Seitdem hatte sie ihn nicht recht leiden mögen . Ja , sie war immer riesig gut gewesen , diese Fastrade , aber diese Art Mädchen verliebt sich gewöhnlich in Hauslehrer , schade ! Immerhin hatte sie viel Leben in sich , und es mußte hart für sie sein , dort in dem Hause zu wohnen , wo man nicht lebte , sondern nur umging . Er zog seinen Pelz fester um sich , er fror , es war nicht angenehm , so sachte , sachte in dieses kalte , weiße Laken eingehüllt zu werden , auch hauchten die großen weißen Tannenwände , zwischen denen sie jetzt hinfuhren , eine eisige Kälte aus . Gut , dachte Egloff , er würde heute also den Abend zu Hause verbringen , aber was würde er tun ? In letzter Zeit war ihm das Alleinsein mit sich selbst qualvoll geworden , seine Großmutter und Fräulein von Dussa heute zu sehen , war kein angenehmer Gedanke , also er würde in seinem Zimmer auf dem Sofa liegen , Rotwein trinken und sich vom Diener Klaus Geschichten erzählen lassen . Wenn er nur diese Geschichten von all den Mädchen der Umgegend nicht schon gekannt hätte , auch log der Kerl jetzt , und er log nicht unterhaltend . Trübe Aussicht . Wenn noch jemand da gewesen wäre , mit dem er hätte Karten spielen können , das war noch das beste Mittel gegen graue Stimmungen . Es war eigentlich seltsam und schwer zu erklären , aber dieses Mittel versagte nie , wenn er sich an den grünen Tisch setzte und die Karten zur Hand nahm , dann kam es unfehlbar , dieses erregte Gefühl , das wie eine körperliche Wohltat in das Blut ging und angenehm bis in die Fingerspitzen hinein kitzelte . Das ließ sich nur mit der hübschen Erregung des Moments vergleichen , wenn man eine schöne Frau zum ersten Male so von hinten sachte um die Schultern faßt und nicht weiß , wird sie empört sein oder stille halten . Der Rappe machte einen großen Seitensprung , der Kutscher rief wütend : » Ho ! ho ! Wer ist da , versteht ihr nicht den Weg zu kehren ? « Ein kleines Pferd , ein niedriger Schlitten , auf dem verschneite Pakete lagen und eine verschneite Gestalt saß , mühten sich , durch den tiefen Schnee zur Seite auszubiegen . » Laibe , « rief Egloff , » bist du das ? « - » Ja , Herr Baron , Laibe « , antwortete eine freundliche Stimme . » Was tust du hier im Walde ? « fragte Egloff . » Mir ist es schlecht gegangen , « ertönte leise eine klagende Stimme , » verfahren habe ich mich im Walde , und jetzt fahre ich mit der Deichsel in den Schabbes hinein , ai ai , was kann man machen ! « » Das kommt vom Schmuggeln , « meinte Egloff , » aber du kannst zu mir auf den Hof kommen , und deinen Schabbes empfangen . Fahr ' zu , Kutscher . « » Danke , danke , Herr Baron « , rief Laibe ihm nach . » Auch ein Leben , « dachte Egloff , » so in der Dunkelheit einsam durch den Wald zu kriechen , na , vielleicht ist das aber nicht übel , sich so herumzuschlagen , wenn man nur daran zu denken hat , ob man im Dunkeln den rechten Weg findet und wo ein Feuer sein kann , vielleicht , daß man dann an alle möglichen widerwärtigen Dummheiten nicht zu denken braucht . « Jetzt fuhren sie in den Sirowschen Hof ein , nur wenig Fenster des großen Hauses waren erleuchtet . » Aha , keiner erwartet mich « , sagte Egloff . Sie hielten vor der Freitreppe , Egloff stieg zur Haustüre hinan , öffnete sie laut und rief ein schallendes und ärgerliches : » Holla ! « Hunde begannen im Flur zu bellen , Lichter liefen die dunkle Fensterreihe entlang , Klaus und Joseph , mit Lichtern in der Hand erschienen und stammelten : » Ah , der Herr Baron , wir haben nicht gewußt . « » Natürlich habt ihr nicht gewußt , « sagte Egloff und warf seinen Pelz ab , » du Klaus , ich gehe gleich in mein Zimmer , der Kamin muß angeheizt werden , und du , Joseph , meldest der Frau Baronin , daß ich nicht zum Essen kommen werde , ich bin müde und gehe schlafen . Außerdem bringst du mir eine Flasche Burgunder aufs Zimmer . So , vorwärts . « Er ging in sein Zimmer hinüber , kleidete sich aus , ließ sich von Klaus den Körper mit kölnischem Wasser abreiben , hüllte sich dann in seinen Schlafrock und streckte sich in seinem Schreibzimmer auf dem Sofa aus . Joseph brachte den Burgunder , im Kamin brannte das Feuer , es wurde behaglich warm . Egloff zündete sich eine Zigarre an , so , nun konnte es gemütlich sein , es gehörte nur noch dazu , daß angenehme Gedanken kamen , Gedanken , die nicht unversehens grob an eine wunde Stelle stießen . Was also ? Da war dieser Jude , der durch den dunklen verschneiten Wald irrte und betete und nach einem fernen Licht ausspähte , das war etwas , woran hier am Kaminfeuer eine Weile zu denken seinen Reiz hatte . Allein das reichte nicht aus , die Gedanken irrten zu anderem . Was mochte wohl die kleine Frau in Barnewitz jetzt tun ? Sie erwartete ihn , er sah es deutlich , wie sie sich für ihn ankleidete . Allzu sehr schmücken durfte sie sich nicht , denn keiner im Hause wußte ja , daß sie ihn erwartete , sie zog wohl das dunkelviolette Wollenkleid an und legte die Perlenschnur um . Dann bestellte sie das Abendessen , zündete im Saal die Lampen an mit den schrecklichen hellrosa Gazeschirmen , Frauen aus jenen Kreisen glauben immer , daß ,