die , nachdem sie lange oben im Turm gehangen und die Oder hinauf und hinabgeklungen hatte , jetzt gesprungen aus ihrer Höhe herabgelassen war . Sie war - so wenigstens ging die Sage - aus Geschützen gegossen , die Isaschar von Vitzewitz ( des alten Matthias Sohn ) aus dem Türkenkriege mit heimgebracht hatte . Inschriften bedeckten den Rand ; eine lautete : Ruf ich , öffne deinen Sinn , Gott zu dienen ist Gewinn . Der schwere Eisenklöppel stand in einer Ecke daneben . Aus dem Turm trat man in den Mittelgang der Kirche ; dicht an der Schwelle lag ein granitner Taufstein , ohne Fuß oder Träger , mitten durchgebrochen , noch aus der Zeit der Zisterzienser her . Weiter links , in der Ecke , wo Turm und Kirchenschiff zusammenstießen , war eine Nische in die nördliche Längswand gehauen : an einem Eisenstab hing eine Maria ( das Christkind war ihrem Arm entfallen ) , und ihr zu Häupten stand einfach die Jahreszahl 1431 . Das war das Hussitenjahr . Kein Zweifel , daß die Vitzewitze diesen Votivaltar nach Abzug des Feindes gestiftet hatten . Rechts und links vom Mittelgange , bis über die Hälfte der Kirche , liefen die Kirchenstühle hin , alle sauber und verschlossen ; nur die Tür des vordersten stand halb offen und hing in den Angeln . Dieser hieß der » Majorsstuhl « seit den Tagen , die der Kunersdorfer Schlacht unmittelbar gefolgt waren . Bis hierher , durch Flucht und Graus , hatten Grenadiere vom Regiment Itzenplitz ihren verwundeten Major getragen , auf diese Bank hatten sie ihn niedergelegt , hier hatte er sich aufgerichtet und die Binden abgerissen . » Kinder , ich will sterben . « Die Bank hatte einen Blutfleck seitdem , und jeder mied die Stelle . Einen Hauptschmuck der Hohen-Vietzer Kirche bildeten ihre Grabsteine . Einst hatten sie vom Altar an bis mitten in das Kirchenschiff hinein gelegen ; seitdem aber das alte Gewölbe zugeschüttet und die neue Gruft , deren wir schon erwähnten , angebaut worden war , standen sie aufrecht an der Nordwand der Kirche hin . Es waren meist einfache Steine , je nach der Sitte der Zeit mit langen oder kurzen Inschriften versehen , die von Malplaquet und Mollwitz erzählten oder auch von stilleren Tagen , in Hohen-Vietz begonnen und beendet . An zwei dieser Steine knüpfte die Sage an . Neben der Mariennische stand einer , größer als die andern und dicht beschrieben . Wer die Inschrift las , der wußte , daß Katharina von Gollmitz , eine Freundin des Hauses , einst unter diesem Steine gelegen hatte . Grete von Vitzewitz , der Verstorbenen in besonderer Liebe zugetan , hatte ihr , als sie während eines Besuches in Hohen-Vietz erkrankte und starb , einen Ehrenplatz in der Kirche angewiesen ; aber die Freundin im Grabe hatte kein Gefühl für diese Auszeichnung und sehnte sich nach Haus . Immer wenn Grete Vitzewitz über den Grabstein hinschritt , hörte sie eine Stimme : » Grete , mach auf ! « Da machten sie endlich auf und brachten den Sarg nach Jargelin , wo Katharina von Gollmitz ihre Heimat hatte . Nun wurde es still . Den Grabstein aber mauerten sie in die Wand . Ein anderer Stein , dessen Inschrift längst weggetreten war , lag noch dicht vor dem Altar . Er war der einzige , den man an alter Stelle belassen hatte , vielleicht weil er zerbrochen war . Er weigerte sich hartnäckig , mit den neben ihm liegenden Fliesen gleiche Linie zu halten , und bildete nach und nach eine Mulde . Wie oft auch seine zwei Hälften aufgenommen und Sand und Gerölle in die Vertiefung hineingestampft wurden , der Stein sank immer wieder . Das Volk sagte : » Da liegt der alte Matthias ; der geht immer tiefer . « Dies war nun freilich ein Irrtum , der alte Matthias lag an anderer Stelle , wohl aber gehörte ihm das große Grabmonument an , das , nach der künstlerischen Seite hin , den Hauptschmuck der Hohen-Vietzer Kirche bildete . Es war ein Marmordenkmal , überladen , rokokohaft , dabei jedoch von großer Meisterschaft der Arbeit . Dem Gegenstande nach zeigte es eine gewisse Verwandtschaft mit dem Altarbilde des Saalanbaues . Matthias von Vitzewitz und seine Gemahlin kniend , dabei voll Andacht zu einer Kreuzigung Christi emporblickend . Alles Basrelief , nur die Knienden fast in losgelöster Figur . Darunter ihre Namen und die Daten ihres Lebens und Sterbens . Ein niederländischer Meister hatte das Werk gefertigt und es persönlich zu Schiff bis in die Oder hinauf gebracht . Als die Bewohner des Herrenhauses die Kirche betraten , begann eben der Gesang der Gemeinde . Eine schmale Treppe , an einem der kleinen Seiteneingänge ausmündend , führte zu dem herrschaftlichen Stuhle hinauf . Dieser , ein auf Pfeilern ruhender , sehr einfacher Holzbau , war ursprünglich durch hohe Schiebefenster geschlossen gewesen , längst aber waren diese beseitigt , und nur noch zwei schmale Bretter , die von der Brüstung bis zur vollen Höhe der Decke aufstiegen , teilten den Raum in drei große Rahmen ab . Vorn an der Wandung war das Vitzewitzsche Wappen angebracht , ein Andreaskreuz , weiß auf rotem Grunde . In Front dieses herrschaftlichen Stuhles , hart an der Brüstung hin , nahmen die Eintretenden geräuschlos Platz : erst Berndt von Vitzewitz , links neben ihm Renate , dann Tante Schorlemmer . Lewin stellte seinen Stuhl in die zweite Reihe . So vernachlässigt alles war , so war es doch nicht ohne einen gewissen Reiz . Gleich zur Rechten Altar und Kanzel ; in Front des Altars das Taufbecken , eine silberne , mit allegorischen Figuren und unentzifferbaren Inschriften reich ausgeschmückte Schüssel , die nur mit großer Mühe vor den Händen des Feindes gerettet worden war . An der Wand gegenüber das vorerwähnte Marmordenkmal des alten Matthias und seiner Gemahlin . Das Beste aber , was dieser unscheinbaren Stelle eigen war , war doch das