während der Saison die Aufmerksamkeit vieler stattlichen Cavaliere auf sich gezogen , und da sie glänzend lebte , war sie sogar eine von den Damen geworden , welche den Ton in der Gesellschaft angaben . Eines Morgens war der Graf plötzlich verschwunden , und die trauernde Gattinn blieb allein zurück , ohne Geldmittel dem allgemeinen Hohn preisgegeben . Doch die Pseudo-Gräfinn faßte sich kurz , verkaufte ihre Juwelen und kostbaren Gewänder , und erstand für das daraus erlöste Geld die Meierei Wiesenthal , die gerade zum Verkauf ausgeboten wurde . Hier lebte sie nun schon seit 10 Jahren still und zurückgezogen von der übrigen Welt - eine echte Philosophinn , ruhig weiter , bis sie , durch die vielen Fremden , die dort eifrig die Gegend durchstreifen , vielfältig dazu aufgefordert , ihr kleines Eldorado zu einem öffentlichen Lustort umschuf . Zu den schwächsten Seiten dieser Frau gehörte eine große Schwatzhaftigkeit , die besonders mit vielem Behagen bei den Thaten ihrer Jugend , und all ' den Eroberungen , die sie gemacht , verweilte . Die jungen Herren , die namentlich in diesem Sommer sehr häufig zu ihr herauskamen , hatten diese Schwäche bald bemerkt , hörten mit übergroßer Geduld Stundenlang den Erzählungen ihrer Erlebnisse zu , bis es ihnen gelang , ganz unvermerkt die Rede auf die jetzige Einwohnerin der Meierei , die Madame Oburn , zu bringen . So hatten sie glücklich entdeckt , daß die junge Frau sehr unglücklich sein müsse , daß sie viel , viel weine , und ihr Mann in einigen Tagen erwartet werde , um seine Gemahlinn zurück zu holen . Diese Notizen genügten den neugierigen Forschern , um selbstgefällige Hoffnungen und Folgerungen daran zu knüpfen , wie es junge Männer immer thun , wenn sie von einer unglücklichen Ehe hören . Es war schon spät am Morgen , als Madame Oburn nach jener Ballnacht erwachte . Ihr fieberhaft geröthetes Antlitz , ihr wogender Busen , zeugten von keiner süß durchträumten Nacht . Im Zimmer war es unerträglich schwül ; rasch zog sie die grün seidenen Vorhänge zurück , öffnete das Fenster , und sah , ungenirt , noch im weißen Nachtkleide und Schlafhäubchen , in den blühenden Garten hinaus . Der frische , von Blumenduft durchwehte Morgen that ihr unendlich wohl , die Brust athmete geregelter ; die unnatürliche Röthe wich ihrer gewöhnlichen , gesunden Farbe . Heiter , wie ein Kind , schlug sie die tiefinnigen Augen bald zum Himmelsgewölk auf ; bald ließ sie den Blick auf einer durch die Nacht erschlossenen Blume haften . Da plötzlich schrack sie sichtbar zusammen : sie erblickte den Prinzen C * * , der höchst leutselig im eifrigen Gespräch mit Frau Meier , im Hauptgang des Gartens auf und ab promenirte . Wie ein gescheuchtes Reh sprang sie vom Fenster , und zog sich in die entfernteste Ecke des Zimmers zurück . Der gestrige , bewegte Abend , den sie noch vor wenigen Minuten , wie einen bangen Traum ansah , stand lebendig vor ihr ; verworrene Ahnungen eines nahen und großen Unheils ergriffen sie ; und als wollte sie dem eigenen , dunklen Verhängniß entfliehen , vertiefte sie sich in die Lektüre der » Indiana . « Während sie andächtig alle Empfindungen und Leidenschaften nachfühlte , die in diesem Buche so hinreißend geschildert sind ; während sie in dem Geschick der » Indiana « das Walten derselben Mächte erkannte , die ihre Gegenwart beherrschten und mehr noch ihrer Zukunft verhängnißvoll zu werden drohten : wurden in dem Nebenzimmer , mit geschäftiger Hast , die Waffen geschmiedet zu ihrem Verderben . Das dicke , morchelartige Gesicht der Frau Meier strahlte vor Wonne und Glück . Geschäftig lief sie hin und her , blieb dann vor ihrem Schenkmädchen , einer verschmitzten Wienerin , stehen , und sprach mit Mund und Händen : » Therese ! Schnell ! Spute Dich ! Prinz C * * wollen höchsteigen heute Mittag hier speisen . Schlachte die Hühnel , pflücke Schoten , oder rühr ' lieber erst die Mehlspeise ein ! Nur rasch , rasch , Mädchen ! Wir haben wenig Zeit , und der Prinz wird viele Gerichte essen wollen . Gott , « fuhr sie mit komischem Pathos fort , » ist das ein liebenswürdiger Prinz ! Therese , denke nur ! Se . Durchlaucht haben lange mit mir gesprochen , und finden alles so schön bei mir , daß Sie hier häufig diniren wollen ! Das ist noch ein Prinz , so familiair , so leutselig ; an dem sollten alle Kavaliere sich ein Muster nehmen ! Es ist recht schade , meinen der Prinz , daß mein Logis schon vermiethet ist , sonst würden Sie es gern bewohnen ; doch vertreiben wollen Sie die Oburn nicht , um keinen Preis ! Nun , das ist wahr , sie zahlt auch gute Miethe - doch , nicht wahr , Therese , schöner würde es klingen , Prinz C * * nebst Gefolge logiren im Wiesenthal , als Madame Oburn nebst Dienerschaft . Doch es ist nun einmal so ; und weil es dem Prinzen hier gar so sehr gefällt , und er doch inkognito leben will , so habe ich ihm mein eigenes Wohnzimmer abgetreten . Therese ! Ich verbiete Dir , darüber zu sprechen , am wenigsten mit der zimperlichen Jungfer Lisette ; denn wenn die Oburn das erführe , wäre sie im Stande , gleich abzureisen . Bei Tage wollen Se . Durchlaucht auch gar nicht hier sein ; nur des Nachts , um hier ruhiger zu schlafen , als in der geräuschvollen Stadt . So kann es auch Niemand erfahren . Wenn Du klug bist und schweigst , haben Dir der Prinz 3 Friedrichsd ' or Trinkgeld versprochen ; - danach richte Dich , Mädchen ! « Mit einer sehr bezeichnenden Pantomime gelobte die würdige Gehülfinn der Frau Meier Verschwiegenheit ; und beide fuhren eifrig in ihrem Gespräche fort . Ganz vertieft in dasselbe , hatten sie die leisen Fußtritte eines Mannes