Leben im Aeußern für ihn aufgegangen . Er war ein andrer Mensch geworden . Er huldigte jeder Modethorheit , jeder Grille , die in ihm aufstieg - er war heute der dienstbare Sklave irgend einer schönen Frau , um sich morgen über sie lustig zu machen . Er ließ heute wirklich sein Herz und seine Sinne von irgend einer blendenden , weiblichen Erscheinung verführen , und morgen stand sie wieder vor ihm all ' dieses Glanzes bar , den seine Phantasie um sie gewoben , und er wandte sich mit bitterm Lächeln ab . Er redete sich heute selbst ein , zu lieben und selig zu sein , wenn ein schönes Weib die Arme berauscht und berauschend um ihn schlang - aber morgen verhöhnte er das eigne Gefühl und lös ' te zürnend das raschgeknüpfte Band . Er achtete nicht darauf , daß wohl viel Thränen still um ihn flossen , daß manche Wange bleich ward , die er einst geküßt - er hatte längst aufgehört , an das weibliche Herz zu glauben , was galten ihm da noch weibliche Thränen , Seufzer und Worte ? - Und sein eignes Herz blieb so leer und öde , wie eine Wüste , so hatte er ja das weibliche genannt . Er dachte nicht mehr an Amalien , die Erinnerung an sie war verloren . Nicht um den Gedanken an sie zu entfliehen , führte er ein zerstreuendes Leben - ihr Bild erschien ihm schon lange niche mehr , sondern nur um die Leere seines Innern in den Augenblicken auszufüllen , wo er diese Leere am drückendsten fühlte , und jeder solcher Versuch zeigte ihm doch nur , welche vergebliche Mühe es war , ihn zu machen . - Er war noch Schriftsteller , und jetzt glücklich : er brauchte nicht mehr für Geld zu schreiben - diesen ungeheuern Fluch hatte ja der Reichthum von ihm genommen ; er konnte schreiben , was der Geist ihm eingab , und er that es . In solchen Stunden war ihm dann am wohlsten . Aber seine Anonymität behauptend , war er zu der Gesammtliteratur in eine ziemlich schiefe Stellung gekommen . Seine Ansichten und Aussprüche machten ihm viele Freunde , und erwarben seinem angenommenen Namen Anerkennung - aber er war und blieb allein , da er sich eben nicht selbst dazu bekannte , der Träger dieses Namens zu sein . Nicht die warmen , ehrlichen Herzen , die mit ihm zugleich schlugen , und auf dem Tummelplatz der Journale kämpften für Freiheit und Recht , waren seine Gefährten , sondern jene vornehmen , blasirten Stutzer mit prunkenden Titeln und hohen Namen , deren Augen nicht weiter reichten , als bis in die goldumrahmten Spiegel geschmückter Salons , und denen die wirkliche große Welt , die über und außer ihrer sogenannten großen Welt lag , ein unbekanntes Reich war . Mit einigen von ihnen theilte Jaromir ein gemeinschaftliches Interesse : das Theater . Während jene aber zumeist die Operngucker auf die verführerischen Bewegungen der Ballettänzerinnen richteten , saß Jaromir sinnend im Schauspiel , im Lustspiel , in der Oper , und war ein aufmerksamer , kritischer Beobachter , ob die Darsteller ihre Rollen richtig auffaßten , ob sie ihre schwierigen Aufgaben lös ' ten . Er hatte in dieser Zeit eine förmliche Leidenschaft für das Theater , für die Kunst , und ließ es dann an öffentlichen oder privaten Aufmunterungen oder Zurechtweisungen nicht fehlen , wo ihm dies der Mühe werth schien . In der Rolle der Norma sah er Bella zuerst , und noch nie hatte er gesehen , wie diese Rolle , welche alle Leidenschaften und Gefühle des weiblichen Herzens zur Anschauung bringt , so vollkommen dargestellt würde . Gesungen hatten wohl schon Andere diese Arien und Recitative eben so gut - aber Keine mit seelenvollerer Stimme , Keine hatte das Hochtragische in dieser Rolle so edel und richtig aufgefaßt , als Bella . Ihre schöne Gestalt , ihre anmuthigen Züge waren es nicht , was Jaromir zu ihr hinzog , sondern das große Künstlertalent , das ihn einen verwandten Genius , eine der seinen verwandte Begeisterung für die Kunst ahnen ließ . - Er mußte sich ihr nähern , aber es war nicht leicht , Zutritt bei Bella zu finden - sie war noch unvermählt , und lebte unter dem Schutze einer alten Verwandten , ziemlich eingezogen , und wußte ihre Schmeichler und Bewunderer immer in gehöriger Entfernung zu halten . Endlich aber , da Jaromir erst unter seinem Dichternamen einen Briefwechsel über ihre Kunst mit ihr angeknüpft hatte , nahm sie seinen Besuch an . Es währte nicht lange und Jaromir galt als Bella ' s Liebhaber . Eine Zeit lang war dieses Verhältniß eine Quelle reinen Glückes für Beide - aber bald bemerkte er , wie er sich getäuscht hatte , wenn er geglaubt , daß Bella ' s Dienst am Altare ihrer Kunst der einer Priesterin sei , welche in edler Begeisterung auf demselben Alles opferte . Es war wahr , Bella liebte ihre Kunst , sie weihte sich ihr mit Eifer und that sich selten in einer Rolle genug , denn sie hatte ihren großen Beruf begriffen - aber deshalb war sie nicht frei von jenem trotzigen Eigenwillen , jenen kleinlichen Ränken , mit denen Publikum und Theaterdirection sich so oft zum Besten haben lassen müssen . Der Weihrauch , den die enthusiastischen Berliner ihr streuten , verfehlte seine unheilvolle Wirkung nicht , sie ward eitler , stolzer , zugleich auch leichtfertiger und trotziger , als sie je gewesen war , und endlich überwarf sie sich in hochmüthiger Laune mit der Theaterintendanz , und vertauschte sofort Berlin mit der kleineren Residenz , in welcher sie jetzt lebte . Jaromir , obwohl er sie nicht mehr wirklich verehrte , wie einst , war doch noch zu sehr durch Hundert Bande zärtlicher Gewohnheit an sie gefesselt , als daß ihm Berlin ohne sie nicht bald hätte verödet sein sollen . Er folgte ihr also nach wenig Wochen in ihren neuen