, sich freiten und Kinder kriegten und die Insel bevölkerten . Sie , die Großmutter , hatte er am liebsten , die damals noch ein kleines Mädchen war und zu seinen Füßen saß auf dem Fußbänklein , » gerade wie du , mein lieber Hans . So vergehen die Jahre , und die Menschen werden groß , und die alten sterben , und junge kommen auf , und ist mir , als sei es gestern gewesen , daß ich aufhorchte , wie er mir erzählte von den Silbergruben in Ungarn und von den großen Meerschiffen . Und ist zu denken , daß auch mein Großvater dereinst als Kind aufgeschaut hat zu seinem Ahn , und geht die Reihe der Geschlechter fort durch die Jahrhunderte , und auch du , mein liebes Kind , wirst einst Kinder haben , und Enkel werden zu deinen Füßen sitzen , und du wirst denken : War es nicht gestern , daß ich hörte , wie die Großmutter mir erzählte ? Aber dann werde ich schon lange in der Erde liegen neben deinem Großvater , der so jung hat sterben müssen , daß er deinen Vater nicht mehr gesehen hat , und habe ich an fünfzig Jahre die Stelle betrachtet , wo ich einstens neben ihm liegen werde . « Der kleine Hans saß still und horchte auf der Großmutter Worte . Noch verstand er nicht , was sie meinte , denn ein Kind kennt nur den Tag und ist wie ein Schmetterling in der Sonne , der nichts weiß von gestern und morgen ; aber er verschloß ihre Reden treu in seiner Seele , und später haben die ihn getröstet und beschützt , als er keinen Trost von Menschen hatte und keinen Schutz . Auch sagte die Großmutter : » Du bist zwar noch ein Kind , aber du sollst doch schon jetzt wissen , was du sonst später erfahren hättest , denn du bist ja mein Blut und meines lieben Mannes . Deshalb will ich dir erzählen , wie ich und dein Großvater uns lieb gewonnen haben ; denn auch du wirst einmal ein Mädchen lieb gewinnen und heiraten . « Die alte Großmutter , die jetzt mit ihren achtzig Jahren strack in ihrem Bette saß , mit schneeweißem und glattem Scheitel , die Augen nach vorwärts gerichtet in ein neues Land , war einst ein junges Mädchen gewesen , hochgewachsen und schlank wie ein Tannenbaum , mit gelbem Ringelhaar und lustigen blauen Augen . Da sie so schön war und ihre Eltern eingesessene Leute , die ein Stück vor sich gebracht hatten , so fehlte es ihr nicht an Bewerbern . Nach der Art der jungen und unerfahrenen Dinger , die nicht wissen , wie das Leben ein gar schweres Wesen ist , erschien ihr das als ein Scherz und Spiel und vermeinte , sie dürfe stolz sein auf solche Menge der Freier , und äußerte den Stolz in allerhand Mutwillen , den sie mit ihnen trieb aus Gedankenlosigkeit ; denn sie hatte noch nicht erfahren , was Liebe ist . Ganz besonders war ihr aber zugetan der junge Jägerbursche , der später ihr Mann werden sollte , der war ihr indessen zu ernsthaft , wiewohl ihre Eltern es gern sahen , daß er sich um sie bewarb . An einem Abend ging er mit ihr zusammen einen Weg nach dem Dorfe zu , und wie sie auf der Anhöhe standen und unter sich die Lichter blinken sahen , sprach er zu ihr , daß er sie lieb habe , und wenn sie wolle , so werde er sie heimführen als seine Frau und sie lieben und ehren , wenn sie ihn lieben und ihm gehorsamen wolle ; aber er sei noch nicht angestellt , und es sei recht möglich , daß sie ein paar Jahre warten müßten , bis sie heiraten könnten . Auf dieses erwiderte sie schnippisch , denn sein ernster Ton hatte sie verdrossen , und daß er sprach von Gehorsamen . Sie sagte aber , daß sie einen Mann nicht nehmen möge , der schwarzhaarig sei , sondern sie wolle einen Blonden ; und zudem begehrten sie so viele zur Frau , daß sie nicht nötig habe , zehn Jahre zu warten als Braut , sondern wenn sie wolle , so könne sie schon übers Jahr heiraten . Da sagte er , sie spreche wie ein unverständiges Kind , und vielleicht sei sie auch noch zu jung , um schon eine rechte Meinung in solcher ernsten Sache zu haben . Aber ihre leichte Art habe ihn sehr gekränkt , und deshalb bitte er , sie wolle denken , seine Worte seien ungesprochen . Aber wenn er sie nicht zur Frau bekommen könne , weil sie ja nicht wolle und auch er ein so gedankenloses Wesen nicht in sein Haus führen möge , so solle sie doch immer auf ihn rechnen , weil er sie trotz allem lieb habe , denn die Liebe kehrt sich nicht an die Vernunft , ja sie streitet mit ihr . Es sei aber sehr möglich , daß sie später einmal seine Hilfe irgendwie gebrauchen könne ; und auch einen Groll wollten sie nicht auf einander behalten . Dieses stieß ihr wieder an die Krone , so daß sie noch törichter antwortete und ihn gänzlich von sich abwies . » Aber merke dir , mein liebes Kind , « sprach sie von ihrem Bett zu dem kleinen Hans , der vor ihr saß , » wir Frauen sind andern Wesens wie die Männer ; und wenn du nicht vergißt , was ich dir jetzt erzähle , so sparst du dir später viel Herzeleid und Kummer . Vorher habe ich deinen Großvater nicht lieb gehabt , aber wie ich ihm so leichtfertig antwortete , und er war ernst und streng , aber zugleich doch gut zu mir , da kam plötzlich die Liebe zu ihm in mein Herz . Nur daß mich die Schamhaftigkeit hinderte , ihm davon zu sagen ; ja , es war