- der schwarze Peter , der Schmied von Jüterbog - sich ausgedrückt haben würde , die reine blasse Unmöglichkeit . Was wußte gleich zum Exempel der Herr Hofrat von dem Schmied von Jüterbog , wie er jetzt nach jahrelangem Umhertreiben in der Welt von Wien nach Berlin kam ? und weshalb ? Wie konnte der Hofrat ahnen , wozu die Weltgeschichte und diese Geschichte den lang verschollenen Jugendfreund , den braven Peter , den schwarzen Peter , den - Schmied von Jüterbog der lübischen Jungen augenblicklich in Berlin nötig hatte ? - Wir haben wohl alle von dem Schmied von Jüterbog gehört und gelesen , wie er in seiner Kunst ein so erfahrener Meister war , der beste seiner Zeit , wie er mit dem Kaiser Friedrich dem Rotbart Mailand eroberte und in Apulien Krieg führte , wie er als hundertjähriger Greis den Tod und den Teufel fing und wie ihm der heilige Petrus drei Wünsche gestattete . Großmutter hat uns erzählt , wie er mit diesen drei Wünschen umgegangen ist und sich zum letzten statt der ewigen Seligkeit eine Feldflasche mit einem nimmer versiegenden guten Magentropfen erbeten hat . Wir wissen , daß ihn nachher weder die Hölle noch der Himmel gewollt hat und daß er zu seinem alten Herrn in den Kyffhäuser gegangen ist und dort des Kaisers Schlachtpferd und die Pferde der Prinzessin und ihrer reitenden Fräulein beschlägt , bis - die Raben nicht mehr um den Berg fliegen . Wie kam der Mann aus dem warmen , behaglichen , süßdämmerigen Märchenberg in den frostigen , unfreundlichen , trübseligen , großstädtischen Herbstmorgen ? Er , Peter Uhusen , der Schmied von Jüterbog , hatte einfach eine Zerstreuung nötig gehabt und wollte seinen Freund Brokenkorb besuchen , wie man eben auch einen gleichgültig gewordenen Jugendgenossen , dessen Haus zufällig am Wege liegt , auf einer Erholungsreise aufsucht . Am Montagnachmittag war er am Orte angelangt , hatte die Wohnung des Hofrats richtig gefunden , aber ihn nicht in derselben . Er hatte seine Visitenkarte - wir wissen , was für eine - abgegeben und war seines Weges gegangen und wie der Jugendfreund ziemlich spät zu Bett gekommen . Recht gut hatte er sich bis in den Morgen hinein zu unterhalten gewußt , und zwar an mehr als einem Orte . Ohne die geringste Lokalkenntnis hatte er sich sofort zurechtgefunden , und nun war er von neuem da , als ob er nicht einen beträchtlichen Teil der Nacht , nach Schluß der Komödie , an seinem Tisch hinterm Glase allein , in tiefer Betrübnis und in heftigem Heimweh nach - Untermeidling gesessen habe . Wach , frisch , auf wackeren , vollkommen heilen und ganzen Beinen , blickte er aus seinem einen Auge klar und vergnüglich um sich herum , kümmerte sich um die Witterung und Temperatur keinen Pfifferling und summte eben , drei Gassen weit von seinem » Gasthof « und abermals auf dem Wege zum Freunde , im Vorgefühl des Behagens , welches er unzweifelhaft ihm mitbrachte , sich kitzelnd : » We ' ll take a cup of kindness yet , For auld lang syne ; na , warte , miin Jung , mit dir werde ich bei einem guten alten Tropfen hoffentlich auf die gute alte Zeit anstoßen , wie es sich gehört . Nach dem , was man in den Zeitungen von ihm liest , muß er fein in der Wolle sitzen und sich doch noch zu einem lieben , netten Menschen ausgewachsen haben . « Er hatte , wie der Mensch häufig , wenn er sich am Morgen frisch und grün fühlt , keine Ahnung von dem , was der Tag auch für einen braven Mann wie er , Peter Uhusen , der sich weder vor dem Tod noch dem Teufel fürchtete , doch Überraschendes in seinem grauen Mantel tragen kann . Er , der eben noch ein Gesicht machte wie sein Namensvetter , als der den Tod mit seiner Sense und dem Schoß voll Birnen im Birnbaum kleben sah , hatte nicht die geringste Ahnung davon , daß ihn bloß drei Häuser weiter Tod und Teufel - wieder einmal mit der Nase auf der Menschen mögliche Schicksale in dieser Welt stoßen sollten . - - - Drei Häuser weiter ab führte durch eine offene , dunkle , niedere Tür eine ausgetretene , schmutzige Steintreppe in einen Keller hinunter . Über der Tür verkündete eine Inschrift den Leuten , daß hier um alles gehandelt werde , was Menschen nicht mehr gebrauchen können , aber dessenungeachtet doch noch gern zu verwenden wünschen : vorzugsweise ihre Knochen , ihre Lumpen und - ihr altes Eisen . Auf der Treppe aber , aus der Dämmerung ihres Geschäftsreiches halben Leibes in die Ober- und Gassenwelt hineinragend , stand die Inhaberin der Niederlage irdischer Abgängigkeiten , die Hände auf dem Rücken , in den Händen einen alten Infanterieoffiziersdegen , aus halb zugekniffenen Augen dem Anschein nach auch nur in das Wetter sehend . Eine Frau von ungefähr sechzig Jahren ! Das Haar , dem man es noch ansah , daß es seinerzeit sehr dunkel gewesen war , nicht grade salonmäßig frisiert , aber doch auch nicht ganz ungekämmt ; - Augen , die , wenn sie einen voll ansahen , noch ebenso schwarz leuchteten wie an dem Tage , an dem sie zum erstenmal aufgemacht worden waren ; - ein stattlich Unterkinn - die Gesichtsfarbe ziemlich ins Gelbe schlagend . Eine Frau von nicht geringem Leibesumfang , in blauschwarzem Wollkleide und zum Schutz gegen das morgendliche Vorwinterfrösteln mit einem buntfarbigen Tuch angetan , dessen Zipfel hinten über den breiten Hüften in einen festen Knoten geschlungen waren - » Gibt es denn dies ? « fragte Peter Uhusen , stehenbleibend und dem ersten kurzen Blick einen langen und zugleich die sonderbare Frage folgen lassend : » Ist es denn möglich ? « » Bei Gott ist alles möglich , bei den Menschen recht vieles ; alles mögliche aber findet der Herr bei mir oder kann er bei mir noch