ein stehender Zug seines Temperaments geworden , und zu einer Art schmerzlicher Resignation ausgeartet , die ans Beleidigende gränzt . Alles läßt er geschehen . Er selbst bestimmt nichts , als daß er Emma sogleich nach der Trauung auf eine Ausflucht in die Schweiz entführt . Denn nur darin , wovon er gewiß sein kann , daß es mir wehe thut , in dem allein ist er fest , und mit so viel abweisender Kälte unerschütterlich , daß ich aus Erbitterung schweige . Er übersieht meine Unzufriedenheit , wie er denn überhaupt auch Weniges zu sehen scheint , und in schwärmerische Träume versunken , vor dem wirklichen Leben zurücktritt . Die glänzenden Brautgeschenke , so blendend in ihrer Art , als geschmackvoll in der Wahl , läßt er in Emma ' s Zimmer tragen , ohne auch nur durch ein Wort seinen Antheil daran zu verrathen . Als das überraschte Kind ihm danken wollte , lächelte er , auf seine schwermüthige Weise , indem er halb spöttisch , halb mitleidig mit sich selber , sagte : » Ich habe kein anderes Verdienst bei der Sache , als daß ich des Oheims Befehle erfülle , indem ich Ihnen seine Gaben bringe . Von mir , fügte er hinzu , die Hand der Braut inniger als sonst wohl drückend , besitzen Sie nichts , als diesen schmalen kleinen Ring , zu dessen Anschaffung meines Vaters Erbe mir die dürftigen Mittel bot . - Wollen Sie mir indeß , lächelte er angenehm , einen Antheil an den Gaben des Reichthums gönnen , so sei es dieser : Ihre Freude darüber mitzuempfinden . « Emma sieht nur das Liebenswürdige an ihm , was sie verletzen sollte , ist für sie nicht da . Soll ich nun noch zweifeln , daß sie blind sei ? Sie wissen , ich habe diese Heirath nur gelitten , nicht gewünscht , noch weniger gesucht , und ohne die Dazwischenkunft der vermittelnden Sophie , wäre die damalige Stockung bei Ihres Neffen Werbung , wohl ein ewiges Hinderniß jeder denkbaren Annäherung zwischen ihm und mir geblieben . Sie haben dies Hinderniß vielleicht mit mehr großmüthiger Eile , als prüfender Besonnenheit gehoben . Ob Sie gut daran thaten ? - Es ist nicht mehr Zeit , diese Frage aufzuwerfen . Indeß regt sie sich unwillkührlich in mir , je unaufhaltsamer der Zeiger meiner Uhr die Stunde näher rückt , welche durch unwiderrufliche Gelübde zwei Menschen an einander knüpfen wird , die nicht für einander geschaffen zu sein scheinen . Wenn Sie mich über dies Geständniß tadeln , so denken Sie zugleich , wie groß meine Unruhe sein muß , da ich sie Ihnen nicht verbergen kann . Sie hätten an diesem Tage nicht unter uns fehlen sollen . Ich begreife , warum Sie zurückbleiben . Gleichwohl werden Sie dem Kampfe auch in der Ferne nicht entgehen , dem Sie auszuweichen gedenken . - Sie gewinnen wenig , und schaden viel . Es hat etwas Unschickliches , daß der Mann , welcher bei Hugo Vaterstelle vertritt , sich in dem wichtigsten Lebensmomente von diesem wegwendet . Ueberdem hätte Ihre Gegenwart vielleicht dazu gedient , den Jüngling aus seiner Traumwelt herauszureißen . Wir verstehen einander zu wenig , als daß ich gleichen Einfluß auf ihn ausüben könnte . Sophie ist auch unsicher geworden , sie weiß nicht , wie sie diesem besondern Charakter beikommen soll . Und die zärtliche Emma würde wo möglich , noch unscheinbarer und anspruchloser zurücktreten , um nur keines der tiefsinnigen Gedankenspiele ihres erhabenen Freundes zu stören . Wäre ihre Liebe weniger abgöttisch , hätte sie mehr Gefühl für ihre eigene Würde , ich könnte ruhiger über die kommenden Tage sein . Aber so ! Es schlägt zwei . Wir fahren nach dem Lustschlosse der Fürstin hinaus . Dort in der Kapelle werden sie getraut ; dann besteigen beide den Reisewagen ! - Es ist alles so abgerissen , so ohne fortgehende innere Begleitung ! Einer treibt den Andern . Die Fürstin schickte schon zweimal . Ihre Gegenwart legt vielen Zwang auf . Vielleicht ist das gut so ! Ich weiß es nicht ! Ich weiß nichts ! - Ich lasse Sie jetzt . Mir schwirrt es vor den Augen . Man läuft hin und her durch meine Zimmer . Leben Sie wohl . Ich schließe . Nichts mehr für heute ! - Mir ist das Herz so voll . - Ein Wort noch , und es fließt über ! - Gott befohlen ! - N. S. Noch einmal öffne ich den Umschlag . Sophie hatte Emma geschmückt . Sie sank zusammen unter der Last der Juwelen , welche die Fürstin ihr anzulegen befahl . Der Kopf schmerzte sie , sie sah blaß aus . Ihre Augen waren trübe . Ich betrachtete sie voll unruhiger Theilnahme . Sie zitterte im vergeblichen Bemühen , ihre Thränen zurückzuhalten . Da öffneten sich die Thüren . Hugo trat mit einigem Geräusch herein . Aus der Hast , mit der er sich nahete , sprach die Besorgniß , zu spät zu kommen . Er äußerte dies auch . Seine schönen Züge waren ungewöhnlich belebt , den Schleier , der sich so oft über die dunklen Augen senkte , durchblitzten rasche und feurige Lichter Er sah sehr ungewöhnlich und imposant aus , in der reichen Uniform des Regiments , in welchem er ehemals diente . Der große Orden , den ihm der Fürst diesen Morgen sandte , glänzte stattlich auf seiner Brust . Emma war wie geblendet . Es durchzuckte sie feurige Ueberraschung . Sie hatte nun kein Kopfweh mehr . Leuchtend vor Bewunderung , reichte sie ihm die Hand . Alle Unbequemlichkeit des lästigen Putzes ist vergessen . Sie sieht nichts als ihn in der Welt . Undankbare ! - mußte dich Leidenschaft so zur Sclavin machen ! Warum auch Leidenschaft , wo ruhige Neigung genügt , und dir die eigene Selbstständigkeit bewahrt hätte ! - Sie sehen , ich zögere in den Wagen zu steigen , die letzten Schritte zu thun ,