, wo er siegesfroh bei mir zum Souper erschien . Wir waren beide etwas verlegen und dachten : ... ja ... nun ... Aber es klingelte , und eine Freundin kam - ebenfalls mit Souperabsichten . Das wäre ja an sich noch nicht so schlimm gewesen - wir soupierten also zu dreien mit vieler Heiterkeit . S ... wollte sie dann heimbegleiten - ein Blick : ich komme wieder ... Fünf Minuten später kamen alle beide die Treppe wieder herauf - der Schlüssel war in der Haustür abgebrochen . Es gab also wieder einmal Nachtquartier in der Mehrzahl , das die ironische Vorsehung schon so oft über uns verhängt hatte . Gute Miene und böses Spiel , denn die räumlichen Verhältnisse ermöglichten wohl eine pikante Situation zu dreien , verwehrten aber jedes tete-a-tete . Nie vergesse ich den schmerzlichen Zug um seine Lippen , als er morgens beim Abschied sagte : ich möchte wissen , in welcher Konstellation wir das nächste Mal übernachten werden . Aber es blieb bei dieser letzten , denn ich verreiste bald darauf und er verlobte sich - heiratete - war recht unglücklich in seiner Ehe und ließ sich wieder scheiden . Unsere Wege trennten sich , kreuzten sich hier und da wieder , wir blieben immer irgendwie in freundschaftlichem Kontakt , und es bildete sich allmählich die Tradition heraus , daß S ... in angemessenen Zwischenräumen bei mir anfragte , ob mein Herz und meine Hand - sei es auch nur die Linke - zurzeit verfügbar sei . Aber jedesmal , wenn er in zierlichen Redewendungen seinen Antrag stellte , waren Herz und Hand schon anderweitig in Anspruch genommen . - » Warum kommen Sie gerade jetzt ? - Dienstag vor vierzehn Tagen ... « Und war bei mir eine Vakanz , die ich gern vergeben hätte , so war er gerade in Spanien , um irgendeinen alten Meister zu entdecken , oder ging ernstlich damit um , ein junges Mädchen aus guter Familie zu heiraten . Das letztemal , als wir uns zufällig in Berlin trafen , meinte er förmlich erbittert : es sei allmählich höchste Zeit , daß diese Angelegenheit , die sich nun schon so lange wie ein roter Faden durch unser beider Leben ziehe , einmal ausgetragen würde . Von jetzt an sei es an mir , den Wink zu geben . Wir haben dann ausgemacht , daß ich ihm , wenn der geeignete Zeitpunkt käme , einen roten Faden zuschicken sollte . Zwei oder drei Monate später lag der rote Faden bereit - es war sogar eine schöne , dicke seidene Schnur - er lag schon kuvertiert in meinem Schreibtisch , und es war nur Bummelei , daß ich ihn noch nicht abgeschickt hatte - da bekam ich wieder eine Verlobungsanzeige von Freund S ... Am Vorabend seiner Hochzeit habe ich ihm den roten Faden in die Hand gedrückt , und wir haben beide heiter und herbstlich dazu gelächelt . Letzten Winter hörte ich , daß er noch einmal wieder von der Ehe Abschied nehmen wollte - ja , und vor ungefähr acht Tagen kam ein Brief aus Venedig - in dem Brief lag meine rote Seidenschnur ... Voila - Freund und Doktor , das Weitere werden Sie nie erfahren - machen Sie sich keine Hoffnung . Bedenken Sie , daß die Lösung ja in jedem Fall banal ausfallen muß . Legt die Vorsehung wieder ihr Veto ein , so wird es langweilig . Drückt sie aber diesmal ein Auge zu , so verliert die Geschichte vom roten Faden erst recht ihren Reiz . 11 Falsch geraten - ich bin in Rom , und S ... ist nach Norwegen gefahren . Ein hoffnungsloser Fall - der arme Kerl strebt im Grunde seines Herzens doch nur danach , wieder zu heiraten . Für seine Bekannten ist ein Trost dabei : er ist immer am nettesten , wenn er eben eine Scheidung hinter sich hat . Das wirkt auf seinen inneren Menschen wie eine Art Wiedergeburt - aber es ist halt doch etwas umständlich . Nun beschäftigt er sich neuerdings mit Rassentheorie und meint , an seinen bisherigen Fehl-Ehen sei vor allem die schlechte Rasse seiner Gefährtinnen schuld gewesen . Ja , und deshalb will er jetzt die reinrassigen nordischen Frauen näher studieren . Wir saßen den letzten venezianischen Nachmittag am Markusplatz beim Eiskaffee und erwogen voller Wehmut , was geschehen wäre , wenn wir beiden uns doch damals am Anfang unserer Bekanntschaft geheiratet hätten . Vielleicht wollte die Vorsehung nur darauf hinaus und hat unserer illegalen Neigung deshalb so viele Steine in den Weg gelegt , wer kann es sagen ? Und wäre ich jetzt seine geschiedene Frau - rechnete er mit Bedauern aus - , so verfügte er doch wenigstens über eine kleine Rente , während er unter den obwaltenden Verhältnissen leider herzlich wenig für mich tun könnte . Kurz , er zeigte sich recht besorgt um meine finanzielle Gegenwart und Zukunft , gab mir viele gute Ratschläge und machte mich noch telegraphisch mit einem seiner vielen und merkwürdigen Auslandsfreunde bekannt , der gerade in Rom ist und mich denn auch mit fürstlichen Ehren empfangen hat . Man nennt ihn einfachheitshalber den Sizilianer , weil er meist in Sizilien lebt und seine Nationalität etwas verwickelt ist . Er ist in Madagaskar geboren , aber ich glaube , aus spanischer Fanlilie , also immerhin reizvoll international - gebrochenes Deutsch - nun , man wird ja sehen . Ich gestehe Ihnen offen , manches von dem , was S ... mir sagte , ist mir wirklich zu Herzen gegangen . Er erklärte es für geradezu unverantwortlich , daß ich immer noch keine ernstlichen Schritte getan , um mich zu rangieren . Er hat recht , und ich habe es mir ja selbst ja auch schon hundertmal gesagt - und Sie - und verschiedene andere . Ein schwieriger Punkt - ich kann das Gerede von Problemen sonst nicht ausstehen - es sind ja fast nie welche - aber diese Sache erkenne ich an