das geht uns heut noch besser , als wir gedacht ! « sagte sie froh gerührt zu den Kleinen , die sie fröhlich zu atzen hoffte . Dann ergriff sie den Arm des Mannes , die Kinder voranschickend . Als er aber auf dem Flur die gebrauchten Eß- und Trinkgeräte vom Nachmittage stehen sah , sagte er , einen Augenblick stehenbleibend : » Da ist jedoch gegessen und getrunken worden , oder woher kommt denn das Geschirr ? « » Ja , es wurde gegessen und getrunken , aber wir haben zugesehen ! Komm , ich will dir morgen erzählen , was ich für eine Wirtin bin ! « So gingen sie aus dem Hause ; die Mutter schloß die Türe , und lebhaft ging es den Bergweg hinunter , so matt sie sich eben erst gefühlt hatten . Die Frau freilich stützte sich tüchtig auf den Arm des Mannes , von dessen Mühsalen sie nichts ahnte . Indessen steuerte er nach einer Gegend , wo er mit Henne und Hühnchen ungestört zu sein hoffte ; als sie aber an einem großen , hell erleuchteten Garten vorüberkamen , in welchem Musik gemacht wurde und viele Leute saßen , gelüstete es die Kinder , ihren Hunger unter Geigen und Flötenklang zu stillen ; denn sie standen still und schauten sehnsüchtig durch das Gitter , wo sie übrigens auch überall an gedeckten Tischen essen sahen . » Sie haben recht ! « sagte der Vater zur Frau , » warum sollen sie heute nicht eine Tafelmusik haben ? Bleibe hier einen Augenblick mit ihnen stehen , ich will sehen , ob ich nicht einen Winkel für uns finde , wo wir unter uns sind ! « Er ging in das Haus und fand im Erdgeschoß des Gebäudes einen Saal mit offenen Fenstern , in welchem einige Leute saßen ; ein kleineres Nebenzimmer jedoch war ganz leer , obgleich ein gedeckter runder Tisch darin stand . Sogleich holte er Frau und Kinder herein und ließ sie den Tisch einnehmen , über welchem ein Gasleuchter hing . O wie zufrieden blickten die Kinder nun drein , als sie die Hände auf dem Tischtuche übereinander legten , zuweilen mit den Fingern ein wenig trommelnd . Martin Salander gab seiner Frau , die neben ihm saß , die Hand , dann über den Tisch reichend auch den Kindern , einem nach dem andern . Er sagte nichts dazu und war glücklich , alles andere vergebend . Ein Kellner kam , nach dem Begehr fragend . » Marie , befiehl du , was du wünschest und für die Kinder gut ist ! Ich werde dann mit Erlaubnis hintendrein schon nachbessern , wenn du zu knauserig bist ! « sagte Salander . » Warme Suppe ist jetzt wohl nicht da ? « fragte sie den Kellner . » O ja , an Konzertabenden werden nach Belieben ganze Soupers serviert ! « versetzte jener . » Das ist ja ganz unser Fall , « meinte Salander , » da brauchen wir uns nicht die Köpfe zu zerbrechen , nicht wahr , Marie ? « » Ich bin sehr zufrieden ! « antwortete sie , froh , des weiteren enthoben zu sein . Schnell legte der Kellner die Gedecke auf , die übrigen Zubehörden glänzten in blankem Christoffel schon auf dem Tisch . Bald erschien er auch mit der Schüssel , in welcher eine würzige Suppe dampfte . » Setzen Sie das Ding nur auf den Tisch ! « sagte Salander , » und beeilen Sie sich auch mit den übrigen Speisen nicht , wir wollen uns Zeit lassen ! Es soll nicht Ihr Schade sein ! « » Sehr wohl ! « empfahl sich der Kellner und ließ die Herrschaft vorderhand mit der Suppe allein . Als Salander bemerkte , daß die Gattin so wohlig im Stuhle zurücklehnte und sich eben aufraffen wollte , die Teller zu füllen , hielt er sie zurück und schöpfte an ihrer Stelle die Suppe , welche wie Ambrosia duftete . Und wie sie die Löffel zur Hand nahmen , fiel im Garten draußen das Orchester mit einem gewalttätigen Musikstück ein , daß die Kinder in dem Posaunen- und Paukengewitter die ersten Löffel mit einer seltsamen Mischung von Heißhunger und Herzensjubel zum Munde führten . Auf den anfänglichen Lärm folgte jedoch bald ein Pianissimo , dem das Publikum im Garten lautlos lauschte ; die drinnen löffelten achtlos fort , ein » Sch ! « zischte draußen , worüber Frau Marie erschrak , die Kinder lachten und Martin Salander das Fenster schloß . » Eßt fort , kümmert euch nicht darum ! « mahnte er . So geschah es , und als eine kleine Stunde vorbei , vergnügten sich die Kinder wohlgesättigt an dem ungefährlichen Nachtisch . Jedes hatte ein Glas Wein bekommen , die Mutter aber deren drei getrunken , und nun dünkte der Mann sich im Paradiese zu sitzen , als die aufblühenden , leicht sich rötenden Antlitze mit frohen Augen ihm entgegenglänzten , wohin er blickte , als wollten sie ihm sagen , was das Glück sei : eine Art Kräutlein Kommnichtum ! Wenigstens sagte er sich in seinen Gedanken : Dies , was ich sehe , ist die Wahrheit , und nicht das , was ich weiß ! Die Kinder wurden immer munterer ; Arnold hatte sich dicht an die Seite des Vaters geschmuggelt und sagte plötzlich : » Aber Vater , weißt du nicht , daß ich dich heute schon gesehen habe , bei dem Brunnen , wo die Weidelichbuben mich auslachten , daß ich nur eine Mutter und keine Mama habe ! « Salander hatte über den nachherigen Ereignissen den Auftritt und das Gesicht des Knaben gänzlich vergessen ; er nahm es jetzt in die Hände und rief : » Bei Gott , es ist ja wahr ! Wo hab ich nur meine Gedanken ! Hätt ich doch gewußt , daß ich meinem Blute so nah war ! « Erstaunt schaute Frau Marie auf . » Bist du denn