man sich überhaupt mit solcher Wuth befehdet , und es für nichts und wieder nichts gerade genug blaue Augen und rothe Striemen gegeben hatte . Freilich war die Aufregung noch immer groß und der Lärm noch immer laut genug , aber es war das nur die Brandung des Meeres nach dem Sturm - hohe Wellen , deren beste Kraft schon gebrochen ist . Man fluchte und schimpfte , man drohte und prahlte - aber man setzte sich wieder und ertränkte den Rest der Feindseligkeiten in Bier . Die Sorge um Czika hatte bei Oswald den Widerwillen , den ihm unter anderen Umständen diese wüsten Scenen eingeflößt hätten , kaum aufkommen lassen ; glücklicherweise sah er weder sie noch Xenobi in diesem Wirrwarr , aber schon der Gedanke , daß die Beiden in ein solches Pandämonium geschleudert seien , war ihm entsetzlich und befestigte in ihm den Entschluß , sie , es koste , was es wolle , daraus zu erlösen . Er drängte sich durch die Streitenden und Scheltenden , die seiner gar nicht achteten , hindurch , sich bei Diesem , bei Jenem nach der Ursache des Streites und nach der Zigeunerin und ihrem Kinde erkundigend . Niemand hatte Zeit oder Lust , ihm Rede zu stehen , bis er sich endlich zufällig an einen jungen Menschen wandte , der etwas weniger wüst als die übrige Gesellschaft aussah , und der ihm erzählte : es seien ein Paar von der Seiltänzerbande davongelaufen - eine Zigeunerin mit ihrem Kinde - und darüber sei die Schlägerei entstanden . Uebrigens sei der Mann dort , der sich eben das Blut aus dem Gesicht wische und so lebhaft gesticulire , der Director der Truppe und an den möge sich der Herr nur wenden , wenn er noch mehr wissen wolle . Oswald athmete bei diesen Worten des jungen Menschen hoch auf . Xenobi und Czika waren fort , gleichviel wohin , wenn sie nur aus dieser Hölle erlöst waren . Er überlegte einen Augenblick , ob es nicht gerathener sei , umzukehren , ohne sich mit den Seiltänzern weiter einzulassen ; aber das Verlangen , mehr zu erfahren - vielleicht den Ort , wohin sich Xenobi möglicherweise gewendet haben könnte , überwand diese Bedenken und er trat auf die Person zu , welche ihm als der Chef der Gesellschaft bezeichnet war . Herr Director Schmenckel besaß , sobald sich nur der erste Sturm der Leidenschaft gelegt hatte , in einem hohen Grade jene philosophische Resignation , welche sich in das Unvermeidliche mit Würde schickt und zu einem schlechten Spiel möglichst gute Miene macht . Da die Zigeunerin einmal weg war , so konnte er sich durch Lamentiren darüber nur noch lächerlich machen , und einem edlen Charakter ziemt es , zu vergessen und zu vergeben . Er that deshalb , als ob nichts geschehen sei , was er nicht schon längst erwartet hätte . Undankbarkeit ist der Welt Lohn . - Wie gewonnen , so zerronnen . - Heute mir , morgen dir ! - Lassen ' s uns wieder niedersitzen , Ihr Herren - Director Schmenckel läßt sich durch so etwas nicht aus der Fassung bringen - wir haben noch andere Mittel , ein hochgeschätztes Publikum zu unterhalten , und Sie sollen sehen , daß die Vorstellung , die ich morgen mit hoher obrigkeitlicher Bewilligung - was beliebt dem Herrn ? wünschen mich zu sprechen ? steh ' zu Diensten - ein Director muß immer auf dem Platze sein - und Herr Schmenckel folgte Oswald , der ihn um eine Unterredung gebeten hatte , um so lieber , als die Erscheinung eines elegant gekleideten Herrn , welcher es nicht verschmähte , Herrn Schmenckel in der Grünen Mütze aufzusuchen , ein Umstand war , der nicht verfehlen konnte , einiges Aufsehen zu erregen . Was befehlen Euer Gnaden , fragte Herr Schmenckel , als sie draußen waren . Ich wollte Sie bitten , mir womöglich über die Zigeunerin , die , wie ich höre , sich erst heute Abend von Ihrer Gesellschaft entfernt hat , einige Auskunft zu geben , erwiderte Oswald . Herr Schmenckel stutzte ; die Frage kam ihm verdächtig vor ; er warf bei dem trüben Licht der Laterne vor dem Hause einen prüfenden Blick in Oswalds Gesicht und erkannte den Herrn , der die Czika umarmt hatte . Herr Schmenckel wußte nicht recht , was er von dem Interesse , welches der fremde junge Herr an dem hübschen Zigeunerkinde nahm , denken sollte . Hm , sagte er , um Zeit zur Ueberlegung zu gewinnen , weshalb wollen Euer Gnaden das wissen ? Das kann Ihnen gleich sein , antwortete Oswald ; genug , wenn ich die Auskunft , die ich wünsche , nicht umsonst haben will ; und er drückte Herrn Schmenckel einen Thaler in die Hand . Danke , Euer Gnaden , erwiderte Herr Schmenckel , Geld ist unter allen Umständen eine angenehme Sache , indessen möcht ' ich doch gern - Aber ich begreife nicht , weßhalb Sie Anstand nehmen , mir das Wenige , was Sie von der Frau wissen , mitzutheilen . Hm , sagte Herr Schmenckel ; vielleicht ist das , was ich weiß , so wenig nicht . Wenn man Jemand dreizehn Jahre lang in seiner Gesellschaft gehabt hat - Aber ich habe ja die Zigeunerin erst in diesem Sommer auf - gleich viel ! aber weit von hier , und allein getroffen . Wohl möglich , sagte der schlaue Director ; es ist heute Abend nicht das erste Mal , daß mir die Xenobi weggelaufen ist , aber sie ist noch jedesmal wiedergekommen . Seit dreizehn Jahren ! sagte Oswald , dem dieses Mährchen durchaus glaublich schien ; wie alt war denn das Kind , als sie zu Ihnen kam ? Wie alt ? fragte Herr Schmenckel ; ei ! Euer Gnaden , als sie zu mir kam , hatte sie kein Kind - das muß ich am besten wissen . Sie ? sagte Oswald und ein Schauder überlief ihn ,