» - Papa war gerade in den letzten Tagen recht leidend - hatte viel nervösen Kopfschmerz ... Er läßt sich Ihnen übrigens bestens empfehlen , Herr Quöck - « » Danke , liebes Fräulein , danke - ! Ich glaube , Ihr Herr Papa arbeitet zu viel ... er sollte sich mehr Ruhe gönnen ... das viele Denken strengt so an - « » Mag sein , Herr Quöck - aber das ist nun einmal sein Leben - und ich glaube , man kann die Gesetze , nach denen sich ein individuelles Leben regelt , nicht ungestraft verletzen - « Herr Quöck kaute gerade an einem etwas heißen Stück Bratkartoffel herum und konnte darum nicht sogleich zu Wort kommen . Adam wandte sich zu seiner Nachbarin hin - : » - Wenn ich mich nicht irre , mein gnädiges Fräulein , hörte ich neulich - ich erinnere mich freilich nicht gleich , wo ? - , daß Ihr Herr Vater auch - hm ! auch Bücher zu schreiben pflegt - ? - Ich huldige zeitweilig leider auch dieser tristen Praxis - es wäre mir darum ganz interessant und zudem eine hohe Ehre , Ihren Herrn Vater gelegentlich persönlich kennen lernen zu dürfen - Collegialität ist zwar sonst nicht gerade - « » Papa ist , wie gesagt , sehr leidend ... wir leben sehr zurückgezogen ... empfangen selten Besuche ... Papa ist so ungesellschaftlich geworden ... das ist ja natürlich ... Aber wenn Ihnen daran liegt , Herr Doctor - - ich werde Papa vorbereiten - - « Hedwig hatte sehr kalt , sehr zurückhaltend , beinahe abweisend , gesprochen . Es schien ihr persönlich gar nichts daran zu liegen , eine Beziehung zwischen ihrem Vater und Herrn Doctor Mensch herzustellen oder hergestellt zu sehen . » Sehr liebenswürdig , mein Fräulein ! « dankte Adam reservirt und wollte sodann fortfahren : » Der Werth des Lebens - « Da fiel Frau Lange ein : » Pardon , Herr Doctor , wenn ich Sie unterbreche - ich - ich - « Frau Lange wußte entschieden nicht recht , was sie eigentlich von Adam wollte in diesem Augenblick . Es schien ihr nur unbequem zu sein , ihn und Fräulein Irmer in ein ernsthafteres , längeres Gespräch kommen zu sehen . Als Adam die Worte » - Werth des Lebens - « über die Lippen gebracht , war Hedwig zusammengefahren . Er wird doch nicht - - - » Ja ! « fuhr Frau Lydia fort , » Sie haben , Herr Doctor - « » Darf ich Ihnen noch einmal Thee eingießen , Herr Referendar - ? « fragte Frau Möbius an ... » Wenn ich bitten darf , gnädige Frau - - . « » Mir auch noch ' n Schluck , liebe Tante , ja - ? « bat Herr Quöck . » Recht gern , Traugott - « » Ich mache Ihnen mein Compliment , gnädige Frau , « hub Herr Oettinger an , » - Ihre Küche ist vorzüglich ! Ich habe selten ein so delikates Stück Fleisch - - « » Ach , bitte , bitte ! ... « wehrte Frau Möbius bescheiden ab . » Uebrigens , « wandte sich Lydia an Adam - » sagen Sie , Herr Doctor : - sind Sie denn immer so ... so steif ... so ceremoniell - ? Ich hörte zufällig vorhin , als Sie zu Fräulein Irmer - Sie geben ja in der That keinen einzigen ... wie soll ich sagen - ? keinen ... keinen einzigen Naturlaut von sich - . « Adam war ein Wenig verblüfft . Er reichte gerade die Schüssel mit Bratkartoffeln seiner Nachbarin hin . » Immer so - ? « wiederholte er befangen-mechanisch . Er wußte nicht sogleich , was er antworten sollte . Lydia lachte hell auf : » - Aber , Herr Doctor- « » Aber , Lydia - ! « monirte verlegen-unwillig ihr Vetter . Herr Oettinger schmunzelte . Um diese süße Freude über Adams kleine Abfuhr ein Wenig zu verhüllen , griff er schnell nach seiner compote mêlée ... Adam hatte sich gefaßt . Er schlug die Augen groß auf und sah scharf zu Lydia hinüber . Dann kniff er den Blick etwas zusammen - und während ihm ein wegwerfendes Lächeln Mund und Nase umkräuselte , fragte er seine schöne Gegnerin : » Wollen Sie es dem Schornsteinfeger verdenken , gnädige Frau , daß er sich zuweilen ... wäscht - ? « Fräulein Irmer blickte ihren Nachbar erstaunt-erwartungsvoll von der Seite an . Was meinte er damit - ? Auch Frau Lange wußte nicht recht , was sie von dieser Antwort denken sollte . Der Herr Referendar hielt das Gesicht gebeugt und stocherte mit dem kleinen Löffel in seinem steifschleimigen Fruchtbrei herum . Seine rosigen , wohlgepflegten Fingernägel glänzten . Adam legte Messer und Gabel über seinen Teller und lehnte sich zurück . Er sah Frau Lydia herausfordernd an . Herr Quöck blickte bei seinen Tischgästen fragend herum und machte sich dann an das Geschäft , seinen goldgelben Rüdesheimer zu verschenken . » Pythius - ! « warf Lydia provokant hin . » Pythius - ? « - Adam lachte . » Nein ! gnädige Frau scherzen ... Ich weiß ganz genau , was ich will ... was ich gesagt habe ... Uebrigens gestehe ich recht gern zu , daß Ihnen meine Worte weniger dunkel - « » Heraklitisch dunkel - « warf Herr Oettinger ein . » Ganz Recht , Herr Referendar ! ... also heraklitisch dunkel und räthselhaft erscheinen würden , wenn ich die Ehre genösse , von Ihnen näher gekannt zu werden - « » Na ! Dazu kann ja eventuell noch Rath werden - « äußerte Lydia offen und sah Adam groß und coquett- an . - Hedwig machte ein ziemlich müdes und gelangweiltes Gesicht . Was wollten eigentlich diese Leute von ihr - ? Was gingen sie diese Menschen an - ? Was hatte sie in dieser leichtsinnig phosphorescirenden Welt zu