Bekannten von meinem Winnetou gehört , so engagiert er sich einen besonderen Mann zum Uebersetzen und Vorlesen dieser Erzählung . Ist etwa anzunehmen , daß er bei diesem Bekannten dem Vorlesen aller drei Bände beigewohnt hat ? « » Gewiß nicht . « » Das ist auch meine Meinung . Er hat nur Einiges oder gar nur Weniges gehört . Wenn er sich sofort hierauf einen besondern Privatübersetzer engagierte , um das ganze Werk unter vier Augen kennen zu lernen , so muß dieses Einige oder dieses Wenige von außerordentlicher Wichtigkeit für ihn gewesen sein , muß irgend einen Punkt seines tiefsten Seelenlebens gepackt und ergriffen haben . Oder glaubst du , daß diese Wichtigkeit vielleicht doch schon eine rein literarische , eine buchhändlerische gewesen ist ? « » Nein . « » Oder eine geschäftliche ? « » Ebensowenig . Sie war , wie du ganz richtig vermutest , eine psychologische , eine seelische . « » Das heißt mit andern Worten , daß sie sich auf sein Innenleben , auf sein Privatleben , auf sein Familienleben , also auch auf seine Familienverhältnisse bezog . Er machte während der Vorlesungen Notizen . Warum und wozu ? Doch nicht etwa nur , um nichts zu vergessen . Was Einen so tief in der Seele packt , das merkt man sich gewiß , auch ohne Notizen zu machen . Er hat zugegeben , daß diese Notizen ihm als notwendig erschienen seien und ihm auf seinen Nachforschungen im Westen jahrelang als Führer gedient haben - - « » Etwa nach dem verschollenen Vater ? « fiel da das Herzle schnell ein . Da nickte ich ihr zu und antwortete : » Du , das war fein , sehr fein ! Ja allerdings , nach dem verschollenen Vater ! Ich wollte noch einige andere Folgerungen und Schlüsse herbeiziehen , um mich dir begreiflich zu machen ; da du mir aber gleich mit diesem Hauptergebnisse kommst , so ist das , wenigstens für einstweilen , nicht mehr nötig . Ich habe nur noch auf die Dringlichkeit zu zeigen , mit welcher er die Lage der beiden Orte zu erfahren versuchte , die er , wie er sich ausdrückte , noch nicht aufzufinden vermochte . Ich meine selbstverständlich den Nugget-tsil und das Dunkle Wasser . « » Muß sich diese Dringlichkeit nur auf Sander beziehen ? « » Ja . « » Nicht auf irgendeine andere Person ? Und auch nicht auf die Nuggets ? « » Nein . Von Personen käme nur ich allein in Betracht , denn alle Andern sind unwichtig oder gar tot , und anzunehmen , daß er grad meinetwegen so jahrelang den Westen durchforscht habe , wäre lächerlich . Er hat ja durch seinen heutigen Besuch bewiesen , daß er sehr wohl weiß , wie schnell und wie leicht ich zu finden bin . Und was die Nuggets betrifft , so hat er ja gelesen , daß sie für immer verloren sind und von keinem Menschen mehr gefunden werden können . Also : Von den Ereignissen am Nugget-tsil und am Dunkeln Wasser kommen nur zwei Personen in Betracht , nämlich Sander und ich ; alle Andern sind unendlich nebensächlich , sind verschwunden ; ich aber habe auszuscheiden ; folglich bleibt nur noch Sander . Und nun , paß auf , Herzle , kommt noch ein Hauptgrund , auf den ich mich stütze ! Dieser sogenannte Mr. Enters will meinen Winnetou kaufen . Wozu ? Etwa um ihn übersetzen , drucken und verbreiten zu lassen ? « » Nein , sondern um zu verhindern , daß die Erzählung da drüben in englischer Sprache erscheint . Da hattest du Recht . Das hörte man den Worten dieses Mannes an , besonders auch dem Schreck , den er nicht verbergen konnte , als er gegen alle seine Erwartung hörte , daß er die Bücher nicht bekommt . Man soll da drüben die Vergangenheit und die Taten seines Vaters nicht kennen lernen . « » Ja . Zwar wollte ich das erst folgern , und du kommst meinem logischen Schlusse vor ; aber es ist das für mich eine Tatsache , an der ich nicht im geringsten zweifle . Er hat geglaubt , mich mit einer Tasche voll Dollars übertölpeln zu können , obwohl er aus dem Winnetou wissen mußte , daß ich auf solchen Köder nicht gehe . Dieser sein Besuch bei mir und sein Antrag war eigentlich eine Beleidigung , die ich ganz anders hätte beantworten sollen , als ich sie beantwortet habe . « » So zürnst du mir nun wohl ? « » Zürnen ? Wofür ? « » Dafür , daß ich dich veranlaßt habe , ihn nicht ganz endgültig abzuweisen und ihm noch eine Zusammenkunft zu gewähren . « » O nein ! Ich lasse mich selbst von dir nicht dazu bestimmen , irgendein höheres , vielleicht gar ethisches Gut für niedriges Geld zu verkaufen , und du , du würdest ganz gewiß die Allerletzte sein , mir so Etwas zuzumuten . Ich bin auf das Wiedersehen am Niagara eingegangen , weil es sehr triftige Gründe dafür gibt , die beiden Brüder Enters oder Sander von nun an nicht wieder aus dem Auge zu lassen . Du weißt ja , daß es eine Gewohnheit jedes erfahrenen Westmannes ist , gefährliche Leute sich niemals in den Rücken kommen zu lassen . « » Gefährlich ? « fragte sie . » Allerdings . « » Wieso ? Ich halte diesen Enters , obwohl er ein Sander zu sein scheint , doch für einen guten Menschen . « » Ich auch . Aber kann nicht selbst die personifizierte Güte einmal obstinat werden ? Liegt in der Niedergeschlagenheit und , ich möchte fast sagen , in dem krankhaften Tiefsinn dieses Mannes nicht etwas Explodierbares , vor dem man sich zu hüten hat ? Und kennen wir seinen Bruder ? Du weißt , Geschwister brauchen nicht von gleichem Charakter und gleichem Temperament zu sein . Ich bin überzeugt , daß wir ihn in