kümmerte , wie und wo das Gesinde - hier Gesindel genannt - sich die seltenen freien Stunden vertrieb . So verlebten denn die beiden schöne Tage , bis Jos zur Rekrutenaushebung berufen wurde . Es war im Frühling , und das Lisabethle sank ohnmächtig auf das von ihm eben sorgfältig gejätete Gartenbeet , als zwei Vorübergehende sich das Ergebnis der Losung berichteten . Hier fand sie Jos , der , da er keinen Ersatzmann zu zahlen vermochte , schon dem Kaiser den Eid hatte schwören müssen . Weinend stürzten die beiden sich in die Arme . Lange jammerten sie , dann vergaßen sie noch einmal das Künftige , die ganze Welt und alles . Beim Grauen des anderen Morgens sah das Lisabethle seinen Jos zum letztenmal . Er hatte die Zeit der Rückkehr in seine Heimat nicht mehr erlebt . Zuerst nach der Abreise des Jos war das Mädchen noch stiller und geduldiger als vorher , nur an der Arbeit schien es keine rechte Lust mehr zu haben . Ja einmal , mitten im Heuen , lief es von aller Arbeit weg und sagte nur , es müsse nach Au , um mit dem Doktor zu reden wegen seinem Kopfweh . So etwas war der Wirtin noch nie vorgekommen , wie viele Mägde sie auch schon gehabt hatte . Je öfter sie nachmittags davon redete , desto zorniger wurde sie und desto fester ihr Entschluß , der liederlichen Person noch heute den Abschied zu geben . Dazu aber war es zu spät . Abends erschien statt der erwarteten Magd eine Base von ihr , die sich vor Jahren in Au , der Nachbargemeinde , verheiratet hatte , um Lisabethles Kleider und den Lohn zu holen , da dieses plötzlich ein wenig erkrankt sei und kein Mensch wissen könne , wann es wieder besser werde . Das arme Mädchen wagte nämlich nicht , bei seiner Mutter eine Zuflucht zu suchen . Die jetzt schrecklich fromme Frau , die keinen Hauskrieg fürchtete , wenn sie , der Aufforderung des Pfarrers folgend , wieder eine fromme Stiftung machte , hätte gewiß für das arme gefallene Mädchen kein Herz , sondern nichts als die bittersten Vorwürfe gehabt . Drum blieb es denn beim armen , kinderlosen Vetter in Au in einem Nebenstübchen , wo es sich mit Sticken und Nähen kümmerlich durchbringen mußte , bis der kleine Jos kam und nun manche Stunde des Tages in Anspruch nahm . Auch jetzt noch ging sie nicht in ihr Heimatsdorf zurück , ja jetzt erst recht gar nicht , denn schon der Gedanke an das , was sie in der Kirche , wo sie getauft wurde und die erste Kommunion empfing , erleben müßte , machte sie erbeben und gab ihr auch Kraft zu jeder Anstrengung , jeder Entsagung , daß sie doch keinen Menschen in Au belästigen und dadurch Veranlassung zu ihrer Ausweisung geben müsse . Noch aus frühester Kindheit her konnte sie sich schrecklich lebhaft vorstellen , was ein verführtes Mädchen hatte ausstehen müssen , als es zum erstenmal am Osterfeste , das strenge Kirchengebot erfüllend , den Gottesdienst mit der ihm von dem Gemeindediener angehängten alten Geige zu besuchen wagte . Der Pfarrer ließ die Übung dieses alten Landesbrauchs zu , wenn dabei der Gottesdienst auch durch die rohesten Späße entweiht wurde . Das gab der Dorfjugend den Mut , sich nach der Messe , die kein Mensch auch nur mit einiger Andacht angehört hatte , wie früher ihre Urgroßväter in zwei Reihen vor der Kirche aufzustellen und die schutz- , ehr- und rechtlos gewordene schöne Sünderin , die zwischen ihnen hindurch mußte , mit Kot zu werfen und auf die roheste Weise zu mißhandeln . Freilich war seitdem manches Jahr vergangen . Niemand hatte mehr von der Sache geredet , und vielleicht war endlich dieser alte Brauch vergessen . Vielleicht aber auch nicht . Unbarmherzige Eiferer und rohe Leute gab es ja noch genug , sagte sich das Lisabethle und wagte selbst am Begräbnistag der Mutter nicht mehr die Pfarrkirche zu besuchen . Es war ihr dabei ein großer Trost , daß sie sich in Au überall ohne Erröten sehen lassen durfte . Ihr Unglück und ihr Fleiß hatten ihr hier manches Herz gewonnen . Man betrachtete sie um so eher als zur Gemeinde gehörend , da man es beinahe als Ehrensache empfand , die nicht zu verstoßen , solange sie durch ihr Betragen keine Veranlassung gab , die hier eine Zufluchtsstätte gesucht hatte . Nicht einmal ein Heimatschein wurde ihr abgefordert , und viele freuten sich darüber , daß es ihr gelang , mit dem , was sie vom älteren Bruder als Erbe erhielt , und mit dem , was der verstorbene Soldat ihr zukommen ließ , das Häuschen in Argenau zu kaufen , welches sie noch vor dem Tode ihrer Verwandten bezog und in dem wir sie auch jetzt noch finden . Da , unter eigenem Dache , schlief sie nun wieder viel besser , und auch die Wochen vergingen etwas schneller . Schon viermal hatte sie den Erdäpfelwinkel im engen , niedrigen Keller geleert und ebenso oft die Knollenfrüchte vom Acker heimgebracht auf dem kleinen Handwägelein , in welchem man sonst den etwas verwöhnten Stighans im Dorfe herumzuführen pflegte . Der kleine Jos sprang fröhlich hinten nach , doch sah man es seinen ersten Höschen ganz deutlich an , daß er auf den Knien auflas , was die Mutter herausgegraben hatte . Es war ein flinkes , talentvolles Bürschchen , über das hinweg nun die Mutter wieder zuweilen in die Zukunft zu blicken wagte . Früher hatte sie als Büßerin alles ruhig über sich kommen lassen , was nach ihrer Ansicht der erzürnte Himmelvater schickte , ohne sich zu rühren und zu regen , ja ohne nur einmal zu denken , daß es anders sein könnte oder sollte . Erst die Mutterliebe vermochte sie aus dieser Starrheit zu bringen , das Schreien des hungrigen Kindes sie aus einem schlummerähnlichen Zustande zu wecken und sie von manchem düstern Traume zu