der die Steigerungstendenz im Stile des Direktors kannte , erlaubte sich , einzuwerfen , ob es nicht wohl angebracht sei , den Fliczek einstweilen hinauszuschicken . - Rhm , ja , ja wohl , hinaus mit diesem Burschen ! Aber unter Bedeckung ! Hinaus , sag ich , Fliczek ! Fliczek ging . - Es ist keine Frage , meine Herren , daß wir , rhm , daß wir diesen gefährlichen Buben entlassen müssen . Dank der Anzeige des Kollegen Wippe , der nicht blos als echter Vater , sondern auch als pflichtbewußter Pädagoge , gehandelt hat , und von dem wir nie etwas anderes erwartet haben , ist die Unzucht , rhm , ich sage die Unzucht ... - Bitte , Herr Direktor , nicht wol eben dies , denn so weit wage ich meine Tochter nicht mit anzuschuldigen ... , wimmerte Herr Wippe . - Ich sage doch : Unzucht , ohne daß ich das Gräßlichste anzunehmen verzweifelt genug wäre . Denn schon der Gedanke , nächtlicher Weile ... aber genug ! Wir haben , rhm , die Pflicht , auch den Gedanken zu töten , der ... Aber genug und gleichviel ! Wir wissen , daß dieser Bube auf Schleichwegen gewesen ist , und nicht zum ersten Male , auf Schleichwegen , sage ich , rhm , die keinesfalls unschuldiger Natur waren . Er selbst hat es nicht zu leugnen gewagt . Sein Auge - oh , aber , rhm , genug ! Wir müssen ihn dimittiren . Kollege Wippe hat sich in rühmeswerter Aufwallung entschlossen , seine Tochter , über deren Anteil an dem Entsetzlichen nicht wir zu befinden haben , noch heute aus dem Hause zu thun , und es muß auch dieser Bursche heute noch das Institut verlassen . Wir schenken unser ganzes Bedauern dem schwer getroffenen Vormund des Verworfenen , aber , rhm , wir müssen das Interesse unserer Anstalt über Alles stellen . Ich zweifle nicht , daß Sie Alle einer Meinung mit mir sind . Sie waren alle einer Meinung . Für die Entscheidung über den Raubzug der Selektaner war dieser Fall Fliczek ungemein günstig . Zum größten Erstaunen der Delinquenten erfolgte nur ein vierwöchentlicher Zimmerarrest und die Bestimmung , daß die Selektanerarbeitsstunden nicht mehr abends , sondern früh stattzufinden hätten . Das war freilich recht bitter , aber , da man sich natürlich auf sehr viel Schlimmeres gefaßt gemacht hatte , so durfte man es mit einem halbwegs angenehmen Gefühle tragen . Gruselig und unheimlich wirkte das Verschwinden Fliczeks . Aber am unheimlichsten auf Willibald . Es muß gesagt werden : Er hatte eine fürchterliche Angst . Er war ja der Einzige , der den Zusammenhang ahnte . Aber : Hing denn nicht er selber auch damit zusammen ? Kein Zweifel : Josephine war erwischt worden und hatte Fliczek genannt . Und ihn nicht ? Das that ihm einesteils wohl , aber andernteils hatte er die Empfindung , als ob er da nicht ganz als voll betrachtet worden sei . Doch das Schlimmste war : Josephine war fort . Und jetzt fing er erst recht an , Verse zu machen . Siebentes Kapitel Im Allgemeinen fühlte sich der kleine Willibald doch recht wichtig mit seinen Geheimnissen , und den alten Buschklepper sah er von nun an immer nur so mit einem gewissen hohen Bedauern an . Aber fatal war es ihm , daß er gar Niemand hatte , den er ins Vertrauen ziehen konnte . Auch wie er mit seinen Altersgenossen in die Reihe der Großen kam , wo denn schon manchmal ein wuchtig Wort geredet wurde , fand er keinen , dem er hätte sagen mögen , was jetzt seine Ansicht vom Monde sei . Er war ja auch ohne daß mans ihm gesagt hatte dahinter gekommen , was darunter zu verstehen sei , wenn Einer dem der Schnurrbart erschienen ist , nächtlicher Weile auf dem Monde spaziert . Nur fand er , daß es auch ohne Schnurrbart ginge . Denn er mit allen seinen Erfahrungen bekam sicherlich noch lange keinen . Überhaupt , die Natur meinte es nicht gut mit ihm . Er , der nun schon konfirmiert werden sollte , in die Gemeinde der Gläubigen aufgenommen , sah um drei Jahre jünger aus , als er war ; und das will in diesen Jahren sehr viel bedeuten , zumal bei Einem , der sich innerlich etwa drei Jahre älter fühlt , als er in Wirklichkeit zählt , also sechs Jahre älter , als er aussieht . Das machte seine Stellung unter all den Jungen noch fataler . Die Großen hänselten ihn , weil er sie durch sein kleinjungenhaftes Aussehen gewissermaßen komprommittierte , die Jüngeren ließen es ihm zuweilen fast merken , daß sie ihn nicht ganz für groß ansahen , und er selbst fühlte sich dabei im Inneren sehr viel größer , als die größten unter den Großen . Er zernagte sich förmlich vor Ingrimm und fing an , sich gegen alle Welt hochfahrend zu betragen . Die meiste Zeit las er . Wahllos Alles , was ihm unter die Hände geriet . Die Gedichte des Lesebuchs kannte er auswendig , und es war sein Triumph , sich darin auf die Probe stellen zu lassen . Sonst fand er seine Lust in einem wühlenden Fabulieren . Während die Andern ihre Ballspiele trieben , lief er im Korridor auf und ab und machte sich zum Helden unmöglicher Verhältnisse . Ein unglaublicher Ritter war er auf einem ganz unglaublichen Pferde . Wenn dies Pferd wieherte , fielen die Wälder um , und wenn er blos sein Schwert hob , fielen die Köpfe von ganzen Armeen in den Sand . Aber , wenn die Obsthökerin kam , so schwanden alle Phantasieen , und so lange er was Süßes zwischen den Zähnen hatte , waren ihm seine Heldenthaten ganz gleichgiltig . In der Schule taugte er wenig und am wenigsten im Rechnen . Aber Deutsch und Religion , das waren seine Gebiete . Er schrieb unorthographischer , als es den Ansprüchen