; wenn ich gehe - und vergessen werde ? - Sie barg ihr Gesicht in ihre Hände , der Schmerz gewann wieder eine wohlthätige Herrschaft über die Erbitterung in ihr . Du wirst nicht vergessen werden , kannst nicht vergessen werden ! tröstete der Caplan . Reue und Bedauern werden den Baron an Dich erinnern ; Dank für den Frieden , welchen Deine Entfernung allein ihm in seiner Ehe möglich macht , Neigung und Sorge für den Knaben werden ihn Dir dauernd verbunden halten , und Du ganz allein sollst über Deine Zukunft zu entscheiden haben , in welcher Reue und Buße auch Dich hoffentlich zur Einkehr in Dich selbst , zum Frieden führen werden ! Aber Pauline hatte in ihrer Herzenszerrissenheit seine letzten Worte wieder nicht beachtet , und sich immer nur an das Nächste haltend , rief sie : Meine Zukunft ? Was kümmert mich die ! - und abermals versank sie in ihr Brüten . Der Caplan sah , je länger er mit ihr sprach , es immer deutlicher ein , daß hier mit Einem Schlage nichts auszurichten sei , und daß man ihr Zeit lassen müsse , sich durch Aufregen und Nachdenken zu erweichen und zu ermüden ; denn er hielt sie für einen der Charaktere , welche nur dann zum Nachgeben bewogen werden können , wenn ihre Kraft erschöpft ist . Er erhob sich also , um zu gehen . Ich habe Dir die beiden Wege gezeigt , zwischen denen Du zu wählen hast ! sagte er eindringlich . Deine Entfernung ist nothwendig und darum unabänderlich beschlossen ! An Dir ist es , zu wählen , wozu sie sich für Dich gestalten soll : zu einer Buße und Erhebung , oder zu einer Strafe und neuen Pein ! An Dir ist es , zu wählen ; von Dir allein wird es abhangen , wie der Herr Baron in Zukunft Deiner gedenken soll ! Ueberlege Dir das wohl , ehe Du entscheidest ! Er gab ihr die Hand und ging der Thüre zu . Als er dieselbe bereits geöffnet hatte , fragte Pauline schnell und unerwartet : Hochwürden , ist die Gräfin schön , ist sie sehr schön ? Hast Du nichts Anderes zu denken ? versetzte er , von dieser Wendung ihres Sinnes überrascht . Ist sie schön ? Liebt er sie denn sehr ? wiederholte sie dringend . Der Caplan sah , daß er ihr diese Fragen beantworten müsse . Die Comtesse ist jung und schön und edel , sagte er ; sie verdient die Neigung , welche der Herr Baron ihr zugewendet hat , in vollem Maße . Pauline schwieg darauf . Der Caplan wußte nicht , was in ihr vorging , was er von ihr denken sollte . Er stand zögernd an der Thüre still ; sie stützte sich mit der Hand auf den Tisch . Willst Du sonst nichts weiter ? fragte er nach einem längern Abwarten . Nein ! Nichts ! So lebe wohl ! Leben Sie wohl , Hochwürden ! erwiderte sie ihm mit anscheinender Ruhe , aber gleich darauf wallte das Herz ihr auf , und mit einer Innigkeit des Tones , welche sehr abstach gegen ihre letzten Worte , sagte sie : Hochwürden , kommen Sie wieder ! Mein Unglück ist so groß , so grenzenlos groß , daß ich es nicht begreifen kann ! Sie hielt , als schwindle ihr , die Hände gegen den Kopf und setzte sich nieder . Der Caplan versprach ihr , sie bald wiederzusehen , ermahnte sie nochmals zum Nachdenken , und verließ sie weit besorgter , als er gekommen war . Nun er Pauline kannte , hielt er ihre Entfernung erst vollends für unerläßlich . Bei der Schwäche des Barons , bei der Gewohnheit , welche ihn an sie kettete , war Alles für das Glück seiner Ehe und für den Frieden der jungen Frau zu fürchten , wenn Pauline blieb . Und doch sah er noch nicht ein , wie man sie auf dem Wege der Güte in so wenig Tagen zur Abreise werde bestimmen können , während er wußte , daß der Baron vor jeder offenen Gewaltthätigkeit und Härte zurückschrecken würde , wennschon er es sonst eben nicht scheute , Andere leiden zu machen , sofern ihm selbst nur das persönliche Einschreiten und der Anblick des von ihm erzeugten Leidens erspart blieben . Bei der Abendtafel saßen der Freiherr und der Caplan sich allein gegenüber , denn es waren keine Gäste im Schlosse , weil des Freiherrn Abreise so nahe bevorstand . Der Freiherr sprach von lauter äußerlichen Dingen , obgleich es ihm nicht entging , daß der Caplan sich ernster und stiller zeigte , als gewöhnlich . Indeß er war nicht eilig , die Ursache von dem Nachdenken desselben zu erfahren , und erst als die Dienerschaft sich entfernt hatte und auch jener sich zurückziehen wollte , fragte der Baron ganz beiläufig , ob der Caplan vielleicht schon in Rothenfeld gewesen sei . Dieser bejahte es . Nun , und wie haben Sie Pauline gefunden ? fuhr der Baron in der früheren leichten Unterhaltungsweise fort . Sie war außer sich , nicht wahr ? Ich kenne das an ihr , und eben darum wünschte ich , daß grade Sie mit ihr verhandeln sollten . Haben Sie etwas ausgerichtet ? Der Caplan versetzte , Pauline sei allerdings sehr aufgeregt gewesen , wie das bei einer solchen ersten Unterredung mit einem Manne , der ihr in diesem Falle ein Fremder sei , nicht fehlen könne . Es lasse sich aber eben darum von diesem Zusammentreffen nichts Bestimmtes sagen , man müsse Geduld haben und weiter zusehen . Er hoffe und wünsche , daß man zu einem verständigen Uebereinkommen gelangen werde , weil man kein Mittel sparen dürfe , ein solches zu erreichen . Er sprach dabei nichts Bestimmtes aus ; der Baron war auch sehr zufrieden damit , nichts Näheres hören zu müssen . Er war stets bereit , seine Last auf die Schultern seiner Untergebenen zu laden und