als ich nach dem Befelch der Frau Mama 1 Todtenschedel hohlen ließe und in die Hand zu tragen gab , welchen sie partout nicht nemen wollen und hernachmalen weinend und zitternd in der Hand gehalten , wie wenn es ein feurig Eisen wär . Zwaren hat der Mahler behauptet , er könne den Schedel aufwendig mahlen , weill solcher zu denen allerersten Elementen seiner Kunst gehöre , habe es aber nicht zugegeben , sintemal Madame geschrieben hat : Was das Kind leidet , das leiden auch wir , und ist uns in seinem Leiden selbst Gelegenheit zur Buße gegeben , so wir für ihn ' s thun können ; derohalb brechen Ew . Wohlehrwürden in Nichts ab , Euere Fürsorge und Education betreffend . Wenn das Töchterlein dereinst , wie ich zum allmächtigen und barmherzigen Gott verhoffe , hier oder dort erleuchtet und gerettet seyn wird , so wird es ohnzweifelhaft sich höchlich erfreuen , ein gutes Theil seiner Buße schon mit seiner Verstocktheit abgethan zu haben , welche über ihn ' s zu verhängen der unerforschliche Meister beliebt hat ! Diese tapferen Worte vor Augen , habe ich auch diese Gelegenheit für dienlich erachtet , der Kleinen mit dem Schedel eine ernsthafte Buße anzuthun . Man hat übrigens einen kleinen leichten Kindsschedel gebrauchet , dieweill der Mahler sich beschwehret , daß der große Mannsschedel zu unförmlich seye für die kleinen Händlein , in Betracht seiner Kunst-Regula , und hat sie denselben nachher lieber gehalten ; auch hat ihr der Mahler ein weißes Röslein dazugesteckt , was ich wohl leiden mochte , weil es als ein gutes Symbolum gelten kann . « » Habe heut plötzlich ein Contreordre erhalten in Betreff des Tableau und soll nun selbiges nicht nach der Stadt spediren , sondern hier behalten . Es ist Schad um die brave Arbeit , so der Mahler gemacht hat , weil er ganz charmiret war von der Anmuth des Kinds . Hätt ich es früher gewußt , so hätt der Mann für diesen Kostenaufwand mein eigen Conterfey auf das Tuch mahlen können , wenn die schönen Victualien nebst Lohn einmal drauff gehen sollen . « » Es ist mir fernerer Befelch zu Handen gekommen , mit aller weltlichen Instruction abzubrechen , besonders mit dem Französischen , da solches nicht mehr nöthig erachtet werde , so wie auch meine Gemahlin den Unterricht auf dem Spinett sistiren solle , was der Kleinen leid zu thun scheinet . Vielmehr soll ich sie fortan als ein einfaches Pflegekind tractiren und allein fürsorgen , daß sie kein öffentlich Ärgernuß gebe . « » Vorgestern ist uns die kleine Meret desertiret und haben wir große Angst empfunden , bis daß sie heute Mittag um 12 Uhr zu obrist auf dem Buchenloo ausgespüret wurde , wo sie entkleidet auf ihrem Bußhabit an der Sonne saß und sich baß wärmete . Sie hatt ' ihr Haar ganz aufgeflochten und ein Kränzlein von Buchenlaub darauff gesetzet , so wie ein dito Scherpen um den Leib gehenkt , auch ein Quantum schöner Erdbeeren vor sich liegen gehabt , von denen sie ganz voll und rundlich gegessen war . Als sie unser ansichtig ward , wollte sie wiederum Reißaus nemen , schämete sich aber ihrer Blöße und wollte ihr Habitlein überziehen , dahero wir sie glücklich attrapiret . Sie ist nun krank und scheinet confuse zu seyn , da sie keine vernünftige Antwort giebet . « » Mit dem Meretlein gehet es wiederum besser , jedoch ist sie mehr und mehr verändert und wird des Gänzlichen dumm und stumm . Die Consultation des herbeygeruffenen Medici verlautet dahin , daß sie irr-oder blödsinnig werde und nunmehr der medicinischen Behandlung anheim zu stellen sey ; er offerirte sich auch zu derselbigen und hat verheißen , das Kind wieder auf die Beine zu bringen , wenn es in seinem Hause placiret würde . Ich merke aber schon , daß es dem Monsieur Chirurgo nur um die gute Pension benebst denen Präsenten von Madame zu thun seye , und berichtete derohalb , was ich für gut befunden , nemlich daß der Herr seinen Plan nunmehr an ein Ende zu führen scheine mit seiner Creatur und daß Menschenhände hieran Nichts changiren möchten und dürften , wie es in Wirklichkeit auch ist . « Nach Überschlagung von fünf bis sechs Monaten heißt es weiter : » Es scheinet dieses Kind in seinem blöden Zustande einer trefflichen Gesundheit zu genießen und hat ganz muntere rothe Backen bekommen . Hält sich nun den ganzen Tag in den Bohnen auf , wo man sie nicht siehet und weiter nicht um sie bekümbert , zumalen sie weiter kein Ärgernuß giebet . « » Das Meretlein hat sich in Mitten des Bohnenplatz ein kleinen Salon arrangiret , so man entdecket , und hat dorten artliche Visites acceptiret von denen Baurenkindern , welche ihme Obst und andere Victualia zugeschleppet , so sie gar zierlich vergraben und in Vorrath gehalten hat . Daselbst hat man auch jenen kleinen Kindsschedel begraben gefunden , welcher längst abhanden gekommen und dahero dem Küster nicht restituiret werden konnte . Dergleichen auch die Spatzen und andere Vögel herbeygezogen und zahm gemacht , daß die den Bohnen viel Abbruch gethan und ich jedoch nicht mehr in die Bohnenstauden schießen können , von wegen der kleinen Insaß . Item hat sie mit einer giftigen Schlangen ihr Spiel gehabt , welche durch den Hag gebrochen und sich bei ihr eingenistet ; in summa , man hat sie wieder ins Haus nemen und inne behalten müssen . « » Die rothen Backen sind wiederum von ihr gewichen und behauptet der Chirurgus , sie werde es nicht mehr lang prästiren . Habe auch schon an die Eltern geschrieben . « » Heut vor Tag schon muß das arme Meretlein aus seinem Bettlein entkommen , in die Bohnen hinauß geschlichen und dort verschieden seyn ; denn wir haben sie alldort für todt gefunden in einem Grüblein , so sie in den Erdboden hineingewühlet , als ob sie hineinschlüpfen wollen . Sie ist ganz gestabet