Werner schaute auf . » Hat das denn irgendeinen Einfluß auf deine Toilette ? « » Wenigstens « , beschloß Lene , » leg ' ich dann die kirschroten Bänder um . « » Tu das , Kind « , sagte Werner freundlich , » das wird hübsch sein . Auch wohl vielleicht , weil der Baron Rast ein schlechter Mensch ist ? « » Was hat das für einen Zusammenhang ? « fragte Lene und ging aus dem Zimmer . Die Zimmer in Dumala waren heute alle erleuchtet . Die alten Möbel mit den verblaßten Seidenbezügen und den großen gewundenen Lehnen standen mürrisch , wie im Schlaf gestört , im hellen Lampenlicht . Als Werners in das Kaminzimmer traten , waren die anderen Gäste dort schon versammelt . Die Baronin Huhn aus Debschen , in eine blanke , graue Atlasrobe , wie in einen Spiegel gekleidet , sehr erhitzt unter ihrer weißen Perücke , unterhielt sich mit dem Baron Werland , der im Gesellschaftsanzuge noch schmäler und gebrechlicher als sonst aussah . Neben ihm am Kamin lehnte Behrent von Rast , breitschulterig und groß . Der Kopf war seltsam grell , mit dem kurz geschorenen schwarzen Haar über der geraden , niedrigen Stirn , mit dem Bart , der am Kinn geteilt , wie zwei schwarzblaue Flammen von beiden Seiten abstand . In dem bräunlichen Gesicht saßen zwei große , samtbraune Augen . » Unangenehm ! « dachte Lene . Karola begrüßte die Pastorin sehr herzlich . » Wie freue ich mich , Sie hier zu sehen . Man sieht sich so selten . « Lene errötete , weil sie überrascht war von der unumwundenen Falschheit dieser Freundlichkeit . » Sie ladet mich ja nie ein « , dachte sie . Vor dein Diner saß man zusammen und plauderte . Rast ließ sich von der Baronin Huhn und Werland über Landwirtschaft belehren . - » Ach ! - So ist es ! Ich bin sehr dankbar . Gott ! Ich bin so unwissend in der Landwirtschaft . « Karola unterhielt sich zerstreut mit der Pastorin : » Sie haben zu Hause viel zu tun , nicht wahr ? Sie sind musikalisch , wie angenehm ! « Jakob öffnete die Türen zum Speisezimmer . » Stütz dich nur auf meinen Arm , mein Alter « , sagte Rast brüderlich zu Werland . » Danke ! ja , ich muß mich führen lassen « , meinte Werland . » Ich hätte nicht gedacht , daß ich noch die Beine anderer Leute werde pumpen müssen . « » Mach ' dir nichts draus « , tröstete Rast . » Es ist noch lange nicht erwiesen , daß Beine für ein angenehmes Leben durchaus nötig sind . Die großen Damen in China haben die Füße so gut wie abgeschafft . « Bei Tisch saß Rast neben Lene , Werland nahm ihn jedoch in Anspruch . Er wollte mehr von den großen Damen in China hören . Werner unterhielt sich mit der Baronin Huhn , die von ihren Dienstboten sprach . Simon , der Schweinehüter , sagte , er sei zum Schweinehüten da und wollte im Winter keine andere Arbeit so recht tun . Karola , ein wenig bleich in ihrem dunkelroten Seidenkleide , der Mund unnatürlich rot , war einsilbig . » Der Gang vorigen Abend « , fragte Werner , » ist er Ihnen bekommen ? « Es war , als hätte sie ihn vergessen und müßte sich erst darauf besinnen . » Der Gang ? - Ach ja , der war schön . « Rast hatte sich jetzt Lene zugewandt und begann eine Unterhaltung . Seine großen Samtaugen glitten dabei ruhig und frech über das Gesicht und die Gestalt der jungen Frau . Es war Lene , als streiften diese Augen langsam die Kleider von ihr ab . Sie wurde dunkelrot . » Wir sind ja Nachbarn . Wir werden , hoffe ich , gute Nachbarschaft halten . Der Pastor ist ja Jäger . « » Mein Mann jagt nicht mehr « , berichtete Lene , » man sieht das hier nicht gern . « » So ? « Rast bedauerte es . » Schadet denn das jagen der Würde ? Hat die Frau Pastorin auch schwere Pflichten ihrer Würde ? « » Jeder hat seine Pflichten « , erwiderte Lene . » Hm - streng sein ; und so . hübsch zu sein , ist wohl nicht erlaubt ? « meinte Rast . Lene machte ein sehr ernstes Gesicht . Sie wollte ihn in seine Schranken zurückweisen . Er wandte sich von ihr ab und rief zu Karola hinüber : » Wissen Sie , Baronin , Ihr Diner ist das beste , das ich seit langem gegessen habe , daher darf ich das sagen . Man schmeckt sofort Tradition heraus . « » Unser Jansohn ist auch der konservativste aller Köche « , berichtete Werland . » Ja , ja , das schmeckt man « , bestätigte Rast . » Es ist , als legte er überall ein paar Blätter vom Stammbaum zu . Familienküche , das ist das Wahre . Man müßte es gleich herausschmecken können , diese Speise ist Werlandsch , - diese Huhnsch . « » Viel saueren Schmand , das ist mein Familienspruch « , sagte die Baronin Huhn . Als der Sekt kam , verstummten die Einzelunterhaltungen , und Rast sprach allein , erzählte Anekdoten aus aller Welt , eine nach der anderen . Wie sie ihm alle zuhörten , wie sie lachten , auch Karola ! Werner wunderte sich darüber . Ihm waren sie zuwider , diese Geschichten , und diese weiche , schnarrende Stimme , die die Worte so nachlässig hinwarf . Er schaute mißbilligend zu Lene hinüber . Sie achtete nicht darauf . Sie hörte aufmerksam zu , legte ihr Taschentuch vor den Mund , weil sie so lachen mußte . Nur Pichwit blieb ernst und sah Rast mißbilligend und ironisch an . Nach dein Essen mußte Werner wieder die Baronin Huhn