und überall schien der Mond herein . Editha und ich stiegen auf die Leitern in den Turm hinauf , durch die Luke hinaus und rutschten das ganze Kapellendach entlang . Das haben die dummen Gänse nachher , als sie ausgefragt wurden , alles erzählt . Nachher stellten wir die Lampe auf den Boden und tanzten einen Indianertanz drum herum . Dabei haben wir so gehopst , daß wir den andern Tag ganz lahm waren . Zuletzt liefen wir noch auf den Korridor hinaus und brachten dem vierten Schlafsaal ein Ständchen und warfen ihnen Stiefel ins Bett . Die haben uns dann angezeigt - ist das nicht eine Gemeinheit ? Die Alte kam selbst in die Klasse , alle sagten , so wütend hätte man sie noch nie gesehen . » Die Sünde ist unter euch wie ein fressender Eiter « , sagte sie einmal - dabei platzte ich heraus , und nun fuhr sie auf mich los : ich wäre die Anstifterin , das wüßte sie ganz genau . Ich hätte die andern verleitet , im Nachthemd auf den Korridor zu gehen , und das wäre unsittlich usw. Es ist immer noch große Aufregung im Stift , denn fortwährend kommen neue Schandtaten heraus , auch von dem vierten Schlafsaal , der uns angezeigt hat . Aber es ist nicht recht dahinterzukommen , was die eigentlich gemacht haben , denn das wird alles bei der Pröpstin im Zimmer verhandelt . Sie hat nur die Erste abgesetzt und alle in andre Schlafsäle verteilt . Na , Gott sei Dank , Weihnachten sehen wir uns wieder , dann hab ' ich Dir noch viel zu erzählen . Aber ich werde dann wohl sehr in Ungnade sein . Deine Ellen . Ist Fritz H. noch auf der Schule ? Seit ich Editha habe , bin ich lange nicht mehr so verliebt in ihn . Hier ist überhaupt niemand in Jungens verliebt , wer keine Flamme hat , schwärmt für den Pfarrer . Aber nun leb wohl . Deine Ellen . Am Neujahrstage saß Ellen in ihrer Heimatskirche und legte wie in Kinderzeiten glühende Besserungsgelübde zu Gottes Füßen nieder . Ein furchtbares Unwetter von elterlichem Zorn war über sie hingebraust , und der Vater hatte lange und ernst mit ihr gesprochen . » Was soll denn aus dir werden , wenn sie dich nun fortschicken und es immer so weiter geht ? « Ihr war selbst bange geworden , was aus ihr werden sollte , aber es war ja noch nicht zu spät , sie wollte sich wirklich ändern , sich mehr im Zaume halten . Aber sie fühlte sich doch nicht ganz sicher , und dies Gefühl wurde noch stärker , als sie wieder in der Pension war . Die ersten Wochen ging es ganz gut . Unter den jungen Mädchen war jetzt viel von der Konfirmation die Rede . Der Pfarrer hatte damit angefangen , ihnen die Grundlagen und das Wesen des Christentums zu erzählen , dann kamen die einzelnen Gebote und ihre Beziehung auf das Leben - der ganze schwerwiegende Ernst , der in all den Drohungen und Verheißungen lag - Gottes Zorn und Gottes Gnade . Als die Sünde wider den heiligen Geist besprochen wurde - die Sünde des Gläubigen , der mit vollem Bewußtsein die Gnade verscherzt , die furchtbarste , äußerste Sünde , für die keine Vergebung ist , folgten sie angstvoll jedem seiner Worte und zitterten bis in die tiefste Seele hinein unter demselben Gedanken : und wenn nun ich sie begangen hätte ? Sie sollten nun bald zum erstenmal an den Altar Gottes treten und davor stand das Wort : Wer aber unwürdig isset und trinket , der isset und trinket sich selber das Gericht . Wie ein Schauer lief es durch die Reihe der zwölf jungen Mädchen , die andächtig auf ihrer Schulbank saßen , und zugleich lag ein mächtiger Reiz darin , schuldvoll und niedergeschlagen vor diesem Mann dazustehen , der ihnen bis ins tiefste Innere schauen konnte und wußte , was Sünde war . Für Ellen war der Pfarrer von allen Vorgesetzten der einzige , zu dem sie Vertrauen hatte . Er bekam alles zu wissen , was man tat , und wie oft hatte sie ihm schon nach der Stunde in den großen Saal folgen müssen , um eine Vermahnung zu bekommen , aber er schalt nicht , suchte sie nicht zu beschämen oder zu demütigen wie die Pröpstin , er fand jedesmal ein gutes Wort und ein verstehendes Lächeln . Dafür war Ellen auch in seinen Stunden die Aufmerksamkeit selbst und lernte die längsten Psalmen auswendig , um ihm Freude zu machen . Mit Editha war sie immer noch viel zusammen und schwärmte sie in namenloser Hingebung an . Sie hatte das Herz voller Anbetung und den Kopf voller Verse , bei Tisch , in den Stunden und abends im Bett , immer fand sie wieder neue Reime zusammen , um die Freundin zu besingen . Editha war die Schönste , die Beste , die Unvergleichliche . Wenn sie abends im Schlafsaal das Haar aufmachte , hing es wie ein dichter Mantel um sie her , die Brauen lagen gleich zwei breiten , schwarzen Strichen über den dunklen , schweren Augen . Und ihre Hände und Füße , die so klein und zierlich waren - man konnte kaum begreifen , daß Editha sie wie andere Menschen gebrauchen konnte . Für die alte Vorsteherin gab es viele schwere Stunden . Seit die beiden so eng befreundet waren , schien eine ganze Horde von Teufeln in dem ehrwürdigen alten Gebäude zu spuken . Die ganze erste Klasse war außer Rand und Band , trotz Konfirmationsstunden und quälender Gewissensfragen . Es kam vor , daß den Lehrerinnen Salz ins Bett gestreut wurde , so daß sie die ganze Nacht nicht schlafen konnten , oder dem Kandidaten wurden alle Knöpfe vom Mantel geschnitten und der Hut von oben bis unten mit Kreide bemalt , was dann niemand getan haben wollte . Oder Ellen und Editha wetteten