am Weg unterm Feldkreuz geben wir ihr die Ruh . Unser Herrgott wird schon zufrieden sein damit ! « Also nahmen wir Hacke und Schaufel und gingen hinaus auf den Weg und arbeiteten den halben Tag , um der Toten ein gutes Bett zu machen . Dann gingen wir heim , ließen die Kuh und die Geißen aus dem Stall auf den Anger und tranken wieder ein wenig Milch und aßen ein Stück Brot . Die Sonne stand gerade über uns , als wir den Schiebkarren mit Laub und Blumen geschmückt und die Tote in Leinlachen gehüllt und darauf gelegt hatten . Das Kathreinl nahm nun einen Rosenkranz , das alte Buch , in dem die Mutter so gern gelesen , und ein Kästlein , in dem sie ihre wunderbaren und geheimen Dinge immer verwahrt hatte , legte sie zu den Füßen der Toten , und dann fuhren wir sie zum Grab . Wir streuten Gras und Blumen in die Grube , beteten das Vaterunser und senkten den Leichnam weinend hinab . Darnach legten wir die Kostbarkeiten zu ihr , bedeckten sie mit Blättern und Blüten und machten das Grab wieder zu , indem wir dazu beteten : Herr , gib ihr die Ruhe , dein Licht leuchte ihr , laß sie ruhen in Frieden . Amen . Darauf fuhren wir unseren Karren wieder heim , verschlossen alle Türen des Hauses und setzten uns auf das Bett und hielten uns wortlos bei den Händen . Endlich stand ich auf und ging hinaus , um dem Kathreinl etwas zu richten ; denn sie sah so bleich und elend aus , daß ich dachte , sie hätte gewiß Hunger . Aber sie lief mir sogleich nach und sagte : » Es hungert dich leicht , Bub ? « Und sie holte etliche Eier aus der kleinen Speiskammer und das Schmalzhäflein und schlug für mich drei und für sich zwei Eier in die Pfanne , und wir hielten auf der Ofenbank , während das Reisigbüschel am Herd verglimmte , ein trauriges Totenmahl . Plötzlich sagte das Mädchen mit einem schwachen Lächeln : » Jetzt fehlt nur noch der Leichentrunk und der Totentanz ! Wir müssen der Mutter doch die letzten Ehren schenken ! « Damit lief sie hinaus und kam nach einer Weile mit einem Krüglein saueren Mosts und einem schwarzen Holzkasten wieder . » Trink « , sagte sie und nahm eine alte , abgegriffene Zither aus dem Kasten und legte sie auf die Knie . Ich sah ihr mit Schaudern und Staunen zu und wollte diesem Empfinden eben Worte geben ; da griff sie in die Saiten , schlug etliche Akkorde an und spielte einen alten , harten Landler . » Den hat sie am liebsten gehört « , sagte sie darnach , » den hat ihr schon ihr Vater immer aufgespielt ; er ist ein zwiefacher und geht gut zum Plattln . Früher hat die Mutter noch manchmal ein paar Burschen und Dirndln auf Besuch geladen , und sie haben da getanzt und gesungen ; aber seit der Pfarrer einmal von der Kanzel gesagt hat , wen er noch mal bei der alten Waldhex antrifft , den absolviert er bei der Beicht nimmer , seit der Zeit hat sich keins mehr in den Heimgarten getraut außer dem Ödhoferbuben ; aber der ist nicht wegen der Musik gekommen und auch nicht wegen einer von den Dirndln . Ich glaub auch , daß kein anderer dem Pfarrer was gemeldet hat von dieser Tanzmusik als wie der Ödhofer . Er hätt halt gern allein sein mögen zum Zuhören . « Sie lachte plötzlich spitzbübisch auf , trank hastig und spielte darnach wieder weiter . Ich fand mich nicht ganz wohl bei dieser ganzen Sache und meinte , indem ich ein leises Grausen abzuschütteln suchte : » Jetzt langt ' s schon , Kathreinl ! Mir deucht , die Tot möcht jetzt lieber ihre Ruh haben ! « Aber das Mädchen schüttelte bloß den Kopf , trank wieder , nahm die Zither in eine Hand , stand auf und begann mit derselben einen tollen Tanz aufzuführen , indem sie mit voller Hand Akkorde griff und die Zither schwang . Das klang bald wie fernes Glockengeläute , bald wie wilde Orgelmusik , und ihre Füße stampften dazu , und sie wirbelte herum , daß ihre roten Zöpfe los wurden und herabfielen . Da erhaschte ich einen , als sie eben wieder an mir vorbeistampfte ; ich hielt sie daran fest und umspannte , als sie aufschreiend stillhielt , ihren Leib . Ganz elend bat ich sie flehentlich , doch aufzuhören , und ich drohte ihr , sogleich aus dem Haus zu laufen , wenn sie den Teufelstanz nochmals beginnen würde . Sie stand erschöpft vor mir , und ihre Brust ging stürmisch auf und nieder . » Ja , ja ; ich bin schon wieder still « , sagte sie heiser und verschloß sodann die Zither und lehnte den Kasten hinter den Ofen . Dann strich sie sich das Haar glatt , trank gierig und setzte sich , mich neben sich niederziehend , wieder aufs Bett . Ich folgte ihr widerstrebend . Eine seltsame Scheu vor dem wilden Wesen des Mädchens hatte mich ergriffen und wich auch nicht , als diese plötzliche Wildheit einem stumpfen Vorsichhinstarren Platz machte . Stumm saß ich neben ihr und spielte nachdenklich mit dem Ende ihres Zopfes und wickelte ihn gleich einem Ring um die Finger , als draußen heftig an die Haustür gepocht wurde . Wir sprangen beide zugleich auf und sahen uns erschreckt an ; da pochte es wieder . Das Kathreinl sagte : » Nicht aufmachen ! Sei ganz still ! Ich schau , wer ' s ist ! « Und sie schlich ganz leise über die Stiegen hinauf und sah vom Söller durch eine Luke hinab auf den Einlaßbegehrenden . Gleich darauf kam sie mit unhörbarem Schritt wieder herab und flüsterte mir zu : » Halt dich still ! Der Schnepfalucka , der Leichenbschauer , ist