, sagt der Wurzentoni , so hätt ' man den Toten finden müssen , und hätt ' ihn der Teufel geholt , so wär ' das Gewand zurückgeblieben , denn das Gewand , sagt der Wurzentoni , ist unschuldig , über das hat der Teufel keine Gewalt , hat keine ! - Ganz was anders ist geschehen , meine Leut ' ! Der Schulmeister - verzaubert hat er sich , und so steigt er unsichtbar Tag und Nacht in Winkelsteg herum - Tag und Nacht , zu jeder Stund ' . Das ist , weil er will wissen , was die Leut ' , in der Heimlichkeit tun und über ihn reden , und weil - - . Ich sag ' nichts Schlechtes über den Schulmeister , ich nicht . Wüßt auch nicht was , bei meiner Treu , wüßt nicht was ! « » Ei , tät der Teufel nicht mehr wissen , wie der schwarz ' Kohlenbrenner , « hüstelte die Stimme hinter dem Ofen , » noch heut ' tät der alt ' Grauschädel die Winkelsteger bei der Nasen herumführen ! « Ein gereizter Löwe könnte nicht wütender aufspringen , als es jetzt der derbe , finstere Wirt tat . Ordentlich stöhnend vor Begier , stürzte er hin in den Ofenwinkel , und dort war ein angstvolles Aufkreischen . Da eilte die Wirtin » Geh , Lazarus , wirst dich scheren mit diesem dummen Schorschel da ! Ist nicht der Müh ' wert , daß du desweg einen Finger krumm tust . Geh , sei fein gescheit , Lazarus ; schau , jetzt hab ' ich dir dort dein Tröpfel hingestellt . « Lazarus ließ nach ; der Schorschl huschte wie ein Pudel zur Tür hinaus . Lazarus hatte Haarlocken in der Faust . Knurrend schritt er gegen den Kasten , auf welchem ihm sein Weib ein Glas Apfelmost gestellt hatte . Fast lechzend , zitternd griff er nach dem Glase , führte es zum Mund und tat einen langen Zug . Dann hielt er starren Auges ein wenig inne , dann setze er wieder an und leerte das Glas bis auf den letzten Tropfen . Das mußte ein fürchterlicher Durst gewesen sein . Langsam sank die Hand mit dem leeren Gefäß nieder ; tief aufatmend glotzte der Wirt vor sich hin . So verging die Zeit , bis die Wirtin zu mir kam und sagte : » Wir haben ein gutes Bett , da oben auf dem Boden ; aber sag ' s dem Herrn fein g ' rad heraus , der Wind hat heut ' ein paar Dachschindeln davongetragen und da tut ' s ein klein wenig durchtröpfeln . Im Schulhaus oben wär ' wohl ein rechtschaffen bequemes Stübel , weil es für den neuen Lehrer schon eingerichtet ist ; und fein zum Heizen wär ' s auch , und wir haben den Schlüssel , weil mein Alter Richter ist und auf das Schulhaus zu schauen hat . Jetzt , wenn sonst der Herr nicht gerade ungern im Schulhaus schläft , so tät ich schon dazu raten . Ei beileib ' , es nicht unheimlich , gar nicht ; es ist fein still und fein sauber . Mich däucht , das ganze Jahr wollt ' ich darin wohnen . « So zog ich das Schulhaus dem Dachboden vor . Und nicht lange nachher geleitete mich ein Küchenmädchen mit der Laterne hinaus in die stockfinstere , regnerische Nacht , den Hütten entlang , an der Kirche hin über den Friedhof , an dessen Rande das Schulhaus stand . Das Rasseln des Schlüssels an der Tür widerhallte im Innern . Im Vorhause war es öde und die Schatten der Laternsäulchen zuckten wie gehetzt an den Wänden hin und her . Da traten wir in ein kleines Zimmer , in dessen Tonofen helle Glut knisterte . Meine Begleiterin stellte ein Licht auf den Tisch , schlug die braune Decke des Bettes über und zog aus dem Wandkasten eine Lade hervor , damit ich meine Sachen dort unterbringe . Da rief sie auf einmal : » Nein , das ist richtig , daß wir uns alle miteinander schämen müssen , jetzt liegen diese Fetzen noch da herum ! « Sofort faßte sie einen Armvoll Papierblätter , wie sie in der Lade wirr herumlagen : Will euch gleich helfen , ihr verzwickelten Wische , in den Ofen steckt ' ich euch ! « » Mußt nicht , mußt nicht , « kam ich dazwischen , » vielleicht sind Dinge dabei , die der neue Lehrer noch brauchen kann . « Verdrießlich warf sie die Blätter wieder in die Lade . Es wäre ihr in ihrer Aufräumungswut sicher eine große Lust gewesen , sie zu verbrennen , wie ja unwissende Leute häufig das Verlangen haben , alles , was ihnen nutzlos dünkt , sogleich zu vernichten . » Der Herr kann des alten Schulmeisters Schlafhauben aufsetzen , « sagte das Mädchen hernach etwas schelmisch und legte eine blaugestreifte Zipfelmütze auf das Kopfkissen des Bettes . Dann gab es mir noch einige Ratschläge wegen der Türschlüssel , sagte : » So , in Gottesnamen , jetzt geh ' ich ! « - und sie ging . Die äußere Tür sperrte sie ab , an der inneren drehte ich den Schlüssel um , und nun war ich allein in der Wohnung des in Verlust geratenen Schulmeisters . Was war das für ein sonderbares Geschick mit diesem Manne , und was waren das für sonderbare Nachreden der Leute ? Und wie verschieden waren diese Nachreden ! Ein guter , vortrefflicher Mann , ein Narr , und gar einer , den zuletzt der Teufel holt ! - Ich sah mich in der Stube um . Da war ein wurmstichiger Tisch und ein brauner Kasten . Da hing eine alte , schwarze Pendeluhr mit völlig erblindetem Zifferblatte , vor welchem der kurze Pendel so emsig hin und her hüpfte , als wollte er nur hastig , hastig aus banger Zeit in eine bessere Zukunft eilen .