auf und wateten in das Wasser , um den Männern behilflich zu sein die Boote auf den Sand zu ziehen . Mitten im Brandungsschaum standen alle diese Menschen blank von Wasser und Sonnenschein . » Ah , unsere Fischer « , sagte der Geheimrat . Er trat an eins der Boote heran , begrüßte die Fischer , die er kannte : » Guten Morgen , Andree , guten Morgen , Wardein , nun , hat es sich gelohnt ? « - » Bißchen was ist da « , sagte Wardein und wischte sich den Wellenschaum aus dem grauen Bart. Knospelius beugte sich über den Bootsrand , um die Fische zu sehen , die auf dem Boden des Bootes lagen . Er streifte sich den Rockärmel auf und fuhr mit seinen langen Fingern mitten hinein zwischen die Dorsche mit ihren bleichen Silberleibern , die Butten , die aussahen wie bräunliche Bronzescheiben , an denen wunderlich verzerrte Gesichter sitzen und die Fülle der kleinen Brätlinge , die blank waren wie frischgeprägte Markstücke . Knospelius kniff ein Auge zu und lachte das Lachen eines ausgelassenen Schuljungen . » Betrieb , auch Betrieb « , sagte er . Doralice sah ihm einen Augenblick zu , dann wandte sie sich mit einem kurzen » guten Morgen « ab und ging schnell weiter . Jetzt hatte sie Eile , bei Hans Grill zu sein . Da kam er ihr schon entgegen in seinem weißen Leinenanzug , das Badetuch über der Schulter , das Gesicht rot und über und über lächelnd . Wie er sich freut , mich zu sehen , dachte Doralice , und sie fühlte diese Freude wie etwas , das sie plötzlich erwärmte . Hans legte seinen Arm um ihre Taille , nahm sie an sich , wie man sein Eigentum an sich nimmt . Er hatte schon gebadet , er roch nach Seewasser . » Kalt war ' s « , berichtete er , » aber das liebe ich , wenn die Wellen einen ins Fleisch zwicken , willst du nicht auch baden ? « Nein , Doralice wollte später baden . » Ich weiß , ich weiß , « meinte Hans , » du liebst es , wenn das Meer eine lauwarme Tasse Tee ist . Schön , schön . Aber hungrig sind wir , ich habe Agnes gesagt , daß sie für jeden von uns wenigstens vier Eier bereithalten soll . « » Was sagte Agnes ? « fragte Doralice . Hans lachte . » O die , ihr Gesicht versteinerte sich und sie meinte , sie habe nicht gewußt , daß adlige Damen so viel essen müssen . « Viertes Kapitel Der Tag war sehr heiß . Die Generalin hatte die Strandkörbe auf die Düne stellen lassen . Dort saßen sie und ihre Tochter und machten Handarbeit . Fräulein Bork ruhte vor ihnen im Sande und zeichnete das Meer . Sie zeichnete immer das Meer , lange leichtgewellte Linien , am Horizont ein Segelboot . Wedig saß neben seiner Mutter und mußte aus Fénélons » Télémaque « vorlesen . Er las ganz eintönig in einer Art klagender Melodie , die wie das Schlummerlied für diese heiße Stunde klang . Er selbst fühlte sich ganz hoffnungslos , sein Feriengefühl war ihm abhanden gekommen . Dieses ewig glitzernde Meer , dieser heiße Sand , der sich an die Finger hing und sie nervös machte , die Ereignislosigkeit , all das schien Wedig gewöhnlicher Alltag und machte ihn weltschmerzlich . Dazu noch dieser Mentor mit seinen endlosen Reden . Wedig wünschte , er hätte ihm die Nase abreißen können . Frau von Buttlär hörte der Vorlesung nur unaufmerksam zu , nur mechanisch warf sie hin und wieder ein zerstreutes » faites les liaisons , mon enfant « hin . Oft griff sie nach ihrem Opernglase , um zum Strande hinabzusehen , wo Lolo und Nini auf- und abgingen und sich abkühlten , bevor sie in das Wasser gingen . In den roten Badeanzügen , weiße Stoffkappen auf dem Kopf , sahen sie wie sehr schlanke Knaben aus und sie gingen ganz aufrecht , die Beine ihrer Freiheit ungewohnt ein wenig befangen und steif bewegend . » Sagen Sie , Malwine , « fragte die Generalin , » sahen wir in unserer Jugend auch so aus , wenn wir badeten ? « Fräulein Bork kniff das eine Auge zu und lächelte gefühlvoll : » Ach , das ist so hübsch « , meinte sie , » wie kleine rote Silhouetten auf einem grünen Lampenschirm sehen sie aus . « » Ja , o ja « , versetzte die Generalin , » daß das , was wir in unserer Jugend Hüften nannten , immer mehr abkommt ! « Jetzt gingen die Mädchen in das Wasser , vorsichtig wateten sie durch die Brandungswellen , verschwanden zuweilen ganz im weißen Schaum und warfen sich endlich auf das Wasser , um zu schwimmen , zwei rote Striche , in dem weißlichen Grün , das heute die Farbe des Meeres war . Sie waren gute Schwimmerinnen , aber Lolo überholte Nini weit , wunderbar leicht und schnell schoß sie vorwärts , geradeaus , als habe sie ein Ziel . » Aber wohin will sie « , rief Frau von Buttlär , » warum bleiben sie nicht beisammen ? Ich habe ihnen gesagt , sie sollen beisammen bleiben , ich habe ihnen verboten , bis zur zweiten Sandbank zu schwimmen . Lolo ! Lolo ! « Frau von Buttlär rief und winkte mit ihrem Taschentuche , aber der rote Strich dort drüben fuhr immer weiter ins Meer hinaus . » Ich sage es immer « , klagte Frau von Buttlär , » Lolo hat einen schwierigen Charakter , sie kann nicht gehorchen , ihr Mann wird es schwer haben . Lolo ! Lolo ! « » Wer geht denn dort ins Meer ? « fragte Wedig und zeigte zum Strande hinab . » Das « , sagte die Generalin , » muß die Köhne sein . « » Wo ?