; das überreichte er ihr . » Ich danke « , flüsterte sie und machte einen hübschen Knicks . Zeit seines Lebens hatte noch kein Mensch » ich danke « zu ihm gesagt , und das verwirrte ihn so , daß er sie geistesabwesend angaffte . Seine Verblüffung benützte sie hurtig , indem sie aalgleich an ihm vorbeiglitt und sich zu den umkehrenden Mägden rettete . » Gute Nacht « , rief er ihr gutmütig nach , erhielt jedoch keine Antwort . Darauf schlich er wieder in die Wirtsstube , nicht ganz zufrieden mit sich selber . » Ihr geht jetzt , denk ich , auch besser zu Bett « , meinte Therese , » die Augen fallen euch ja zu vor Schläfrigkeit . « » Durchaus nicht schläfrig « , bestritten sie eifrig , und um nicht zwangsweise zu Bett gebracht zu werden , eilten sie flugs durch den Hausgang die Freitreppe hinunter , um die Hausecke . Es war finstre Nacht , mit Sternen am Himmel , aber warm , fast heiß ; ein Käuzchen wimmerte von einer nahen , unsichtbaren Bergwand , und die Grillen verführten einen unsinnigen Lärm . Bei ihrem Streifzug gerieten sie von ungefähr in einen gewaltigen Wagenschauer , der mit Fuhrwerken jeder Art vollgepfropft war . Hier erkletterten sie den Bock einer ungeheuren Riesenkutsche , knöpften das Schutzleder , das ihnen bis an den Hals reichte , auf beiden Seiten zu , so daß sie da saßen wie zum Rasieren , und schnupperten wollüstig den Duft der Lederwichse . » Sie liegt jetzt im Sterben « , hörten sie draußen auf der Landstraße einen Vorüberziehenden melden , » sie röchelt schon . « » Was ist das , röcheln ? « fragte Hansli leise den Bruder . » Ich weiß nicht genau , etwas Ähnliches wie schnarchen . « » Kannst du röcheln ? « » Röcheln kann man erst , wenn man stirbt . « » Tut eigentlich das Sterben weh ? « » Natürlich , warum würden sonst alle weinen , wenn jemand stirbt . « » Und das Heiraten ? « » Jedenfalls viel weniger ; sie machen ja alle bei einer Hochzeit lustige Gesichter . Und gesetzt auch den Fall , so bleibt doch immer ein großer Unterschied : mit dem Sterben ist alles aus , während das Heiraten vorübergeht . « Hierauf gab es eine kleine Pause . Dann begann Hansli von neuem : » Gibt es auch wohlriechende Tiere ? « » Eine einfältige Frage ! « verwies Gerold strenge , denn er wußte die Antwort nicht . Jetzt abermals eine kurze Pause . » Warum « , fragte Hansli wieder , » warum sieht man eigentlich niemals einen Großvater über einen Schemel springen oder auf dem Dach herumklettern , oder eine Großmutter in einen Bottich schlüpfen ? « Diesmal begnügte sich Gerold mit einem schläfrigen Knurren statt der Antwort . Hernach kam eine lange Pause der Zufriedenheit . Und da die Zufriedenheit währte , währte auch die Pause . Draußen auf der Straße murmelte der plätschernde Brunnen , stetig und ebenmäßig ; aus weiter Ferne , von der Klus her humpelte der hustende Brummbaß der Tanzmusik vom Leuen , plump und drollig , als ob eine lebendig gewordene Runkelrübe schief um den Saal herumwalzte , die Wurzelspitze nach unten und der grüne Pflanzenschopf oben . Allmählich steckten sie einander an , der Brummbaß und der Brunnen , so daß man nicht wußte , welcher Ton diesem , welcher dem andern gehörte ; die Brunnenröhre vervielfältigte sich , bekam hundert Leuenrachen , die Rachen klappten sämtlich auf und zu , im Takt des Brummbasses , schließlich blieben sie sperroffen stehen , stumm und versteinert . Jetzt erschienen dem schlummernden Gerold Traumgesichte . Ihm schien , er stände vor der Freitreppe der Friedlismühle , aber statt Friedlismühle stand über der Haustür geschrieben : Gasthof zu den stillen Männlein . Ein schauerlicher , tausendfältiger Lärm , übertönt von dem Donnergebrüll des Götti Statthalter und dem Blöken angstvoller Kälber umtoste den stillen Gasthof , ähnlich dem Tosen der Schönthaler Fabrik . Jetzt kam ein unendlicher Zug von Schlachtopferkälbern die Stufen der Freitreppe heraufgestiegen , mit ihren großen traurigen Menschenaugen sich nach Gerold umschauend ; oben auf der Treppe standen sie still , wackelten mit den Köpfen und Beinen im Takt des Brummbasses , dann stiegen sie auf der andern Seite die Treppe hinab . Aber mit einem Male waren es nicht mehr Kälber , sondern Menschen , die Großeltern , die Urgroßmutter , der Onkel Dolf und alle andern , die er lieb hatte . Und siehe da , er selber , Gerold , war mit in ihrer Reihe und schaute ihn von der Treppe herunter an , und der Hansli hinter ihm , der ihm mit den Fingern spöttische Zeichen über die Schultern gabelte . - Aber wer röchelt denn so ? Erschrocken , mit schnarchendem Aufschrei fuhr er in die Höhe , stöhnend , die Augen geblendet von Lichtschein . » Da also sind sie , die Ausreißer ! « lachte die Stimme des Friedliswirtes , und eine laternenbewaffnete Scharwache umringte die Kutsche . Nun wurde das Nest ausgeräumt , der fest schlafende Hansli von der Therese auf die Arme geladen , Gerold taumelnd und schwankend vom Wirt abgeführt . Unterwegs nach ihrem Schlafzimmer kamen sie an einem märchenhaften Himmelbett vorüber , mit Schleiern und Spitzen umhangen wie für ein Schneewittchen . Es lag auch wirklich so etwas Weißes darin , das setzte sich empor , rieb sich die Augen und schnellte dann mit einem kleinen Schrei unter die Decke . » Gute Nacht , Gesima « , lallte schlaftrunken Gerold . Als er dann in das linde Gastbett verpflanzt war , wo Leib und Seele in köstliche Untiefen versanken , schlugen alsbald die Träume wieder über seinem Geist zusammen . Ihm träumte , er säße am Weidenbächlein der Klus und schaute in das Wasser , das eilends einem Wasserfall zustrudelte . In einem Papierschifflein kam die Urgroßmutter