sei Dank , daß wir der Beantwortung dieser Frage durch die Weisheit unserer Staatsmänner überhoben sind , welche es nicht dahin kommen lassen werden , daß der Degen des großen Friedrich aus der Gruft geholt wird , um mit dem Degen des großen Mannes sich zu kreuzen , und die es nicht dulden werden , daß die beiden ruhmwürdigen und erleuchteten Nationen in andern Streit gerathen , als den , aus welchem für die Civilisation die schönsten Früchte entspringen . Wozu also dieser Dispüt , der uns nichts angeht ? Die weisen und humanen Männer , denen unsere Regierung anvertraut ist , werden immer für unser Bestes sorgen , und was sie ersinnen , ist gut und wird zu unsrer Aller Ruhe beitragen . « Fünftes Kapitel . Der vornehme Gast . Der Grund dieser seltsamen Anrede war , daß der Wirth in dem Augenblicke den Gast in der Thür bemerkt hatte , welcher vorhin mit der Lorgnette die Gesellschaft musterte und jetzt mit einer raschen Vorwärtsbewegung den nächsten Gruppen zueilte . Und doch schien er , als der Geheimrath Bovillard ihn im Vorübergehen mit einem freundlichen Händedruck begrüßte , von dieser unerwarteten Gegenwart nicht wenig überrascht und erschreckt . » Mesdames - Messieurs ! « sagte der wirkliche Geheimrath mit einer verbindlichen Neigung gegen den Spieltisch , » ich hoffe , daß sich Niemand derangiren lässt , « und war durch die nächste Gruppe , auch durch eine zweite und dritte , ohne sich um die Personen zu kümmern , geeilt , bis er die Wirthin fand , deren Hand er an die Lippen führte , und seine verspätete Erscheinung mit vielen schmeichlerischen Worten und einer höchst wichtigen Konferenz entschuldigte . Es war ein Funke in die Gesellschaft gefahren , die zu ermatten anfing ; und der Funke hatte gezündet . Einen liebenswürdigeren , einen freundlicheren Mann , als diesen vornehmen Gast , konnte man sich nicht denken . Wie wusste er Jedem , der ihm vorgestellt ward , etwas Angenehmes zu sagen , wie wandte er sich mit Theilnahme und Herablassung zu ganz unbedeutenden Personen . Für Jeden hatte er ein verbindliches Wort . Die Tasse in der einen Hand , den Biscuit in der andern , wie gerieth er plötzlich ins Feuer und erzählte mit hinreißender Lebendigkeit irgend ein gleichgültiges Ereigniß , das er am Hofe erlebt . Der subalterne Zuhörerkreis war in Entzücken über die Vertraulichkeit eines so hochgestellten Mannes . Ebenso plötzlich konnte er freilich einen Andern am Arm ergreifen , und ohne sich zu kümmern um Die , welche er eben an seine Fersen gebannt und um sich als Trabanten gezaubert , ihn mit einem : à propos wissen Sie schon ? beiseit ziehen . Er flüsterte ihm etwas ins Ohr , er setzte die Tasse fort , die Hand vor dem Munde sprach er noch leiser , aber mit faunischem Lächeln ; nein , er lächelte nicht mehr , er lachte , er kicherte , wenn sich das für einen wirklichen Geheimrath geschickt hätte . Der Andere natürlich lächelte auch , er lachte , er versuchte zu kichern . Die Lorgnette am Auge , und das Gesicht halb über die Schulter gewandt , konnte man glauben , daß er nach dem Gegenstande suche , den sein beißender Witz eben getroffen . Aber er lorgnettirte nur ein hübsches Gesicht und sprach seine Admiration aus , daß die Kleine , die er nannte , sich so ausgewachsen ; er hätte es nicht erwartet . Wenn man ihm bescheiden bemerkte , daß er die Personen verwechsele , fand er sich nicht in Verlegenheit , sondern stellte das Paradoxon auf : die Liebe solle zwar nicht wechseln , aber alle wahre Liebe bestände aus Verwechseln : » Unsere Phantasie schafft sich ein Ideal . Das lieben wir . Je öfter wir nun in einer beauté dies Ideal wiederzufinden glauben , um so glücklicher sind wir , und um so mehr Andere beglücken wir . Nicht wahr , Herr Geheimrath , die Fabel vom Amphitryo ist das Chef d ' Oeuvre in der Mythologie ? « Der in den Kreis getretene Geheimrath war nicht allein ein ernsthafter Mann , sondern er stand auf einer amtlichen Stufe die der eines wirklichen sehr nahe kam . Es hatte sich die Nachricht in der Gesellschaft verbreitet , daß ein Kourier , der heut Nachmittag wichtige Nachrichten gebracht , den Geheimrath so lange zurückgehalten . Er glaubte ein Recht zu haben , sich bei diesem danach zu erkundigen . » Bester Freund , « sagte letzterer in der Fensternische , wohin sie sich zurückgezogen , » wann verging ein Tag , wo nicht ein Kourier an einen Minister kam , und wenn ich ihre Wichtigkeit , nämlich unserer Minister , danach abwägen sollte , so wüsste ich wirklich nicht , wo vor Respekt bleiben . - Aber Gott weiß , mich hat nie danach gelüstet , ihre Geheimnisse früher zu erfahren , als sie an den Tag kamen . Denn was hilft mir ' s , ob der Kurfürst von Hessen seiner jüngsten Maitresse einen so kostbaren Hut geschenkt hat , daß die nächstältere darüber in einen Wuthkrampf verfallen ist . Oder wenn die Fetzen des heiligen Römischen Reichs sich darüber streiten , ob der Professor Fichte ein Deist ist oder keiner ? Und diese Bagatellen , Sie glauben nicht , wie man uns damit überschüttet . Diese Geschichte mit « .... ... er flüsterte einen Namen , » Sie kennen sie doch ? der halbe Mulatte aus Holland , - wie hieß er doch gleich ! - ließ ihm auf dem Sopha zwei Rollen , jede mit hundert Friedrichsd ' or , zurück . Als unser Freund es sah , rief er ihn zurück : Sie haben etwas vergessen ! Unterstehen Sie sich nicht , mir noch einmal vor die Augen zu treten . Konnte der Graf nobler handeln ? - Eine Woche darauf kommt der Baron , der in Batavia , wie Sie wissen , einmal Gouverneur war , zu