in der Champagne in dem Regiment Weimar-Kürassiere , bis der Herzog von Braunschweig und die Preußen und alle retirieren mußten durch Dreck und Regen . Kam ich zurück auf Urlaub , stellte mein Pferd ab im Goldenen Hirschen , putzte den Staub von den hohen Stiefeln , rieb den Harnisch so blank als möglich , setzte den Dreimaster verwegen aufs Ohr und faßte mir ein Herz - war ich nicht Wachtmeister in der sechsten Schwadron ? - , meinen heimlichen Schatz zu bitten um seine hübsche , weiße Hand . Sahen mich die Leute so sonderbar an , als ich durch das Dorf schritt dem kleinen Häusel zu , wo mein Schatz wohnte , und begegnete mir auch der Kastellan vom Schloß , der mich nicht leiden konnte , und grinste er mich so höhnisch an , daß ich den Pallasch fester faßte und einen welschen Fluch brummte . Ahnte ich aber nichts und schob alles auf die Verwunderung über mein martialisch Ansehen und schritt mit einem Herzen , das halb freudig , halb furchtsam klopfte , der kleinen Türe in dem Zaune zu , der das Ralffsche Haus umgab . Hörte ich aus dem kleinen Stübchen eine Stimme singen , die mir gar fremd und doch gar bekannt vorkam . Sang die Stimme immer nur den Anfang eines alten Liedes : Es trägt mein Lieb ein schwarzes Kleid , Darunter trägt sie groß Herzenleid In ihren jungen Tagen ... Nahm ich den Hut ab und trat in die Hausflur . Grüß Gott , Jungfer Lieschen , bin zurück aus Franzosenland - wollte ich sagen , sprach aber kein Wort , sondern fiel mir der Hut zur Erde , und mußte ich mich am Pfosten halten , um nicht selbst zu fallen . Da saß ein bleiches Wesen mit eingefallenen Wangen im Winkel , hatte die Hände im Schoß gefaltet und zitterte , als ob ein heftiger Frost es schüttle . " Luise , Luise ! " schrie ich auf , in die Knie vor ihr stürzend , in unmenschlicher Angst . Die Gestalt erhob sich , kam schwankend auf mich zu und sagte , indem sie mit eiskalter Hand mir über die Stirn strich : " Ei , mein schön ' s Lieb , bist zurück aus fremdem Land ? Hab lange auf dich gewartet , mein blankes Herz ! " Schlug mir das Herz , daß mir der Harnisch zu springen drohte , den betastete sie , und über dessen Glanz schien sie sich zu freuen . Was weiter vorging , weiß ich nicht ; noch eine Zeitlang hörte ich den Gesang wie aus weiter Ferne : Es trägt mein Lieb ein schwarzes Kleid , Darunter trägt sie groß Herzenleid - dann vergingen mir die Sinne ; - das war meine Heimkehr aus dem Franzosenkrieg . Ich erwachte am Abend in meinem eigenen Häuschen , das ich vermietet hatte , und die alte Frau , die damals drinnen wohnte , saß neben mir . Glaubte ich geträumt zu haben - einen bösen , bösen Traum ; besann mich erst allmählich wieder , und fügte es Gott , daß ich weinen konnte . Erzählte mir die gute Frau den Eingang und Ausgang des Leidens , und schaute ich nach meinen Pistolen , den bübischen Grafen hinzuschicken vor Gottes Richterstuhl , erfuhr ich aber , daß er auf und davon sei in ferne Länder ; habe es ihn nicht mehr rasten und ruhen lassen , und sei er auf einmal spurlos verschwunden gewesen , ohne über sein Verbleiben etwas zu hinterlassen ... Und hat ihn Gott davor behütet , uns vor die Augen zu kommen , fiel mein Oheim mit abgewandtem Gesicht ein . Schrieb ich dem Andreas am andern Morgen das Geschehene , denn er wußte noch nichts davon ; es war ein feiges Volk , so ihm auf vier Meilen Weges nichts vermeldet hatte . Der Kranke im Bett stöhnte , als ob ihm das Herz zerbreche , während ich schwindelnd und wortlos dasaß ... Verkauften wir unsere Liegenschaften und brachten wir die Luise und die , Franz , ihr kleines Kind , hierher in den grünen Wald , allwo uns des Fürsten Durchlaucht einen Unterschlupf gab . Die Luise war immer still vor sich hin und ward immer stiller ; sie sang nicht mehr ihre alten Liederverse und saß am liebsten in der Sonne und hielt ihre armen magern Finger gegen das Sonnenlicht . Dann lachte sie wohl und sagte : " Noch immer - noch immer - wie es rinnt , rinnt ! " Und eines Morgens - - - Ja , wie war ' s denn , was ich einmal im Franzosenland von einem den Offizieren vorlesen hörte , als ich Wache vor dem Zelt stand . Ich glaube . Herr Goethe oder so nannten sie ihn , der es las ( er zog mit des Herzogs Durchlaucht ) , und es handelte von einer dänischen Prinzessin , die wahnsinnig wurde , weil ihr Liebster sich wahnsinnig gestellt hatte ... Bleib bei der Stange , Burchhard , rief mein Oheim plötzlich , sich aufrichtend - eines Morgens lag sie am Rande des Hungerteiches ertrunken im Wasser ! Laut aufschreiend stürzte ich auf die Knie und verbarg den Kopf in dem Kissen des alten sterbenden Mannes . Dieser saß jetzt auf den Ellenbogen gelehnt aufrecht , unterstützt von der weinenden Waldgrete , seine Augen funkelten ; er legte mir die Hand auf den Kopf und sagte leise : Er war jünger als Burchhard und ich ; er wird leben - - such ihn ! Damit sank er erschöpft zurück , während ich betäubt liegenblieb . Endlich legte mir der alte Burchhard die Hand auf die Schulter und führte mich hinaus . Ich will dir ein Wahrzeichen geben , sagte er , als wir unter den grünen Bäumen waren , die auf jene Tragödie ebenso grün und lustig herabgesehen hatten . Wieder einmal folgte ich dem Laufe des Baches durch die freudige Wildnis . Mit welchen Gefühlen