, in die Yang hung geholt worden war . Tschun beeilte sich , aus dem Bereich des Haders zu entkommen und legte das Bündel am Hoftor nieder . Mei hoa stand bereits wartend da , in sichtlicher Ungeduld nach dem säumenden Karrenführer ausspähend . Froh , dem Unwetter entgangen zu sein , schlüpfte Tschun in den Laden , hockte sich nieder und nahm die jäh unterbrochene Arbeit wieder auf . Bald kam dann Yang hung zurück . Aber auch er sah jetzt böse und erregt aus , wie so oft , wenn er im Schoße seiner Familie geweilt . Und sobald er den Kang überblickt , auf dem das Geld lag , rief er ärgerlich : » Da fehlt ja ein Strang ! « Tschun sprang auf , um zu suchen . Aber der Strang blieb verschwunden . Und Yang hung wurde immer böser . Plötzlich packte er Tschun , blitzte ihn durch die große Hornbrille mit funkelnden Augen an und schrie dabei heftig : » Was hast Du mit dem Strang angefangen ! Du mußt ihn auf Dir haben ! Du Dieb , Du ! « Dabei schüttelte er Tschun hin und her , ob die Münzen vielleicht aus seinen Kleidern fallen möchten . Vom Lärm angelockt , fand sich alsbald die ganze Familie ein und schrie nun ihrerseits mit , und auch die Kleinen Kuo wey , Tschao-So und Ying-ying und all die übrigen Kinder stimmten , ohne recht zu wissen , um was es sich handelte , in den Ruf ein : » Dieb ! Dieb ! Dieb ! « Am Zopfe wurde Tschun in den Hof gezerrt und einer der Söhne Yang hungs schlug auf seinen Rücken ein und brüllte dazu : » So gesteh ' doch , wo Du den Strang hin versteckt hast ! « Alle andern übertönend , erschallte aber nun plötzlich die schrille Stimme Mei hoas , die während des ganzen Auftritts , noch immer auf den Karren wartend , am Hoftor gestanden hatte : » Tschun ist ja vorhin in den hinteren Hof gelaufen , « kreischte sie , » ich hab ' s gesehen ! Sicher hat er das Geld dort versteckt ! Da müßt Ihr suchen ! « Nun ließen sie Tschun los und liefen alle auf dieser neuen Fährte . Mei hoa als Anführerin voran . Nur die Kleinen Kuo wey , Tschao-So und Ying-ying konnten den Großen nicht so schnell nach und blieben im vorderen Hof zurück , unschlüssig , was nun zu beginnen . Doch da fielen ihre Blicke auf Mei hoas am Boden liegendes Bündel , und nun näherten sie sich ihm und begannen verstohlen an den Knoten der blauen Baumwollhülle zu zupfen . Tschun hatte zuerst wie verstört dagestanden . Es war alles so rasch über ihn hereingebrochen , daß er es kaum begriffen hatte . Doch jetzt , wie die Stimmen der Suchenden im hinteren Hof verhallten , kam er zum Bewußtsein dessen , was geschehen . Und eine ungeheure Empörung stieg in ihm auf . Das wollte er nicht dulden , sich so völlig ungerecht beschimpfen und züchtigen lassen ! Sein kleines gelbes Gesicht wurde ganz seltsam grünweiß bei der Erinnerung und er begann heftig zu zittern . Und plötzlich stand es fest vor ihm : er konnte , er wollte nicht bei diesen schlechten Leuten bleiben . Doch wohin ? frug er sich . Etwa zur Mutter ? Aber er verwarf den Gedanken alsbald - die hatte ihn ja gerade hierhergetan . Nein , er wollte ganz fort , ganz heraus , zu gerechteren Menschen , die nicht jemand Dieb schimpften , ehe es von ihm bewiesen . Die Nonnen und Priester hätten das nie getan , auch die Taitai nicht ! Und die Taitai - ja , die hatte ihm doch damals gesagt , daß er zurückkehren solle , und daß sie ihn dann behalten würde . Dahin konnte er - ja , dahin wollte er ! Zu den Fremden . Zu besseren Menschen . Doch nun galt es seinen Vorsatz rasch auszuführen , denn die andern mußten ja bald aus dem hinteren Hof zurückkehren , und wer weiß , was sie dann noch in ihrer Wut taten . Leise schlich Tschun an Kuo wey , Tschao-So und Ying-ying vorbei , denen es eben gelungen war , den ersten Knoten an dem Bündel zu lösen ; mit einem Satz war er dann aus dem Tor heraus , und nun rannte er in eiligstem Lauf und ohne je zurückzuschauen durch die Straßen , in der Richtung nach dem Gesandtschaftsviertel . Und so tat Tschun zum erstenmal , was größere vor ihm getan und nachher vielleicht bereut haben : er nahm sein Leben in die eigenen kleinen gelben Hände , um es nach persönlichem Ermessen zu gestalten . Denn auch Tschun besaß die weit verbreitete Illusion , zu glauben , daß er wisse , was ihm gut sei . Das hat schon zu mancher Enttäuschung geführt . Nach einem langen , eilig zurückgelegten Weg blieb Tschun endlich stehen , um Atem zu schöpfen . Er befand sich schon im Fremdenviertel , auf der Brücke , die mit hoher Wölbung den Kanal überspannt . Nur einzelne Pfützen standen zu dieser Jahreszeit unten zwischen den Steinen ; sie lagen da wie blaue Lichtflecken , als hielten sie ein Stückchen Himmel in sich gefangen . Rechts , dicht neben der Brücke , erhob sich die hohe , finstere Mauer , die die Tataren- von der Chinesenstadt trennt . Links vor sich sah Tschun hinab auf das graue Gewirr niederer , chinesischer Häuschen , mit ihren zahllosen , ganz gleichen , leicht geschweiften Dächern . Zwischen ihnen zerstreut und eingeklemmt lagen die fremden Gesandtschaften , jede durch Mauerwerk umfriedet , jede eine kleine Welt für sich , mit ihrem eigenen , aus der Ferne gebrachten , treu bewahrten Sondercharakter . Jede die Hüterin bestimmter Traditionen , die Vertreterin besonderer Interessen auf fernstem fremdartigsten Boden . Die Gebäude waren halb versteckt zwischen den vielen Bäumen , die