allweil wissen , daß es hergeht um eine Sach , die nötig und ehrlich ist . Da war das Dreinhauen eine Freud . Aber die meisten Händel müßten nit sein . Und geht ' s nit um einen städtischen Pfeffersack , so geht ' s um einen herrischen Hennendreck . Mich freut ' s schon lang nimmer . Im Ausland solden , wie ' s andere tun , das mag ich nit . Ich mag nit welschen , hab das Deutsche lieb . Aber bei uns im Reich , da ist ' s ein Elend . Der König , sagen die Leut , wär bloß ein Schatten noch . Die Fürsten reißen ihm den letzten Fetzen aus dem Mantel . Von denen trachtet ein jeder nach dem wärmsten Hosenfleck für seinen eignen Hintern . Jeder ist seines Nachbarn Feind und Neider . Daß man zusammengehört im Reich , das weiß man nimmer . Ein Grausen , wo man hinschaut ! Hab mir ' s oft schon denken müssen . Und jetzt , derweil ich sechs Wochen im Spittel gelegen bin und es hat der Feldscher so grob geschustert an meinem Hirnkastl , da hat mich allweil gedürstet nach einer Hand , die linder nähen tat . « Nun lachte Malimmes wieder . » Da ist mir die Mutter nimmer aus dem Sinn gefallen . Und jetzt bin ich daheim . Und will meinen lustigen Fried haben ein Zeitl . « Marimpfel gab dem Bruder einen Puff . » Ein Kerl wie du ! Wirst doch kein Sinniervogel sein ! Elend im Reich ? Was geht denn uns das an ? Wie mehrer das Gold , so fester der Sold , wie feiner der Brei , so besser die Treu , wie größer die Ehr , so blanker die Wehr ! Die als Kriegsleut anders denken , sind Rindviecher . « Malimmes lachte . » So bin ich halt eins . « » Geh , Bruder , sei ein lützel stolzer ! Aber ich weiß schon , wo ' s fehlt bei dir . Als Stadtknecht bis du gut bei Gold und Brei gewesen , aber mager bei der Ehr . So was wurmt einen festen Kerl , der aufwärts möcht . Tu den Kopf heben ! Ich schaff dir einen fürnehmen Herren . Hofmann sein bei guter Farb , das ist allweil das Beste . Da kannst herunterspeien auf die , wo minder sind . « Die beiden lenkten von der Straße in den Hof des Leuthauses ein . Und wieder hob Malimmes das braune , von dem feurigen Strich durchsägte Gesicht und sah hinauf zu dem höfischen Reiter . » Du ! « Er schmunzelte . » Ich hab einmal einen Frosch gesehen . Der ist der stolzeste gewesen unter allen Fröschen . Und weißt , warum ? Weil ihn der Ochs getreten hat . Und die andern Frösch , die haben nur den Tritt der Kuh gespürt . Drum sind sie minder gewesen . « Heiter lachend trat Malimmes in den Flur des Leuthauses und machte lustige Späße über Bauch und Doppelkinn des Wirtes , der den Kriegsknecht unterwürfig begrüßte . » Und jetzt trag auf , du Gauner ! Bring Wurst und Selchfleisch ! Her mit dem besten aus deinem Keller ! Nimm die größte von deinen Bitschen ! Ich weiß wohl , Saufen ist der Deutschen Spott vor der Welt wie auch vor Gott ! Aber wenn mich halt dürsten tut ! Was soll ich machen ? Ist nit der liebe Gott dran schuld , wenn an siedheißem Sommertag dem Menschen die Leber brandig wird ? « Der heitere Rumor , den Malimmes anhub , brachte gleich das ganze Haus in vergnügten Aufruhr . Die Wirtin kam gezappelt , die zwei jungen Mägde kicherten und sprangen . Und der Knecht , der den Gaul Marimpfels versorgen mußte , trug die Freudenbotschaft in den Stall : » Der lustige Malimmes vom Taubensee ist heimgekommen ! « In der großen Leutstube ließ der Soldknecht seine schwere Last auf eine Tischplatte hinklirren . Marimpfel trat mißmutig zur Tür herein ; des Bruders Gleichnis von den Fröschen hatte ihn geärgert , und er schien nicht recht zu wissen , wie er den Heimgekehrten nehmen sollte . Doch als er prüfend den Spieß des Bruders mit der daranhängenden Last zu lupfen versuchte , wandelte sich sein Verdruß in ehrliches Staunen . » Gotts Teufel und Bohnenstroh ! Herzbruder ! Da hast dich aber schuftig schleppen müssen ! Und hast bei solcher Hitz kein Tröpfl Wasser auf deiner Näs ! « Malimmes rückte hinter den Nachbartisch . » Die hurtig schwitzen müssen , sind leichtfertige Leute und Schwächlinge . Wer mannsfest lebt , dem bleibt auch in harter Mühsal das Häutl trocken . « Für diese Lebensweisheit hatte Marimpfel kein hörendes Ohr . Er musterte neugierig den strotzenden Lederbinkel am Spieß , statzte ihn fest auf die Tischplatte hin und öffnete weit die Augen , ah er dieses leicht zu deutende Geklirr vernahm . » Gelt « , rief Malimmes lachend , » da drin , da klingelt ' s ? « Der Wirt und seine Leute begannen aufzutragen , als wären zwei große Hansen zu Gast gekommen . Malimmes , immer schwatzend , immer lachend , schnitt dem Bruder das Selchfleisch und die Würste in großen Brocken vor und füllte ihm fleißig den zinnernen Becher . Auch der Leutgeb , sein Weib und die zwei jungen Mägde mußten mithalten . Jeder Knecht und Stallbub , der kudernd zur Tür hereinguckte , wurde fröhlich zu dem gastfreien Tisch herangewunken , und jeder Bauer wurde angerufen , der draußen auf der Straße vorüber wollte - mancher schüttelte den Kopf und ging seines Weges , doch mancher kam . Bald saßen an die dreißig um die lange Tafel , zu der man Tisch neben Tisch zusammenrückte . Marimpfel , um dem lustigen Bruder gefällig zu sein , bezwang seinen Hofmannsstolz und gab sich als Herr , der sich gnädig niederbeugt zu den Minderen .