allein ich will zugleich eine Abhilfe haben . « » Die bringt der Tod , « sagte Levin . - Gräfin Juliane war nunmehr Baronin Stamberg , aber immer dieselbe Juliane . Sie hatte nicht einen Funken von Neigung für ihren Mann . Er schmeichelte ihr über alle maßen ; das war ihr immer angenehm , und da sie fünfzehn Jahre älter als er war , doppelt angenehm . Von seiner zarten Neigung « , wie Gratian sich ausdrückte , war Juliane unterrichtet . Sie hatte nicht versäumt , dem ehemaligen Regimentschef des Barons zu schreiben und sich zu erkundigen , weshalb derselbe entlassen sei . Sie legte aber keinen Wert auf die Antwort , sondern nahm sich vor , ihren Mann so vortrefflich zu erziehen , daß er diese Schwäche überwinden werde . Über das konnte sie ihre Liebhaberei fortsetzen und sich als eine opferfreudige Seele hinstellen , als ein Rettungsengel und Schutzgeist für den jungen Mann . Ihr verletztes Muttergefühl und ihr Mißfallen an den beiden armen Schwiegertöchtern legten nicht das kleinste Gewicht in die Wagschale für Baron Stamberg . Juliane wollte ihren Kindern zeigen , daß sie unbeschränkte Herrin ihres Vermögens sei und daß dieselben sich mit dem Pflichtteil dermaleinst zu begnügen hätten , wenn es ihr gefiele , ihren Mann zum Haupterben einzusetzen . Wie sie es aber halten wolle , darüber schwieg sie . Einstweilen war ihr Mann Herr auf Stamberg , soweit sie es ihm gestattete , das heißt im Pferdestall , im Hundezwinger und auf der Jagd . Vielleicht hätte er sich auch noch den Weinkeller dazu gewünscht ; allein er fühlte sich allzu behaglich in der Befriedigung seiner übrigen Liebhabereien , für welche Juliane glänzend sorgte , um noch andere Ansprüche zu machen . Das Verhältnis zwischen den Söhnen und der Mutter war immer so frostig gewesen , daß es durch ihre zweite Ehe im Grunde gar nicht frostiger werden konnte , umso weniger , als Baron Stamberg ein gutmütiger Mensch war , schwach von Charakter , beschränkt von Verstand , der sich mehr und mehr mit wundersamer Gefügigkeit von Julianen tyrannisieren ließ und von ihren Söhnen weder Aufmerksamkeit noch Freundschaft begehrte , sondern froh war , wenn sie ihn ungestört pirschen gehen ließen . Es wurde also der äußere Anstand stets aufrecht gehalten . Zu Julianens Geburtstag , den sie als Protestantin feierte , machten ihre Söhne stets die Reise nach Stamberg und hielten sich einige Wochen bei ihr auf - nicht ungern , weil er mit der Jagdzeit zusammentraf . Für Walburg und Kunigunde war es aber immer eine schwere Zeit , teils wegen des herben Umganges mit Julianen , teils wegen der Entbehrung des katholischen Gottesdienstes . Nach der nächsten Kirche mußten sie eine Stunde fahren . Die meisten großen Grundbesitzer im Odenwald sind protestantisch ; einige Städtchen katholisch , andere gemischt , andere vorherrschend protestantisch , so daß sich die Schwestern in jeder Beziehung zu Stamberg auf einem fremden Boden fühlten . » Gott ! « seufzte Kunigunde , » wie ist es doch solche Totenstille hier zu Lande in der Morgenfrühe , weil nie eine Glocke zur heiligen Messe ruft . « » Und tagein tagaus kein Ave Maria-Läuten , « sagte Walburg . » Ach , und die Glocken wollte man schon entbehren , wenn man nur irgendwo einen Kirchturm gewahr würde , der sich über dem hochwürdigsten Gut erhebt . Aber da ist keiner weit und breit . Nirgends kann sich das Auge mit seinen Tränen und das Herz mit seiner Trübsal auf einer Kirche ausruhen , welche das heiligste , teuerste Sakrament umschließt , und es ist doch eine wunderbare Erquickung , die man zuweilen aus einem einzigen solchen Blicke schöpft . Ach , die armen Beraubten ! wie sind sie zu beklagen . « » Und nie Nachlaß der Sünden , « sagte Kunigunde , und eine Träne engelhaften Mitleides gab ihrem schönen Auge einen himmlischen Glanz . » Nie die beseligende Gewißheit der Versöhnung mit Gott , die auf keiner Selbstgefälligkeit , keiner Täuschung beruht . Nie Empfang des wahren und wesenhaften Leibes des Herrn , also nie die Vereinigung mit dem liebevollen zärtlichen Gott , der hienieden in uns seine Wohnung nehmen will , um damit den Keim des ewigen Lebens für den Himmel in uns zu legen . O Walburg ! wenn ich all ' die Weltherrlichkeit hier in Stamberg sehe und nirgends ein Kruzifix , nirgends ein Bild der heiligen Gottesmutter , nirgends ein Weihwasserbrünnlein , so jammert mein Herz über diese von Gott abgelöste , leichenhafte Pracht , und ich möchte mich vor der armen Mama auf die Knie werfen und sie anflehen , ein ganz klein wenig an den lieben gekreuzigten Heiland zu denken . « » Dieselbe Empfindung habe ich auch schon gehabt ! « rief Walburg lebhaft . » Sie dauert mich unaussprechlich , die arme Mama ! sie ist so kalt - kalt für uns , kalt für ihren Mann , kalt für ihre Söhne , kalt sogar für meinen kleinen Uriel . Ein kaltes Herz , kann das glücklich sein ? Ach nein , denn es liebt nicht ! Liebe ist warm und innig , denn sie hängt mit dem Herzen Gottes zusammen . « Es war ein gar liebliches Bild , wie sie traulich auf einem kleinen Divan neben einander saßen , die beiden schönen , jungen Frauen , und mit der gedämpften weichen Stimme sprachen , die eine hohe Seelenbildung verriet und wie ihre Augen gleichgiltig über den irdischen Reichtum hinwegschauten und Tränen vergossen über den Mangel an himmlischen Gütern . » Was geht denn hier vor ? « fragte plötzlich Damian , der durch die offene Türe des Vorzimmers unbemerkt eingetreten war . » Gundel in Tränen gebadet , Walburg in Tränen schwimmend . Gab es eine Szene mit der Mama ? Habt Ihr kein Geld für Eure geliebten Bettler ? Hat sich Uriel das Näschen gestoßen ? Was ist geschehen ? « » Nichts von dem allen , lieber