weil sich das frische zu sehr wegschneide « . » Na « , sagte Polzin , » was meinst du , Mutter ? Drei Mark mehr is nu woll nich zuviel ? « » Drei ... ? Wo denkst du hin ? Wenigstens fünfe . Man bloß , daß es noch nich sicher is . Er war so zittrig und bibberte so . « Und bei diesen Worten legte sie das Ohr wieder an die Wand , während Polzin , der mit seiner Klapperei die Horcherszene nicht stören wollte , von seiner Arbeit aufstand und sich an sein Abendbrot machte . Achtes Kapitel Der unerwartete Besuch war inzwischen in das Frontzimmer eingetreten , und während Stine wieder auf das Fenster und ihre hier aufgestellte Rahmenstickerei zuschritt , forderte sie den jungen Grafen auf , auf dem schräg zur Seite stehenden Sofa Platz zu nehmen . Er lehnte dies aber ab und schob statt dessen einen Stuhl in die Nähe Stines , die sich ihrerseits sofort wieder ihrer Arbeit zuwandte , freilich in sichtlicher Erregung . Die Nadel flog , und der orangefarbene Faden von Flockseide blitzte bei jedem neuen Stich , den sie machte . » Nun , Herr Graf « , begann sie , während sich ihr Kopf immer tiefer auf die Stickerei senkte , » was verschafft mir die Ehre ? Was führt Sie zu mir ? « Aber ehe der , an den sich die Frage richtete , noch antworten konnte , fuhr sie schon mit einer ihr sonst fremden Lebendigkeit fort : » Ich glaube , Sie verkennen mich . Sie mögen darüber lachen , aber ich bin ein ordentliches Mädchen , und ist keiner in der Welt , der hintreten und zu mir sagen kann : Du lügst . Ich sehe ja , wie ' s geht ... nein , nein , lassen Sie mich ausreden ... , und solch ein Leben , wie ' s meine Schwester führt , verführt mich nicht ; es schreckt mich bloß ab , und ich will mich lieber mein Leben lang quälen und im Spital sterben als jeden Tag alte Herren um mich haben , bloß um Unanständigkeiten mit anhören zu müssen oder Anzüglichkeiten und Scherze , die vielleicht noch schlimmer sind . Das kann ich nicht , das will ich nicht . Und nun wissen Sie , woran Sie sind . « » Fräulein Stine « , sagte der junge Graf , » Sie sagen , ich irrte mich in Ihnen . Ich glaube nicht , daß ich mich in Ihnen irre . Aber selbst wenn es so wäre , so lassen Sie mich Ihnen sagen , Sie irren sich auch in mir . Ich komme zu Ihnen , weil Sie mir gefallen und mir eine Teilnahme eingeflößt haben , oder lieber rundheraus , weil Sie mir leid tun . Ich hab es Ihnen wohl angesehen , daß an dem Abende neulich nicht alles nach Ihrem Sinn und Geschmack war , und da nahm ich mir vor , du willst sehen , wie ' s dem Fräulein Stine geht . Ja , Fräulein , das nahm ich mir vor , und wenn ich Ihnen helfen kann , so will ich Ihnen helfen und Ihnen Ihre Freiheit wiedergeben und Sie losmachen aus dieser Umgebung . Ich glaube , daß ich es kann , trotzdem ich kein Prinz bin und noch weniger ein Wundertäter . Und Sie dürfen auch nicht fürchten , daß ich eines Tages mit der Absicht kommen werde , mir einen schönen Dank dafür zu holen . Nein , nichts davon . Ich bin krank und ohne Sinn für das , was die Glücklichen und Gesunden ihre Zerstreuung nennen . Eine lange Geschichte , womit ich Sie nicht behelligen will , wenigstens heute nicht . « Er hatte sich , während er diese letzten Worte sprach , erhoben und sah , seine Hand auf Stines Stuhl lehnend , in den Sonnenball , der eben zwischen den nach Westen stehenden Bäumen des Invalidenparks niederging . Alles schwamm in einem goldenen Schimmer , und das Schweigen , in das er verfiel , zeigte , daß er auf Augenblicke von nichts als von der Schönheit des sich vor ihm auftuenden Bildes hingenommen war . Endlich aber nahm er sich Stines Hand und sagte : » Was hab ich da gesprochen von Freiheit geben und Sie wieder losmachen wollen ! Geben Sie mir keine Antwort darauf . Alles falsch und eingebildet und töricht dazu . Weil ich mich selber hilfebedürftig fühle , war ich wohl des Glaubens , Sie müßten auch hilfebedürftig sein . Aber ich empfinde mit einem Male , daß Sie ' s nicht sind , daß Sie ' s nicht sein können . « Stine lächelte vor sich hin . Der junge Graf aber , der es nicht sah oder nicht sehen wollte , fuhr in dem ihm eigentümlich elegischen Tone fort : » Ja , Fräulein Stine , das Kranksein , das eigentlich von Jugend auf mein Lebensberuf war , es hat auch seine Vorteile ; man kriegt allerlei Nerven in seinen zehn Fingerspitzen und fühlt es den Menschen und Verhältnissen ab , ob sie glücklich sind oder nicht . Und mitunter sogar den Räumen , darin die Menschen wohnen . Und hier lehren mich meine Sinne , Sie können nicht unglücklich sein . Es ist nicht ein Zufall , daß ein solches Bild hier vor Ihnen ausgebreitet liegt , und ein Zimmer , in das die Sonne jeden Abend so freundlich blickt , das ist ein gutes Zimmer . « » Ja « , sagte Stine , » das ist es . Freilich , man soll sich seines Glückes nicht rühmen , schon , um ' s nicht zu berufen . Aber es ist wahr , ich bin glücklich . « Der junge Graf sah sie bei diesen Worten forschend und beinah verwundert von der Seite her an . Er hatte sich darin gefallen , ihr , um der freundlichen Umgebung willen , in der