ihrer Schwester die letzte Ehre zu erweisen . Anka und ich folgten . Ein Teil der Dienerschaft war vorausgeschickt worden , um alle Vorbereitungen zum Empfang der toten Herrin und ihres Geleites zu treffen . Das war eine andere als die erste Reise ! Unser Zug richtete sich durch eine rauhe , unwirtliche Gegend nach dem Norden des Landes . Langsam , trotz der häufig gewechselten Pferde , fuhren wir über schlechte Wald- und Gebirgswege in den trüben Herbsttag hinein , im Gefolge einer Leiche . 5 Mitternacht war vorüber , als wir uns dem Ziel unsrer Wanderung näherten . Anka schlief längst , den Kopf auf meinem Schoß . Zuletzt ging es noch eine Stunde lang steil aufwärts durch den Wald unter der Eskorte einer Schar von Leuten , die man mit Windlichtern versehen und uns entgegengeschickt hatte . Wir erreichten endlich die Platte eines stumpfen Bergkegels und rollten im raschen Trabe einer dunklen Masse zu , deren Umrisse in den wallenden Nebeln verschwammen . Nur ein schlanker Turm löste sich scharf und deutlich vom Hintergrund des Horizontes ab , den der verschleierte Mond mit fahlem Schimmer erhellte . Plötzlich ging ein Riß durch die Nebel , in dem Düster vor uns flammte es auf , und wie riesige rote Feuerzungen erglänzten die Fenster der Kapelle , in der die letzte Nachtwache am Sarge der Gräfin gehalten wurde . Nun rasselten unsre Wagen über eine hölzerne Brücke und durch eine Einfahrt , des wildesten Raubschlosses würdig : hoch , düster und ganz mittelalterlich , von Fackeln erleuchtet , die in eisernen Ringen an den schwarzen Mauern staken . Die Herren wurden von der männlichen Dienerschaft über die Treppe geleitet , Anka und mich nahmen die Frauen in Empfang . Francine half mir , das Kind , das nicht zu erwecken war , nach den für uns vorbereiteten Zimmern tragen . Sie lagen im Hochparterre , und wir gelangten zu ihnen nach einer Wanderung durch öde Gänge , die mir endlos schienen . An der Schwelle begrüßte uns Peterl taumelnd , mit Augen , die vor Schläfrigkeit ganz schief standen , und lallte die Meldung , das Abendessen sei aufgetragen . Wir traten ein . Nicht ein paar Zimmer , eine lange Reihe von Zimmern hatte man für uns zurechtgemacht , alle geräumig , unregelmäßig und , soviel sich bei dem schwachen Scheine der Wachskerzen , die auf den Tischen flackerten , erkennen ließ , mit großem , wenn auch längst überlebtem Luxus eingerichtet . Es herrschte darin der seltsame Duft , der gutgehaltenen , aber unbewohnten Gemächern alter Schlösser eigentümlich ist , eine Mischung von Kampfer- , Moschus-und Staubgeruch - parfümierter Moder dünkt mich die beste Bezeichnung dafür . Anka wurde zu Bett gebracht , Francine und die Stubenmädchen empfahlen sich , und meine Wenigkeit stand vor dem Lager , das man ihr angewiesen hatte , und betrachtete es mit fröstelnder Scheu . Lange konnte ich mich nicht entschließen , die Stufen zu ersteigen , die , mit verschossenem rotem Sammet überzogen , zu der feierlichen Schlafstelle emporführten . Mit ihrem reichen , zum Teil vergoldeten Schnitzwerk , ihren schweren Säulen und dem Himmel aus Damast , der all die Herrlichkeiten überwölbte , war sie ebenso prachtvoll wie unheimlich . Wenn sich von den hochaufgespeicherten Kissen die Ahnfrau des Hauses erhoben und mich mit erloschenen Augen angestarrt hätte - ich würde mich gefürchtet , aber nicht gewundert haben . Mehr als einmal wanderte ich zu Anka zurück , um mir Ermutigung zu holen aus dem Anblick ihres friedlichen Schlummers , bevor ich mich endlich entschloß , meinerseits Ruhe zu suchen . Ich fand keine , ich wagte nicht das Licht zu löschen , erwartete jeden Augenblick die Kleine aus ihren Träumen aufschrecken und nach mir rufen zu hören . Erst als die aufgehende Sonne ihre ersten Strahlen durch die Fenster warf , übermannte mich die Müdigkeit , und ich sank in tiefen Schlaf . Anka weckte mich mit gewohntem Ungestüm schon nach ein paar Stunden . Sie wollte sich in ihrem schwarzen Staat bewundern lassen und mir auch sagen , sie fühle schon einige Traurigkeit kommen , seitdem man ihr Trauerkleider angezogen hätte . Am Nachmittag fand die Beerdigung der Gräfin statt . Man hatte vergeblich auf das Eintreffen ihrer Mutter gewartet , sie erschien nicht und sandte auch keine Kunde ; erst am folgenden Morgen brachte ein reitender Bote , der sich unterwegs verspätet hatte , die Absage . Die Gräfin fühlte sich zu angegriffen , um die Fahrt von ihrem zwei Tagereisen entfernten Gute wagen zu dürfen . Sie hatte bis zum letzten Augenblick an den Ernst der Krankheit ihrer Tochter nicht glauben wollen , sie mußte von der Todeskunde wie von einem Blitzstrahl getroffen worden sein . Ich fand ihr Ausbleiben sehr begreiflich und tadelte Francine , die ihre Glossen darüber machte . Die Bonne hatte mehrere Jahre hindurch das , wie ich glaube , nicht besonders anstrengende Amt einer Vorleserin bei der Gräfin versehen und behauptete , sie zu kennen wie niemand . Wegen dieser Vertrautheit mit den Lebensgewohnheiten ihrer einstigen Gebieterin hatte Francine den Auftrag erhalten , die Vorbereitungen zum Empfang der alten Dame zu überwachen . Allein sie war mit gekreuzten Armen müßig dabeigestanden , immer nur wiederholend : Oh , Madame la Douairière kommt nicht dahin , wo man weint . Als ihre Vorhersagung bestätigt wurde , triumphierte sie . Sie hatte es gewußt , sie war wie von ihrem Dasein überzeugt , die Gräfin denke vorderhand nur daran , sich zu zerstreuen . Ihre lebendige Tochter war von ihr geliebt worden , o gewiß ! die tote möchte sie aus dem Gedächtnis streichen können . Francine schwatzte so viel , daß ich mir fast abgewöhnt hatte , ihr zuzuhören . Diese Worte jedoch fielen mir unwillkürlich wieder ein , als ich die Gräfin kennenlernte ... aber halt ! Das kommt erst später , ich mag nicht wieder nachzuholen haben . Was jetzt kam , war eine Reihe von gleichförmig stillen und