, dann streckte es seinen Schnabel in die Höh , und Herren und Damen von besonderer Affektion gegeneinander ; bald zerstreuten sie sich auf der Promenade , und plötzlich stand der rote Kammerherr hinter uns auf dem Gang . Die Tonie entsetzte sich und ging ins Zimmer , ich aber war gar nicht erschrocken und fragte , was er wünsche ; er war verlegen und sagte , er wünschte der Dame Bekanntschaft zu machen ; ich fragte : » Warum werden Sie denn so rot ? « Er ward noch roter und wollte mich bei der Hand nehmen , ich sagte : » Nein ! « und ging ins Zimmer , er drängte sich mir nach , ich rief : » Tonie , helf mir den Mann bezwingen ! « Sie war aber so voll Angst , daß sie sich nicht vom Platz regte , denk Dir nur , und ich lehnte mich mit aller Gewalt wider die Tür und der rote Mann dazwischen , der durch wollte ; ich rief : » Tonie , zieh an der Schelle ! « Denn unsre Bedienten waren alle noch am Packwagen beschäftigt , aber die Tonie fand den Schellenzug nicht ; - der unartige Mann , immer wollte er doch noch herein , wo er doch sah , daß man ihn nicht wollte , ich konnt gar nicht begreifen , was er wollte , ich dachte einen Augenblick , er wolle uns umbringen , ich erwischte einen Sonnenschirm , der an der Tür stand , und stach mit dem nach seiner Lunge oder Leber , ich weiß nicht - er zog sich zurück und die Türe fiel ins Schloß , da stand ich wie einer , der über Berg und Tal gejagt war von einem Gespenst , ich konnte eine Viertelstunde keinen Atem kriegen ; ich dachte wirklich , er sei ein Mörder , ich hatte schon allerlei Anschläge im Kopf , wie ich ihn erwürgen wollte . Die Tonie lachte und sagte : » Geh doch , ein Kammerherr und ein Mörder ! « Sie meinte , er sei nur ein boshafter und gemeiner Schelm , wie ' s deren am Hof die meisten seien . - Wir haben aber den Bedienten die Nacht vor der Schlafzimmertür schlafen lassen und die Lisette zu uns ins Zimmer genommen , ich konnte aber die ganze Nacht nicht schlafen , mich störte es , daß der Diener vor der Tür lag . Es ist doch zum erstenmal in meinem Leben , daß ich Angst hatte , aber denk doch nur , am andern Tag meldet uns der Bediente den roten Herrn , er komme von der Fr . Kurprinzessin mit einem Auftrag und ließ sehr bitten , ihn anzunehmen , ich rufe , nein ! Wir wollen von keiner Kurprinzessin was wissen , die Tonie aber sagt , das geht nicht an , wir müssen ihn annehmen . Ich bewaffnete mich mit dem Sonnenschirm , als er eintrat und uns zur Frau Kurprinzessin zum Tee auf die Terrasse einlud , zugleich machte er viele Entschuldigungen , er habe gar nicht geahnt , wer wir seien , weil wir in Hemdsärmel im Fenster gelegen haben ; ich war still , aber ich war sehr ergrimmt über den roten Mann . Als wir bei der Kurprinzessin vorgestellt waren , die mich bei der Hand nahm und ins Gesicht küßte , da saßen wir alle in einem Kreis , und der Rote stellte sich hinter mich , daß ich seinen Atem fühlte , das kränkte mich sehr , ich sagte : » Gehen Sie fort hinter mir , Sie garstiger Mann ! « Da lief er weg , aber die Tonie sah mich sehr ernsthaft an , und wie wir wieder oben waren , da schmälte sie , daß ich so laut gesprochen habe , das ist mir aber einerlei , ich kann ihn nicht in meiner Nähe leiden , was liegt mir dran , ob ' s die Kurprinzessin merkt , wenn sie frägt , so sag ich , er hat uns wollen ermorden in unserem Zimmer , und dann kann er sich nachher verteidigen , wenn ' s nicht wahr ist , und kann sagen , warum er uns so mörderischerweise angefallen hat . - Die Tonie will auch nicht , daß ich abends allein spazieren gehe , sie sagt , der Kammerherr könnte mir begegnen , so muß ich immer einen hinter mir dreinlaufen haben . - Es ist nichts schöner als so ein Spaziergang im Nebel , mit dem sich , wenn die Nacht kommt , alle Schluchten füllen und in tausenderlei Gestalten im Tal herumtanzt und an den Felsen hinauf . - Aber einen hinter mir dreinlaufen zu haben , das ist mir verdrießlich . - Ich kann nicht dichten wie Du , Günderode , aber ich kann sprechen mit der Natur , wenn ich allein mit ihr bin , aber es darf niemand hinter mir sein , denn grad das Alleinsein macht , daß ich mit ihr bin . Auf der grünen Burg im Graben , im Nachttau , da war es auch schön mit Dir , es sind mir meine liebsten Stunden von meinem ganzen Leben , und so wie ich zurückkomm , so wollen wir noch acht Tage zusammen dort wohnen , da stellen wir unsere Betten dicht nebeneinander und plaudern die ganze Nacht zusammen ; und dann geht als der Wind und klappert in dem rappeligen Dach , und dann kommen die Mäuschen und saufen uns das Öl aus der Lampe , und wir beiden Philosophen halten , von diesen Zwischenszenen lieblich unterbrochen , große tiefsinnige Spekulationen , wovon die alte Welt in ihren eingerosteten Angeln kracht , wenn sie sich nicht gar umdreht davon . - Weißt Du was , Du bist der Platon , und Du bist dort auf die Burg verbannt , und ich bin Dein liebster Freund und Schüler Dion , wir lieben uns zärtlich und lassen das Leben füreinander , wenn ' s