Garten gesehn , und ihrer gepflegt ; auch hätt ich aus dem seltnen Buche , das ein Fremder mir geliehn , die Blätter für sie abgeschrieben , die am meisten sie vergnügten - so warst du ja recht fleißig , sagte Diotima , fuhr dann fort , wie sie meinen Sinn geahndet hätte in jeder Stelle der Insel , die ich ihr beschrieben , wie man so ganz zusammentreffen könne in einem Urteil , einer Freude , gerade da , wo die andern so selten einig wären ; man hätt auch einmal von Delos gesprochen , da hätte sie den Knaben Hyperion vor sich gesehn , wie er mit ihrem Vater so fromm umhergegangen wäre unter den heiligen Ruinen , wie er staunend oben auf dem Cynthus gestanden , und schweigend mit dem Auge nur gefragt ; sie hätte dann so herzlich gewünscht , daß sie damals auch mit uns umhergewandert wäre ; sie wäre zwar ein unverständig Kind gewesen , doch hätte sie gewiß auch etwas geahndet , weil der Vater so ernst gewesen wäre , und der kleine Gespiele - so und anders dacht ich mir Diotimas Empfang , und war selig in meinen kindischen Träumen . ------------- Sechstes Kapitel Es wäre gut , wenn die Hoffnung etwas seltner wäre im Gemüte des Menschen . Er waffnete sich dann zu rechter Zeit gegen die Zukunft . Der Abend war nun wirklich da , wo ich sie wiedersehen sollte . Ich war auch kaum hinausgegangen , so ward ich die Reisenden in einiger Entfernung gewahr . Diotima grüßte mich auch freundlich , aber die Diotima , von der ich geträumt hatte , war sie doch nicht . Ihr reiner immertätiger Geist äußerte sich gegen mich , wie zuvor ; aber es ward mir schwerer , als sonst , auf sie zu merken ; ich war zerstreut , und hört oft Augenblicke lang kein Wort von allem , was sie sprach , und wenn ich lauschte , so war es , weil das arme Wesen trachtete , für seine sterblichen Wünsche ein erfreulich Wörtchen zu erhaschen . Oft , wenn sie während ihrer Rede meinen Namen nannte , war ich plötzlich mit meiner ganzen Seele gegenwärtig ; aber mit Schmerzen fühlt ich bald , daß ihr Geist nur einen Augenblick mir nahe gewesen war . Ich ahndete nun allmählich trübe Tage . Es war jetzt oft , als warnte mich etwas , als ging ' ich nicht auf rechtem Wege . Sie war das einzige , woran mein Leben sich erhielt , mein Herz hatte sich nach und nach so gewöhnt , daß auch nicht der Schatte in mir war von einer Hoffnung , die ohne sie bestanden wäre , und sie schien sich doch mit jedem Tage mehr von mir zu entfernen . Ich fühlte den sterbenden Frühling meines Herzens . Der milde Himmel , der es umfangen hatte , und genährt , die stille Seligkeit , die ich gefunden hatte im sorglosen Anschaun der Grazie und Hoheit dieses seltnen Wesens , verschwand mit jedem Tage merklicher . Mit Todesangst konnt ich itzt jede Miene und jeden Laut von ihr befragen , ob sie mich verlassen würde ; ihr Auge mochte gen Himmel sich wenden , oder zur Erde , ich folgt ihm , als wollte mir mein Leben entfliehn . Ich muß es nur geradezu sagen , ich war oft ärgerlich über alles Gute und Wahre , wovon sie sprach , weil sie mich darüber zu vergessen schien . O es ist mir sehr begreiflich geworden , wie der Mensch dahin geraten kann , daß er das beste , was wir haben , das edle freie Leben des Geistes zu morden strebt in dem Wesen , woran sein Herz hängt . Es geht mir durch die Seele , wenn ich mir die guten Kinder denke , die sich das Mein ! und Dein ! so unbedingt , mit solcher Entzückung sagen . Der Mißverstand ist so leicht . Und weh ihnen , wenn sie sich mißverstehn ! Solang ich bei ihr war , und ihr begeisterndes Wesen mich emporhub über alle Armut der Menschen , vergaß ich oft auch die Sorgen und Wünsche meines dürftigen Herzens . Aber das dauerte nicht lange . Sowie ich zu mir selbst kam , begann auch wieder meine Not , und je höher und heller ihr Geist über mir leuchtete , um so brennender fühlt ich meinen Jammer . Aber tief in mein Innerstes begrub ich ihn . Es ging mir , wie den Menschen , denen die Flamme ihre Kammern verzehrt , und die nicht um Hülfe rufen mögen , aus Scham und Scheue vor andern . Keine Stelle war mir sicher genug , um mich der Klage meines Herzens zu entlasten . Ich erinnere mich nicht eines Worts , das ich über meinen Gram gesprochen hätte . Ich sah auch nicht , was es mir fruchten könnte , irgend ein Wesen um Hülfe anzusprechen ; ich hatte ja schon einmal Trost in der Welt gesucht , und war ärmer zurückgekommen . Ich verzehrte mich in verworrenem gewaltsamem Ringen nach ihr , und mein Wesen mattete sich um so schröcklicher ab , je mehr ich meine glühenden Wünsche verbarg . So kam ich eines Tags zu Diotima . Ich war nicht lange da , so fing sie an : es hätte jemand einen Dank von ihr zu fordern , es wär ihr gestern eingefallen , daß sie ihrer Harfe so ganz vergäße , sie hätte sie hervorgeholt , ihren Mißklang , so gut sie könnte , zu mildern , und sie ganz wohllautend gefunden . Der Himmel weiß , wie viel ich mir unter dem versprochenen Danke dachte . Ich hätte sie gestimmt , rief ich , und wußte mir kaum zu helfen in meiner Freude , ich hätte nichts Besseres zu tun gewußt für meine Freundin , solange sie verreist gewesen wäre . Auch fiele mir eben ein , daß ich damals einiges für sie abgeschrieben hätte ; ich wüßte