dann muß Frau Nannette sich schämen und ihre Unwissenheit bekennen . Denn wahrlich , ihr ist dergleichen niemals zur Kenntnis gekommen . Einen stillen , aber heißen Bewunderer fanden die equestrischen Übungen des Leutnants an Mansuet Weberlein . Von seinem Kasten aus , in dem er hockte wie der Frosch im Wetterglase , begleitete der Kommis die Versuche des Ulanen , Fräulein Augentrosts Aufmerksamkeit zu erwecken , mit seinen innigsten Sympathien . Er war ein so begeisterter Anhänger des Militärs , daß er jedem Unternehmen , gleichviel ob es von dem ganzen Stande oder von einem einzelnen seiner Mitglieder in das Werk gesetzt wurde , das beste Gedeihen wünschte . Wie es kam , daß sich in Weberleins Seele kriegerische Neigungen entwickelten , ist unerklärt geblieben . Er stammte aus einem friedfertigen Geschlechte . Seine Ahnherren hatten als Kommis im Geschäfte Heißenstein gedient , solange dasselbe überhaupt bestand , und sein Vater hatte ihn auferzogen in der Furcht Gottes und der Militärpflicht . Und trotzdem ! Als er achtzehn Jahre alt und noch nicht viel über drei Schuh in der vertikalen , aber schon bedenklich in der schrägen Richtung gewachsen war , da kamen Werber aus Ungarn herüber in die Stadt . Mansuet entlief seinem väterlichen Hause und stellte sich . Er wurde ausgelacht und heimgeschickt . Aber von diesem Tage an galt er in seiner Familie für einen Haudegen und fühlte sich in einem gewissen Grade mit dem Soldatenwesen verbunden . In gemütlichen Stunden sagte er zu seinen Vertrauten : » Sehen Sie , jetzt wäre ich Hauptmann , wenn ich nämlich gedient , ich wäre sogar Major , wenn man mich nämlich dazu gemacht hätte . « Er wußte den Militärschematismus auswendig und avancierte mit seinen eingebildeten Kameraden in seinem eingebildeten Range . Wenn der hübsche Leutnant Fehse am Hause vorüberritt , da verfehlte Mansuet niemals , dem zweiten Kommis zuzuflüstern : » Sehen Sie , der wäre jetzt mein Subordinierter , wenn ich nämlich gedient hätte , bei den Ulanen nämlich , und zwar im zweiten Regimente . « Die unschwer zu erratenden Absichten seines » Subordinierten « aus allen seinen Kräften zu fördern , empfand Weberlein den lebhaftesten Drang . Und eines schönen Morgens , als Fehse wieder sein Pferd auf dem Platze tummelte , bemerkte sein stiller Gönner , mit einer Hand auf den Schützling deutend und mit der andern dem Prinzipal einen Brief zur Unterschrift vorlegend : » Ansprechendes Exterieur , das des Herrn Leutnants . Scheinen hier einen Punkt der Anziehung gefunden zu haben . « Und als Heißenstein schwieg , fuhr der Kommis mit einem diplomatischen Lächeln fort : » So frei gewesen , über den Herrn Leutnant Erkundigungen einzuziehen . Bei Großhändler Heller . Sind dort täglicher Gast . Gute Referenzen . Sehr ästimiert im Regimente , höchst anständig . « » Kümmert das Sie ? « fragte Herr Heißenstein in wegwerfendem Tone und schob dem Kommis den unterzeichneten Brief hin . Weberlein legte einen zweiten vor und erwiderte : » Sehr viel . Die Anständigkeit des Nebenmenschen kümmert mich immer sehr viel . « » Sie wollen sich vermutlich mit ihm in Verbindung setzen « , bemerkte der Prinzipal spöttisch . Weberlein war einmal entschlossen , kühn zu sein ; er ließ sich nicht irremachen durch die majestätische Ironie Heißensteins . Er dachte : Wetter ! man muß etwas tun für seine Freunde . Ein gutes Wort kann Wunder wirken ; es kann Möglichkeiten ins Auge fassen lassen , die sonst nicht erwogen worden wären . Und so sprach er : » In Verbindung - ich ? - Nur insofern , als ich vermöchte , eine Verbindung mit andern Personen zu vermitteln , die ihm wahrscheinlich erwünschter wäre . « Während dieser letzten Rede hatte der Haudegen seine Augen recht fest auf das Blatt in seiner Hand gerichtet . Jetzt wandte er sie seinem Chef zu . Der saß kerzengerade aufgerichtet und machte eine so eisige Miene , daß Mansuet sich von ihrem Anblick durch und durch erkältet fühlte und hüstelnd , als fröre ihn , seinen Rock zuknöpfte . Heißenstein sah den Kommis von der Seite an , und jede Falte auf seinem Gesichte , jedes Haar seiner emporgezogenen Augenbrauen schien zu sagen : Dieser Mensch wird mich niemals verstehen ! Der Tag verging . Herr Heißenstein kam auffallend früh und in auffallend schlechter Laune zum Abendessen . Die letztere wurde noch vermehrt , als er Rosas Platz am Tische unbesetzt fand . Ein unerquickliches Gespräch entspann sich zwischen dem Herrn und der Frau vom Hause . » Wo ist Rosa ? « » Wie allabendlich bei Heller . « » Wer gab ihr die Erlaubnis ... « » Die nimmt sie wohl selbst . Wer hätte der etwas zu erlauben ? « » Ich ! « schrie Heißenstein . » Du hast doch bis jetzt gegen diese Besuche nichts einzuwenden gehabt « , meinte Frau Nannette . » Von nun an hab ich dagegen einzuwenden « , war des Hausvaters kategorische Antwort , und Bozena erhielt den Befehl , Rosa sofort abzuholen und nach Hause zu bringen . Die Magd gehorchte , und Regel , die inzwischen ihre Suppe ausgelöffelt und ohne das leiseste Geräusch geschleckt hatte , küßte ihren Eltern die Hände , verbeugte sich ehrfurchtsvoll und verließ das Zimmer . Das Ehepaar war allein . Er hatte die » Brünner Zeitung « , sie ihren Strickstrumpf zur Hand genommen . Vor ihm stand eine Flasche Weines , vor ihr ein kleiner Arbeitskorb , in dem das Knäuelchen infolge der unglaublichen Geschwindigkeit , mit der sie strickte , ruhelos umherhüpfte . Die Bewegung dieses Knäuelchens schien Herrn Heißenstein unangenehm zu sein , denn er sah es manchmal über die Zeitung hinweg grimmig an . Eine Atmosphäre des Unbehagens umgab die beiden alten Leute , und Frau Nannette bemühte sich vergeblich , sie zu zerstreuen . Sie lächelte , nickte mit dem Kopfe , sagte von Zeit zu Zeit : » Ja , ja « , und :