Glut hervor , der sie von neuem schaudern machte . - Das war kein törichter Junge mehr , es war ein frühreifer Mann , der sie angeblickt hatte , und instinktmäßig rettete sie sich in der Furcht vor ihm - an seine Brust . » Tu mir nichts ! Wie leid wäre dir ! « Sie stand neben ihm und hielt seine Hand , der der Knüttel entsunken war . Sie bat , sie schmeichelte , sie suchte ihn zu rühren und hielt sich selbst eine Totenklage . » O wie leid wäre dir um mich , niemandem so leid wie dir um die arme Vinska . « » Du bist nicht arm ! « fuhr er sie an , » du nicht ! ... Schlecht bist du - und ich geh aufs Bezirksamt und verklag dich . « » Wegen der Stiefel ? « fragte sie und lachte herzlich und sorglos . » Ja . « Flugs ließ Vinska sich auf die Stufen nieder , zog die Stiefel aus und stellte dieselben vor Pavel hin . » Da hast sie , Geizhals ! Ich brauch sie nicht ! - ich brauch nur dem Peter ein Wort zu sagen , so kauft er mir andere , viel schönere . « Pavel brüllte förmlich auf : » Nein , nein ! nimm die meinen , behalt sie , ich schenk sie dir . Nur geh nicht mehr mit dem Peter ... Versprich ' s ! « Er faßte sie an den Achseln und schüttelte sie , daß ihr Hören und Sehen verging : » Versprich ' s , versprich ' s ! « » Sei ruhig - ich verspreche es « , antwortete Vinska ; doch war der Ton , in dem sie es sagte , so wenig überzeugend , und es flog ein so seltsamer Ausdruck über ihr Gesicht , daß Pavel die Faust ballend drohte : » Nimm dich in acht ! « 6 Die nächste Woche brachte viele Regentage , und an jedem trüben Morgen packte Pavel seine Schulsachen zusammen und ging zum Gelächter aller , die ihm auf dem Wege dahin begegneten , in die Schule . Dort saß er , der einzige seines Alters , unter lauter Kindern und immer auf demselben Platz , dem letzten auf der letzten Bank . Anfangs tat der Lehrer , als ob er ihn nicht bemerke ; erst nach längerer Zeit begann er wieder , sich mit ihm zu beschäftigen . Einmal , als die Stunde beendet war , die Stube sich geleert hatte , Pavel aber fortzugehen zögerte , fragte ihn der Lehrer : » Was willst du eigentlich ? In deinem Beruf kannst du dich bei mir nicht ausbilden . « Pavel machte verwunderte Augen , und der Lehrer fuhr fort : » Hast du mir nicht gesagt , daß du ein Dieb werden willst ? Nun , Unglücksbub - Unterricht im Stehlen geb ich nicht . « Dem Pavel schwebte schon die Antwort auf der Zunge : Darum ist mir ' s auch nicht zu tun , versteh ' s ohnehin . Aber er bezwang sich und sagte nur : » Lesen und schreiben möcht ich lernen . « » Zur Not kannst du ' s ja . « » Just zur Not kann ich ' s nicht . « » Mußt dir halt Müh gehen . « » Geb mir Müh , kann ' s doch nicht . « » Gib dein Buch her . « Pavel schüttelte den Kopf : » Aus dem Buch kann ich ' s schon , aber da - « er fuhr mit der Hand , die heftig zitterte , zwischen sein Hemd und seine Brust und zog einen zerknitterten Brief hervor , » da hat mir der Bote etwas von der Post gebracht ... « » Geschriebenes ? Ja so ! das ist freilich eine andere Sache , da würde ich wohl selber Mühe haben . « Sein Scherz reute ihn , als Pavel denselben für Ernst nahm und zum ersten Male im Leben demütig sprach : » Ich möcht den Herrn Lehrer doch bitten , daß er ' s probiert . « Pavel küßte , wenn man so sagen darf , das Blatt mit den Augen und reichte es dem Alten hin , sorgfältig , ängstlich , wie ein leicht zu beschädigendes Kleinod . Der Lehrer entfaltete es und überflog die Zeilen : » Es ist ein Brief , Pavel - und weißt du von wem ? « » Er wird von meiner Schwester Milada sein , aus dem Kloster . « » Nein , er ist nicht von deiner Schwester aus dem Kloster . « » Nicht ? « » Er ist von deiner Mutter aus dem - « er stockte , und der Bursche ergänzte mit plötzlich veränderter Miene und rauher Stimme : » Aus dem Zuchthaus . « » Willst du ihn hören ? « Pavel hatte den Kopf sinken lassen und antwortete durch ein stummes Nicken . Der Lehrer las : » Mein Sohn Pavel ! Vor drei monat habe ich Meine feder an das papier gesetzt und meiner Tochter Milada einige Parzeilen in das Kloster geschrieben meine Tochter Milada hat sie aber nicht bekommen die Klosterfrauen haben Ihr ihn nicht gegeben sie haben Mir sagen lassen das beste ist wenn sie von der mutter nichts hört so weiß Ich nicht ob Ich recht tu wenn Ich dir schreibe Pavel mein lieber sohn mit der bitte daß du mir antworten sollst ob meine Parzeilen dich und Milada deine liebe schwester in guter gesundheit antreffen was Mich betrifft ich bin gesund und so weit zu frieden in meinem platz . deine Mutter . Meine zwei kinder tag und nacht Bete Ich für euch zum Liebengott glaube auch daß meine tochter Milada eine kleine klosterfrau werden wird wenn es die Zeit sein wird und arbeite fleißig hier imhause was mir zurückgelegt wird für meine kinder ... In sechs Jahren mein lieber sohn Pavel werde ich wieder Nachhaus