Ballsaal und im Wohlthätigkeitsbazar prangt , war ihr Ideal , dem sie auch ähnlich wurde . Eines Tages kam ein junger warmherziger Schwabe in ihr elterliches Haus . Er war Maler und hatte in Stuttgart sein Atelier . Er wollte sich um Studien zu machen kurze Zeit in dem lieblichen Konstanz aufhalten . Ja damals ! Hildegard seufzte auf . Er verliebte sich in ihre blonden Haare , ihren rosenfarbenen Teint , ihre blitzenden Zähne . Er warb um sie . Drei Monate später war Hochzeit . Einhart war nicht dazu gekommen , die Seele seiner Erkorenen kennen zu lernen . Wann auch ? In so geordneten Verhältnissen werden keine Opfer gefordert noch gebracht . Aus der guten Stube des elterlichen Hauses kam sie in die gute Stube ihres eigenen Heims . Als die Eltern tot waren , Vermögen hatten sie nicht hinterlassen , mußten sich die jungen Leutchen etwas einschränken . Aber Einhart verdiente viel . Er war von Stuttgart nach Konstanz übergesiedelt , und alles ging flott . Da begannen ihre Eifersuchtsanwandlungen , die ersten Schatten , die auf ihr Glück fielen . Er in seiner warmen Güte rechnete mit ihnen . Er wollte ihr entgegenkommen und stellte ihr die Zumutung , die die Philisterin in ihr so empört hatte . Jahre des Zwistes begannen . Sie war beständig von Bitterkeit erfüllt . Sie mochte nicht , daß er malte , wünschte aber doch auch wieder nicht , daß der Verdienst fortfiel , den seine Kunst ihnen eintrug . Und als er in seiner Verzweiflung nach dem letzten Mittel gegriffen hatte , sie nach beiden Seiten hin zufriedenzustellen , denn er hing sehr an ihr , wandte sie sich erbost ganz von ihm ab . Er hatte kein böses Wort , keinen Vorwurf für sie gehabt . » Thue , was du nicht lassen kannst « war das Einzige gewesen , das sie ihm entrungen hatte . » Geh , wohin du magst . « » Aber ich will von dir geschieden sein . « » Das geht nicht so schnell « hatte er mit gepreßter Stimme geantwortet . » Laß es dir einstweilen an der Trennung genügen . Ich will indessen die notwendigen Schritte einleiten . « Und sie war von ihm gegangen , mit seinem Geld in der Tasche , von einem letzten ruhigen Blick seines Auges begleitet . - Sie bezahlte rasch und eilte hinaus . Sie mußte Luft schöpfen . - - - - - Nach längerem planlosen Hinirren kehrte sie nach Hause zurück . Sie entkleidete sich und begab sich zu Bette . Der dunkle Vorhang glitt lautlos nieder . Heute flößte er ihr keinen Schrecken ein . Es war ihr alles gleichgültig , was sie betraf . Sie wollte nur eins : sich anschauen . Dieser Hang zur Selbstschau war ihr neu . Und indem sie einschlief , dachte sie : Wie seltsam ! Für alles sorgen unsere guten Eltern , nur für etwas nicht : sie bringen uns das Denken nicht bei . Statt uns mit Spielzeug zu überhäufen , dessen Zweck es ist , uns zu » zerstreuen « , sollten sie uns lieber in ein kahles Zimmer führen . » So Kind , nun bleibe eine Weile in Deiner eigenen Gesellschaft . « 7 Die nächsten Tage vergingen ohne ein neues Ereignis . Hildegard aß mit den beiden Damen zu Mittag , ging spazieren und wartete vergeblich auf ein Wort von Frau von Werdern . Sonnabend Abend ging sie zu ihr . Es waren wie jüngsthin viele Damen anwesend . Man sprach lebhaft vom kommenden Dienstag , an dem eine Frauenversammlung stattfinden sollte . Die Vorsitzende sollte die Einleitung sprechen ; dann hatten sich nicht weniger als neun Damen zum Wort gemeldet . In einem Augenblick als Frau von Werdern weniger umringt war , näherte Hildegard sich ihr . » Haben Sie nichts für mich entdeckt , gnädige Frau ? « » Thut mir leid , liebe Frau Wallner , Sie glauben gar nicht , wie sehr wir von allen Seiten in Anspruch genommen werden . « » Ich würde mit der bescheidensten Stellung zufrieden sein . « » Aber viele Grüße von Fräulein Blatt soll ich Ihnen bestellen . Wenns ihr möglich ist , kommt sie Dienstag herüber . « Hildegard entgegnete nichts , sie mußte gewaltsam ihre Thränen zurückdrängen . Was nützten ihr alle Grüße ? Sie hatte noch einen Thaler in ihrem Portemonnaie ; wenn der ausgegeben war ? Später trat sie zu Elvira , die eben mit hochroten Wangen einigen Damen etwas vordemonstriert hatte . » Sagen Sie , ist auch Frau von Kranbüchler da ? « » Natürlich , dort steht sie ja , neben der Gräfin Mylling . Was wollen Sie denn mit ihr ? « » Ich möchte ihr vorgestellt werden . Sie sagten doch , daß sie einflußreich sei . Vielleicht verschafft sie mir irgend eine Stellung als Sekretärin eines Vereines oder ähnliches . « » Na , da sind Sie auch im rechten Moment gekommen . Eben vorhin habe ich gehört , daß sie sehr aufgebracht sei und geäußert habe , gar nichts mehr mit Vereinen und Unterstützungen zu thun haben zu wollen . Sie hatte nämlich eine junge Dame , die ihr sehr empfohlen war , mit großem Gehalt angestellt , ihr ein Buch zu liefern . Darin sollten alle Arbeiten , Erfindungen , überhaupt alle bedeutenden Thaten , die von Frauen herrührten , auf welchem Gebiet auch immer , aufgezählt werden . Die junge Dame , achtzehn Jahr alt von ihrem Mann geschieden , arbeitete zwei Jahre lang , ließ sich den Gehalt gut bekommen , und kehrte schließlich mit fast unbeschriebenen Bogen zurück . Es wäre kein Material aufzufinden gewesen , behauptete sie . Frauen als große Erfinderinnen gäbe es nicht . Frauen als Baumeisterinnen , als Ingenieure , als Feldherrn , als Religionsstifter , als Weltumsegler , Astronomen , Philosophen , überhaupt als Denker , gäbe es nicht . Sie habe die verschiedensten Bibliotheken in den