet Lukas , es mache ihn schon nervös , wenn unten auf dem See Dampfschiffe vorbeifahren oder Möwen flattern . Er empfindet das als eine unerhörte Kraftvergeudung . An ganz besonders schwülen Tagen verständigt man sich nur durch Pantomimen oder in der Hitzsprache - das heißt , man läßt alle irgendwie entbehrlichen Worte und Silben weg oder markiert sie nur . Das geistige Niveau ist dabei etwas gesunken . Unsere Hauptunterhaltung besteht darin , die anderen Patienten zu beobachten und sich über sie zu mokieren ,