noch nicht sah . Wenn Kaschelernst die Miene des Biedermanns aufsetzte , da konnte man sicher sein , daß er einen begaunern wollte . » Du soist , du hättst ' s Geld da liegen ; soist du ? « » Tausend Taler und drüber ! se liegen bei mer im feuersicheren Schranke . Willst se sahn , Traugott ? « » Also finf Prozent ! Kannst de ' s ne drunger macha ? « » Ne , drunger gar ne ! Und ees wolt ' ch der glei noch sagen , Traugott , bei der Gelegenheit : für meine eegne Hypothek , die ' ch von deiner Schwester geerbt ha ' , dos wullt ' ch der glei noch sagen : da mecht ' ch von Michaelis an och finf Prozent han , viere dos is mer zu wing , verstiehst de ! « » Du bist wuhl verrikt ! « » Finf Prozent für beide Hypotheken ! hernachen sollst du ' s Geld han . Anderscher wird keen Geschäft ne , Traugott ! « Jetzt riß dem Büttnerbauer die Geduld . Er hob die Peitsche und schlug auf das Pferd . Der Gastwirt , erkennend , daß es diesmal Ernst sei , hatte gerade noch Zeit , beiseite zu springen . Der Rappe bockte erst ein paarmal ob der unerwarteten Schläge , dann zog er an . Kirschrot im Gesicht wandte sich der Bauer nach seinem Schwager um und drohte unter wilden Schimpfreden . Dabei ging das Geschirr in Bogenlinien von einer Seite der Straße auf die andere und drohte in den Graben zu stürzen , weil der Bauer in seiner Wut abwechselnd an der Hotte- und an der Hüsteleine riß . Der Kretschamwirt stand mitten auf der Straße und sah dem davoneilenden Gefährte nach , sich die Seiten vor Lachen haltend . Er sprang vor Vergnügen von einem Bein auf das andere , kicherte und schnappte nach Luft . Sein Sohn Richard , ein sechzehnjähriger Schlacks , hatte die Verhandlungen zwischen Vater und Onkel vom Gaststubenfenster aus neugierig verfolgt . Jetzt , da er den Büttnerbauer erregt abfahren sah , kam er heraus zum Vater , um zu erfahren , was eigentlich vorgegangen sei . Kaschelernst , dem die Augen übergingen , konnte seinem Sohn vor Lachen kaum etwas erzählen . Der Büttnerbauer machte seinem Ärger noch eine geraume Weile durch Flüche Luft . Am meisten ärgerte er sich über sich selbst , daß er sich abermals hatte verführen lassen , mit seinem Schwager Kaschel zu sprechen . Als ob jemals ein Mensch mit diesem » Würgebund « etwas zu tun gehabt hätte , ohne von ihm übers Ohr gehauen worden zu sein . Der war ja so ein » gerissener Hund « mit seinem blöden Lachen . Als ob er nicht bis drei zählen könne , so konnte dieser Lump sich anstellen , und gerade damit fing er die meisten Gimpel . Als Kaschelernst ins Dorf gekommen war vor Jahren , hatte er nicht einen roten Heller sein eigen genannt , und jetzt war er der anerkannt reichste Mann in Halbenau . Der Kretscham , zu welchem ein nicht unbedeutendes Feldgrundstück gehörte , war sein eigen . Er hatte einen Tanzsaal mit großen Fenstern eingebaut , zwei Kegelbahnen und einen Schießstand angelegt . Außer dem Schnaps- und Bierausschank betrieb er den Kleinkram , gelegentlich auch Fleischerei und Getreidehandel . Alles gedieh ihm . Auch Landverkäufe vermittelte er . Man munkelte allerhand , daß er seine Hand im Spiele gehabt bei Güterzerschlagungen , wie sie in der letzten Zeit nicht selten in und um Halbenau stattgefunden hatten . Mit den Händlern , Mäklern und Agenten der Stadt stand er in regem Verkehr ; kaum eine Woche verging , wo nicht einer von dieser Zunft im Kretscham von Halbenau abgestiegen wäre . Und zu denken , daß dieser Mensch alles das nur dadurch erreicht hatte , daß er eine Tochter aus dem Büttnerschen Gute geheiratet ! - Der alte Bauer gab sich trüben Gedanken hin , nachdem der erste Ärger verflogen war . Wie war das alles nur so über ihn und seine Familie gekommen ! - Es war doch keine Gerechtigkeit in der Welt ! Der Pastor mochte von der Kanzel herab sagen , was er wollte : die schlechten Menschen fänden schon hier auf Erden ihre Strafe und die guten ihren Lohn ; für ihn und die Seinen stimmte das nicht . Da war es eher umgekehrt . - » Es gab keine Gerechtigkeit auf der Welt ! « * * * Das Büttnersche Gut war eine der ältesten spannfähigen Stellen im Orte . Es war , wie die Kirchenbuchnachrichten auswiesen , stets mit Leuten dieses Namens besetzt gewesen . Lange vor dem großen Kriege schon hatten die Büttners dem Dorfe mehrere Schulzen geschenkt . Und unter den alten Grabsteinen auf dem Kirchhofe war mancher , der diesen Namen aufwies . Während des Dreißigjährigen Krieges , wo Halbenau und Umgegend mehrfach arg mitgenommen wurden , war mit dem » großen Sterben « auch die Büttnersche Familie bis auf vier Augen ausgestorben . Seitdem gab es nur noch diesen einen Zweig in Halbenau . Nicht , daß es der Familie an Nachwuchs gefehlt hätte ! aber , entweder heirateten die jüngeren Söhne nicht , oder wenn sie eigene Familien begründet hatten , blieben sie doch mit Frau und Kind auf dem Hofe ihrer Väter , halfen bei der Bestellung und arbeiteten die Frondienste für den Grundherrn ab . Die Kinder mußten , wie üblich , der Gutsherrschaft zum Zwangsgesindedienst angeboten werden . Man befand sich ja nicht auf eigenem Grund und Boden ; der Gutsherr hatte die Obrigkeit und besaß Verfügungsrecht über Land und Leib seiner Untertanen . Aber die besondere Stellung der Büttnerschen Familie , ihre Tüchtigkeit und Nützlichkeit war auch von seiten der Gutsherrschaft respektiert worden . Niemals war einer aus diesem Gute , wie es in der Zeit der Erbuntertänigkeit den Bauern nicht selten zu geschehen pflegte , in eine geringere Stelle versetzt worden