Äußerungen , die sie ärgerlich berührten . Sie blieb stumm . Delnitzky fuhr fort : » Mir ist nichts zuwid ' rer als affektierte oder kokette Manieren oder gar Blaustrumpf-Fexereien . Du bist einfach , natürlich ... zwar auch mörderisch g ' scheit - kehrst es aber nicht protzig heraus ... Vor Deinem G ' scheitsein habe ich mich anfänglich ein bissel g ' fürchtet ... Du hast so den Ruf , daß Du allerlei ernste Sachen studierst und mit Deiner Mama und dem Rudi stundenlang gelehrte Bücher liest . Aber ' s war nicht so schlimm ... ich hab ' Dich nie ' was Pedantisches reden g ' hört . « » Bis jetzt , mein lieber Toni , haben wir eigentlich nur im Ballsaal verkehrt , da konnte ich natürlich keine pedantischen Unterhaltungen einleiten ... und seit wir verlobt sind , sprechen wir fast immer von unserer Liebe - auch dieses Thema läßt nichts pedantisches zu ... Aber Du mußt Dich doch darauf gefaßt machen , daß ich in der Tat darauf rechne , wenn wir einmal verheiratet sind - « » Über Schoppenhauer und Nietzsche oder gar über die Geschichte der Konzilien mit mir zu konversieren ? Da danke ich - « » Die beiden Denker , die Du meinst , so tief und wunderbar ihre Sprache ist , gehören nicht zu meinen Lieblingen - « » Hast Du sie denn überhaupt gelesen ? « » Du etwa nicht ? « - Anton verneinte mit dem Kopfe - » und was die Konzilien betrifft , so habe ich von deren Geschichte nicht viel gehört - « » Ich schon . Du weißt , ich war zwei Jahre in Kalksburg , bei die Jesuiten - « » Bei den Jesuiten . « Toni zuckte ungeduldig mit den Achseln . » No ja , pardon , bei den Jesuiten - und da wird alles , was Kirchengeschichte ist , gar genau studiert . Länger als zwei Jahr hab ' ich ' s übrigens dort nicht ausgehalten - aus mir wär ' doch nie der richtige Jesuitenzögling geworden . « » Gottlob . Was ich aber sagen wollte : ich rechne darauf , daß wir in inniger geistiger Gemeinschaft sein werden - daß wir miteinander über alles reden , was wir bewundern - was wir bestaunen von den Mysterien , die - « » Ich staune über das Mysterium Deiner Schönheit - « - « Jetzt zuckte sie mit den Achseln . » Schon wieder ? « » Bist Du bös , wenn ich Dich bewundere - wenn ich verrückt werde durch Deinen Reiz ? « Nein , darüber war sie nicht böse ; aber daß er nichts anderes zu sagen wußte , das begann ihr ein gewisses Grauen einzuflößen . Er drückte ihren Arm fest an sich und beugte sich zu ihr nieder , indem er seine brennenden Augen tief in die ihrigen senkte - eine Art zu blicken , die sie mit süßem Schauer durchrieselte . In der Tat , was in der Welt konnte neben solchem Mysterium noch bestehen ? ... Sie schwiegen nun beide . In der schwülen Luft erhob sich ein leiser Regengeruch . Die » sonderbare « Beleuchtung wurde immer unnatürlicher ; nicht wie Gras lag es auf den Rasenflächen , sondern wie grünes Metall . Ein fernes Donnergrollen wurde vernehmbar . » Kinder , Kinder ! « riefen die anderen , » es kommt ein Gewitter - gehen wir hinein ... « Wenn etwas Sylvias Empfindung - halb Lust , halb Bangen - noch erhöhen konnte , so war es die Aussicht , daß jetzt ein tüchtiges Unwetter losbrechen werde : prasselnder Regen , grelle Blitze , Donnerschläge : darnach sehnte - und darauf fürchtete sie sich . Und richtig , kaum verstrichen noch einige erwartungsvolle Minuten , so fing ein pfeifender Wind an , die Baumäste zu biegen und Wirbel von Staub und Blättern durch die Luft zu jagen ; dicke , warme Tropfen fielen herab ; die gelbgrüne Beleuchtung wich einer plötzlich heranbrechenden Dunkelheit ; schwarze Wolkenmassen wälzten sich heran und hingen tief zur Erde herab . Ein blendender Blitz zeichnete eine feurige Zackenlinie vom Zenith bis zum Boden und gleich darauf knatterte eine heftige Donnersalve - es mußte in der Nähe eingeschlagen haben . Die ganze Gesellschaft stürzte , so schnell sie konnte , dem Schlosse zu . Die Verlobten waren etwas weiter entfernt und sie mußten ihre Schritte noch mehr beschleunigen , wollten sie rechtzeitig unter Dach kommen . Hugo Bresser , einen Schirm in der Hand , eilte ihnen entgegen . Jetzt kam ein förmlicher Wolkenbruch herabgeschüttet . Da begann Sylvia zu laufen ; als sie nur mehr einen Schritt von Hugo entfernt war , stolperte sie über einen Stein und fiel . Der junge Mann fing sie noch rechtzeitig in seinen Armen auf . Er umschlang sie fest . Mitten in dieser elektrizitätsgeladenen Atmosphäre , in diesem Sturm der losgelassenen Elemente pochte es auch wild in seinen Adern . Und seine langverhaltene Leidenschaft entlud sich in diesem einen Augenblick , da der Zufall ihm das angebetete Mädchen in die Arme warf und - er konnte nicht anders - er drückte sie ans Herz . Dabei lag in seinem ganzen Gesichtsausdruck das deutlichste Geständnis glühender Liebe . Auch Sylvia war unter dem Bann der stürmischen Minute : diese plötzlich geoffenbarte Leidenschaft glich ja auch einem Blitzstrahl ... Sie empfand keinen Groll ; was sie empfand , war vielmehr der Rückschlag desselben elektrischen Stromes , der das Herz durchzuckte , an dem sie lag . Nur drei Sekunden lang . Schon war Delnitzky herbeigesprungen und befreite sie . Er hatte von dem Vorfall weiter nichts gesehen , als das Ausgleiten ihres Fußes und die zufällig gebotene Hilfe . » Sie haben sich doch nicht weh getan ? « fragte er besorgt . Sylvia atmete schwer und tief auf . » Nein , nein - nichts , nichts « stammelte sie und schloß die Augen . V An diesem Abend