die Gräfin ist nicht bloß sehr bibelfest , sie hat auch die ganze Kraft derer , die nicht links und nicht rechts sehen , keine Konzessionen machen und durch Starrheit und Unerbittlichkeit sich eine Rüstung anzulegen wissen , die besser schließt als die Rüstung eines milden und liebevollen Glaubens . Mit Widerspruch ist ihr nicht beizukommen und noch weniger mit überlegener Miene . « » Gewiß . Auch kann ich nur wiederholen : es muß sich alles wie von ungefähr ergeben . « » Alles , was ich tun kann , ist - wenn ich mich als halber Schulmeister , der ich jetzt bin , auf ein etwas gelehrt klingendes Wort ausspielen darf - ein prophylaktisches Verfahren . Verhütung , Vorbauung . Ich will mir Geschichten zurechtlegen , Geschichten aus meinem früheren Pfarrleben - in welche Verschlingungen und Verirrungen gewinnt man nicht Einblick ! - , und will versuchen , diese Geschichten still wirken zu lassen . Ihre Frau Schwester ist in gleichem Maße phantasievoll und nachdenklich ; das Phantasievolle wird ihr das Gehörte verlebendigen , und ihre Nachdenklichkeit wird sie zwingen , sich mit dem Kern der Geschichte zu beschäftigen , und sie so vielleicht zunächst zu einem Wandel der Anschauung und weiterhin zur Selbstbekehrung führen . Das ist alles , was ich versprechen kann . Ein sehr langsames Verfahren und vielleicht ein Aufwand von Kraft , der in keinem Verhältnis steht zu dem , was dabei herauskommt . Aber ich will mich meiner Aufgabe wenigstens nicht entziehen , weil ich ein Einsehen habe , daß es nötig ist , innerhalb vorsichtig zu ziehender Grenzen irgend etwas zu tun . « » Abgemacht , Schwarzkoppen ; ich hab Ihr Wort . Und damit gut . Zudem , die Zeit ist günstig für das , was wir vorhaben . Holk erwartet in etwa vier Wochen seine Zitierung zur Prinzessin nach Kopenhagen , und dann ist er fort bis Weihnachten . In der zwischenliegenden Zeit bin ich oft drüben , um , wie herkömmlich , wenn Holk in Kopenhagen ist , in Wirtschaft und Buchführung nach dem Rechten zu sehen ; ich werde mich , wenn ich hinüberfahre , regelmäßig erst mit Ihnen benehmen und anfragen , ob Sie mich begleiten können . Auch das möcht ich noch sagen dürfen , allemal wenn er fort ist , ist sie in einer weichen und beinah zärtlichen Stimmung , und die große Liebe , die sie früher für ihn hegte und die sie gegenwärtig mehr haben will , als daß sie sie wirklich hat , diese Liebe wird dann immer wieder lebendig . Kurzum , ihr Gemüt ist in seiner Abwesenheit ein Acker , darin jedes gute Samenkorn aufgeht . Es kann nur darauf ankommen , ihr einmal alles von einer anderen , einigermaßen mitberechtigten Seite zu zeigen . Glückt uns das , so haben wir gewonnen Spiel . Bei dem Ernst und der Nachhaltigkeit , womit sie alles austrägt , kommt sie , wenn ihrem Geiste nur erst die rechte Richtung gewiesen ist , von selber ans rechte Ziel . « Man hatte jetzt den an der anderen Seite der Bucht sich hinziehenden Damm erreicht , auf dem noch , auf eine kurze Strecke hin , die Fahrstraße lief . Unten lag die Stadt , in ihrer Mitte von der Katharinenkirche , darin das Seminar eingebaut war , und am Ausgange von einem alten hochgelegenen Schloßbau , » Schloß Arne « , überragt . Als der Wagen die Dammschrägung nach der Stadt zu hinabfuhr , sagte Schwarzkoppen : » Ein wunderliches Spiel ; sind wir doch wie zwei Verschwörer , die nächtlicherweile Pläne schmieden , Pläne , bei denen mir wohl die Rolle zufällt , die eigentlich dem alten Petersen zufallen müßte . Und das um so mehr , als die Gräfin ihn eigentlich schwärmerisch verehrt und nur über den Rationalisten in ihm nicht gut fortkommen kann . Über den Rationalisten ! Ein bloßes Wort , und bei Lichte besehen ist es nicht mal so schlimm damit , am wenigsten jetzt . Er ist nun nah an der Grenze der uns hienieden bewilligten Zeit und hat hellere Augen als wir , vielleicht in all und jedem und in Dingen von dieser Welt nun schon ganz gewiß . « Sechstes Kapitel Die schönen Herbsttage schienen andauern zu wollen . Auch am anderen Morgen war es wieder hell und sonnig , und das gräfliche Paar nahm das Frühstück im Freien unter der Fronthalle . Julie von Dobschütz mit ihnen . Asta übte nebenan , Axel und der Hauslehrer waren in den Dünen auf Jagd , was die Michaelisferien gestatteten , von denen die Gräfin , wie von Ferien überhaupt , als Regel nicht viel wissen wollte ; Ferien in der Stadt und auf Schulen , das habe Sinn , hier draußen aber , wo man in Gottes freier Natur lebe , seien sie mindestens überflüssig . Hieran hielt die Gräfin prinzipiell seit lange fest und lächelte überlegen , wenn der Graf seinen entgegengesetzten Standpunkt verteidigte ; gegen die diesjährigen Michaelisferien aber hatte sie , trotz ihrer unveränderten Anschauungen , ausnahmsweise nichts einzuwenden , weil sie den Plan , beide Kinder mit Beginn des Winterkursus in Pension zu geben , noch immer nicht aufgegeben hatte . Da bedeuteten denn die paar Tage nicht viel . Der Graf seinerseits zeigte hinsichtlich der Schul- und Pensionsfrage nach wie vor die von der Gräfin immer wieder beklagte Laschheit ; er war nicht eigentlich dagegen , aber er war auch nicht dafür . Jedenfalls bestritt er , daß es irgendwelche Eile damit habe , worauf dann die Gräfin mit einer gewissen Gereiztheit antwortete : das gerade könne sie nicht gelten lassen ; es sei nicht bloß an der Zeit , es sei sogar höchste Zeit ; Asta sei sechzehn , Axel werde fünfzehn , das seien die Jahre , wo der Charakter sich bilde , wo der Kreuzweg käme , wo sich ' s entscheide nach links oder rechts . » Und ob schwarze oder weiße Schafe « ,