mehr zu untersuchen bleibt als die Weite und die Wölbung des Meeres . Ich begann , durch diese Gefühle und Betrachtungen angeregt , gleichsam als Schlußstein oder Zusammenfassung aller meiner bisherigen Arbeiten die Wissenschaft der Bildung der Erdoberfläche und dadurch vielleicht der Bildung der Erde selber zu betreiben . Nebstdem , daß ich gelegentlich von hohen Stellen aus die Gestaltung der Erdoberfläche genau zeichnete , gleichsam als wäre sie durch einen Spiegel gesehen worden , schaffte ich mir die vorzüglichsten Werke an , welche über diese Wissenschaft handeln , machte mich mit den Vorrichtungen , die man braucht , bekannt , so wie mit der Art ihrer Benützung . Ich betrieb nun diesen Gegenstand mit fortgesetztem Eifer und mit einer strengen Ordnung . Dabei lernte ich auch nach und nach den Himmel kennen , die Gestaltung seiner Erscheinungen und die Verhältnisse seines Wetters . Meine Besuche der Berge hatten nun fast ausschließlich diesen Zweck zu ihrem Inhalte . 3. Die Einkehr Eines Tages ging ich von dem Hochgebirge gegen das Hügelland hinaus . Ich wollte nämlich von einem Gebirgszuge in einen andern übersiedeln und meinen Weg dahin durch einen Teil des offenen Landes nehmen . Jedermann kennt die Vorberge , mit welchen das Hochgebirge gleichsam wie mit einem Übergange gegen das flachere Land ausläuft . Mit Laub- oder Nadelwald bedeckt ziehen sie in angenehmer Färbung dahin , lassen hie und da das blaue Haupt eines Hochberges über sich sehen , sind hie und da von einer leuchtenden Wiese unterbrochen , führen alle Wässer , die das Gebirge liefert , und die gegen das Land hinaus gehen , zwischen sich , zeigen manches Gebäude und manches Kirchlein , und strecken sich nach allen Richtungen , in denen das Gebirge sich abniedert , gegen die bebauteren und bewohnteren Teile hinaus . Als ich von dem Hange dieser Berge herab ging und eine freiere Umsicht gewann , erblickte ich gegen Untergang hin die sanften Wolken eines Gewitters , das sich sachte zu bilden begann und den Himmel umschleierte . Ich schritt rüstig fort , und beobachtete das Zunehmen und Wachsen der Bewölkung . Als ich ziemlich weit hinaus gekommen war , und mich in einem Teile des Landes befand , wo sanfte Hügel mit mäßigen Flächen wechseln , Meierhöfe zerstreut sind , der Obstbau gleichsam in Wäldern sich durch das Land zieht , zwischen dem dunkeln Laube die Kirchtürme schimmern , in den Talfurchen die Bäche rauschen , und überall wegen der größeren Weitung , die das Land gibt , das blaue gezackte Band der Hochgebirge zu erblicken ist , mußte ich auf eine Einkehr denken ; denn das Dorf , in welchem ich Rast halten wollte , war kaum mehr zu erreichen . Das Gewitter war so weit gediehen , daß es in einer Stunde und bei begünstigenden Umständen wohl noch früher ausbrechen konnte . Vor mir hatte ich das Dorf Rohrberg , dessen Kirchturm von der Sonne scharf beschienen über Kirschen-und Weidenbäumen hervorsah . Es lag nur ganz wenig abseits von der Straße . Näher waren zwei Meierhöfe , deren jeder in einer mäßigen Entfernung von der Straße in Wiesen und Feldern prangte . Auch war ein Haus auf einem Hügel , das weder ein Bauerhaus noch irgend ein Wirtschaftsgebäude eines Bürgers zu sein schien , sondern eher dem Landhause eines Städters glich . Ich hatte schon früher wiederholt , wenn ich durch die Gegend kam , das Haus betrachtet , aber ich hatte mich nie näher um dasselbe bekümmert . Jetzt fiel es mir um so mehr auf , weil es der nächste Unterkunftsplatz von meinem Standorte aus war , und weil es mehr Bequemlichkeit als die Meierhöfe zu geben versprach . Dazu gesellte sich ein eigentümlicher Reiz . Es war , da schon ein großer Teil des Landes mit Ausnahme des Rohrberger Kirchturmes im Schatten lag , noch hell beleuchtet und sah mit einladendem , schimmerndem Weiß in das Grau und Blau der Landschaft hinaus . Ich beschloß also , in diesem Hause eine Unterkunft zu suchen . Ich forschte dem zu Folge nach einem Wege , der von der Straße auf den Hügel des Hauses hinaufführen sollte . Nach meiner Kenntnis des Landesgebrauches war es mir nicht schwer , den mit einem Zaune und mit Gebüsch besäumten Weg , der von der Landstraße ab hinauf ging , zu finden . Ich schritt auf demselben empor und kam , wie ich richtig vermutet hatte , vor das Haus . Es war noch immer von der Sonne hell beschienen . Allein , da ich näher vor dasselbe trat , hatte ich einen bewunderungswürdigen Anblick . Das Haus war über und über mit Rosen bedeckt , und wie es in jenem fruchtbaren hügligen Lande ist , daß , wenn einmal etwas blüht , gleich alles mit einander blüht , so war es auch hier die Rosen schienen sich das Wort gegeben zu haben , alle zur selben Zeit aufzubrechen , um das Haus in einen Überwurf der reizendsten Farbe und in eine Wolke der süßesten Gerüche zu hüllen . Wenn ich sage , das Haus sei über und über mit Rosen bedeckt gewesen , so ist das nicht so wortgetreu zu nehmen . Das Haus hatte zwei ziemlich hohe Geschosse . Die Wand des Erdgeschosses war bis zu den Fenstern des oberen Geschosses mit den Rosen bedeckt . Der übrige Teil bis zu dem Dache war frei , und er war das leuchtende weiße Band , welches in die Landschaft hinaus geschaut und mich gewissermaßen herauf gelockt hatte . Die Rosen waren an einem Gitterwerke , das sich vor der Wand des Hauses befand , befestigt . Sie bestanden aus lauter Bäumchen . Es waren winzige darunter , deren Blätter gleich über der Erde begannen , dann höhere , deren Stämmchen über die ersten empor ragten , und so fort , bis die letzten mit ihren Zweigen in die Fenster des oberen Geschosses hinein sahen . Die Pflanzen waren so verteilt und gehegt , Daß nirgends eine Lücke entstand , und