, meine liebe Frau von Gundermann ? « » Ach nein , Herr von Stechlin ; es ist doch alles so sehr gelehrig . Und wenn man so selten Gelegenheit hat ... « » Na , wie Sie wollen . Ich hab es gut gemeint . Stoßen wir an ! Ihr Rudolf soll leben ; das ist doch der Liebling , trotzdem er der Älteste ist . Wie alt ist er denn jetzt ? « » Vierundzwanzig . « » Ein schönes Alter . Und wie ich höre , ein guter Mensch . Er müßte nur mehr raus . Er versauert hier ein bißchen . « » Sag ich ihm auch . Aber er will nicht fort . Er sagt , zu Hause sei es am besten . « » Bravo . Da nehm ich alles zurück . Lassen Sie ihn . Zu Hause ist es am Ende wirklich am besten . Und gerade wir hier , die wir den Vorzug haben , in der Rheinsberger Gegend zu leben . Ja , wo ist so was ? Erst der große König , und dann Prinz Heinrich , der nie ' ne Schlacht verloren . Und einige sagen , er wäre noch klüger gewesen als sein Bruder . Aber ich will so was nicht gesagt haben . « Viertes Kapitel Frau von Gundermann schien auf das ihr als einziger , also auch ältester Dame zustehende Tafelaufhebungsrecht verzichten zu wollen und wartete , bis statt ihrer der schon seit einer Viertelstunde sich nach seiner Meerschaumpfeife sehnende Dubslav das Zeichen zum Aufbruch gab . Alles erhob sich jetzt rasch , um vom Eßzimmer aus in den nach dem Garten hinaussehenden Salon zurückzukehren , dem es - war es Zufall oder Absicht ? - in diesem Augenblick noch an aller Beleuchtung fehlte ; nur im Kamin glühten ein paar Scheite , die während der Essenszeit halb niedergebrannt waren , und durch die offenstehende hohe Glastür fiel von der Veranda her das Licht der über den Parkbäumen stehenden Mondsichel . Alles gruppierte sich alsbald um Frau von Gundermann , um dieser die pflichtschuldigen Honneurs zu machen , während Martin die Lampen , Engelke den Kaffee brachte . Das ein paar Minuten lang geführte gemeinschaftliche Gespräch kam , all die Zeit über , über ein unruhiges Hin und Her nicht hinaus , bis der Knäuel , in dem man stand , sich wieder in Gruppen auflöste . Das erste sich abtrennende Paar waren Rex und Katzler , beide passionierte Billardspieler , die sich - Katzler übernahm die Führung - erst in den Eßsaal zurück und von diesem aus in das daneben gelegene Spielzimmer begaben . Das hier stehende , ziemlich vernachlässigte Billard war schon an die fünfzig Jahre alt und stammte noch aus des Vaters Zeiten her . Dubslav selbst machte sich nicht viel aus dem Spiel , aus Spiel überhaupt , und interessierte sich , soweit sein Billard in Betracht kam , nur für eine sehr nachgedunkelte Karoline , von der ein Berliner Besucher mal gesagt hatte : » Alle Wetter , Stechlin , wo haben Sie die her ? Das ist ja die gelbste Karoline , die ich all mein Lebtag gesehen habe « - Worte , die damals solchen Eindruck auf Dubslav gemacht hatten , daß er seitdem ein etwas freundlicheres Verhältnis zu seinem Billard unterhielt und nicht ungern von » seiner Karoline « sprach . Das zweite Paar , das sich aus der Gemeinschaft abtrennte , waren Woldemar und Gundermann . Gundermann , wie alle an Kongestionen Leidende , fand es überall zu heiß und wies , als er ein paar Worte mit Woldemar gewechselt , auf die offenstehende Tür . » Es ist ein so schöner Abend , Herr von Stechlin ; könnten wir nicht auf die Veranda hinaustreten ? « » Aber gewiß , Herr von Gundermann . Und wenn wir uns absentieren , wollen wir auch alles Gute gleich mitnehmen . Engelke , bring uns die kleine Kiste , du weißt schon . « » Ah , kapital . So ein paar Züge , das schlägt nieder , besser als Sodawasser . Und dann ist es auch wohl schicklicher im Freien . Meine Frau , wenn wir zu Hause sind , hat sich zwar daran gewöhnen müssen und spricht höchstens mal von paffen ( na , das is nicht anders , dafür is man eben verheiratet ) , aber in einem fremden Hause , da fangen denn doch die Rücksichten an . Unser guter alter Kortschädel sprach auch immer von Dehors . « Unter diesen Worten waren Woldemar und Gundermann vom Salon her auf die Veranda hinausgetreten , bis dicht an die Treppenstufen heran , und sahen auf den kleinen Wasserstrahl der auf dem Rundell aufsprang . » Immer , wenn ich den Wasserstrahl sehe « , fuhr Gundermann fort , » muß ich wieder an unsern guten alten Kortschädel denken . Is nu auch hinüber . Na , jeder muß mal , und wenn irgendeiner seinen Platz da oben sicher hat , der hat ihn . Ehrenmann durch und durch , und loyal bis auf die Knochen . Redner war er nicht , was eigentlich immer ein Vorzug , und hat mit seiner Schwätzerei dem Staate kein Geld gekostet ; aber er wußte ganz gut Bescheid , und , unter vier Augen , ich habe Sachen von ihm gehört , großartig . Und ich sage mir , solchen kriegen wir nicht wieder ... « » Ach , das ist Schwarzseherei , Herr von Gundermann . Ich glaube , wir haben viele von ähnlicher Gesinnung . Und ich sehe nicht ein , warum nicht ein Mann wie Sie ... « » Geht nicht . « » Warum nicht ? « » Weil Ihr Herr Papa kandidieren will . Und da muß ich zurückstehen . Ich bin hier ein Neuling . Und die Stechlins waren hier schon ... « » Nun gut , ich will dies letztere gelten lassen , und nur was das Kandidieren meines Vaters angeht - ich