ein alter Rosenstrauch von beträchtlicher Stärke neben der Haustür aufwuchs und sein mit gelben Rosen überdecktes Gezweig unter dem Strohdach hin ausspannte . Nachmittagssonne lag auf Haus und Gehöft , und nichts war hörbar als die doppelarmig vorüberschießende Lomnitz und das Meckern einer Ziege vom Stall her . Ein Hahn , ein schönes Tier mit Silberhals , stolzierte den Schuppen entlang , aber er krähte nicht und hatte wenig Aufmerksamkeit für die Hühner , die sich Erdlöcher gemacht hatten , um sich zu kühlen . Nicht voll so still war es drinnen im Hause , darauf Lehnert , von der Försterei her , eben zuschritt . Er hatte sich unterwegs nicht beeilt , ebensowenig wie Opitz . Vom Pastorhause war er zunächst nach dem Kretscham hinübergegangen und hatte hier von dem ihn begrüßenden Wirt erfahren , daß Frau Menz , seine Mutter , eben dagewesen sei und gerad an demselben Tisch erst einen » Grünen « und dann einen Ingwer getrunken habe . Das hörte Lehnert nicht gern . Er gönnte der alten Frau die kleine Herzstärkung , denn er liebte sie trotz all ihrer Schwächen , aber er ärgerte sich wieder über die Heimlichkeit , und dieser Ärger war noch nicht voll überwunden , als er , über die Schwelle seines Hauses tretend , der am Herde hantierenden Alten ansichtig wurde . » Guten Tag , Mutter . Pohl läßt grüßen . « » Welcher ? « » Nu , der aus dem Kretscham unten . « » So , der . Warst du da ? « » Ja , Mutter . Und kannst du dir denken , ich habe mich just da hingesetzt , wo du gesessen hattest . Und dir zu Ehren hab ich meinen Ingwer aus deinem Glase getrunken . Es stand noch da . « Die Alte sah verlegen vor sich hin und sagte dann : » Aber nur einen , Lehnert . Mir war so schwach « . Lehnert lachte . Dann ging er auf sie zu und sagte , während er ihr das graue Haar streichelte : » Gott , Mutter , wie du so bist ! Wenn das einer hört ' , so müßt er denken , der Lehnert ist ein Filz und schlechter Kerl und gönnt seiner alten Mutter nicht einmal einen Tropfen Stärkung . Aber wie liegt es denn ? Ich gönne dir nicht einen Ingwer , ich gönne dir zwei , und wenn dir ' s nicht zuviel wird , Alte , dann können es auch drei und vier werden . Ich habe dich auch noch eigens gefragt , und da hast du nein gesagt , aber freilich , als du nein sagtest , da sagtest du schon ja , und als ich die Klingeltür bei Siebenhaar noch kaum aus der Hand hatte , da bist du schon hinübergegangen . Immer versteckt ; du kannst nichts offen tun , auch nicht mal das , was die Sonne gar nicht zu scheuen braucht . Alles muß heimlich sein . Und sieh , Mutter , so hast du mich auch erzogen und angelernt . Das muß ich dir immer wieder sagen . Gott sei ' s geklagt , daß ich ' s muß . Es ist immer ein und dasselbe , was du so bei dir denkst : es sieht es ja keiner ; bei Nacht sind alle Katzen grau , und es darf bloß nich rauskommen . Und wenn es nicht rauskommt , dann ist alles gleich . So denkst du bei dir , und denkst auch wohl : ach , der liebe Gott , der is nicht so , der ist gut und freut sich , wenn man einem Förster oder Grenzaufseher ein Schnippchen schlägt . « » Ach , Lehnert , rede doch nicht so ! Du weißt ja doch ... « » Und wenn es dann schiefgeht , ja , dann ist es wieder anders . Dann geht es in die Predigt , und Siebenhaar ... na , du weißt schon , ich hab es dir heute schon mal gesagt ... , der muß dann wieder einen Heiligen aus mir machen . Aber nicht zu lang ; Gott bewahre , denn ein Heiliger paßt auch nicht , und wenn uns dann die Not wieder an der Kehle sitzt , und braucht auch noch gar nicht mal eine rechte Not zu sein , dann ist es mit Siebenhaar auch wieder vorbei , und dann heißt es wieder : Es wird es ja wohl keiner sehen , oder : Man muß es nur klug anfangen , und die Menschen müssen es einem bloß nicht auf den Kopf zusagen können . Ach , Mutter , du meinst es mit keinem bös , und mit mir erst recht nicht , aber du hast das Ehrlichsein nicht gelernt , und davon ist alles gekommen ... Und nun will auch Siebenhaar noch mit ihm sprechen , mit Opitz , als ob das was helfen könnte , will mich mit ihm versöhnen , und ich hab ' s auch versprechen müssen . Aber ich mag nicht . Ich hasse ihn , und Haß ist überhaupt das Beste , was man hat . « » Überlege dir ' s , Lehnert . Er ist ein gräflicher Förster und is nun doch mal der Herr . « » Ach was , der Herr ! Ein Diener is er . Ich bin ein Herr , wenigstens eher als er , und kann machen , was ich will . « » Er hat das Ansehen vor den Leuten , und ich weiß es von Christinen , er ist nicht so schlimm , wie du glaubst und ihn immer machen willst . Er kann auch durch die Finger sehen . Aber er verlangt , daß man ihm gute Worte gibt und ihn für was Besonderes ansieht . Und das tust du nicht . Er kann bloß deinen Trotz nicht leiden . Und darum hab ich Siebenhaar gebeten . « » Aha « , lachte Lehnert . » Also du