ihre Zofen seit vielen Generationen in den langen Winterabenden zusammengesponnen hatten , die eiserne Truhe im Schlafzimmer enthielt eine erkleckliche Anzahl von Goldgülden , Herr Dieterich selbst war ein hübscher , solider Herr , ging immer geschniegelt und gebügelt , mit gesetztem , anständigem Gang in den Rat , hatte einen guten Haus- und Ratverstand , war aus einer alten Familie , war es ein Wunder , wenn die ganze Stadt sein Leben pries und jedes hübsche Ulmer Stadtkind sich glücklich geschätzt hätte , in diesen bequem ausstaffierten Ehehimmel zu kommen ? Georg kamen übrigens diese Verhältnisse bei näherer Besichtigung nichts weniger als lockend vor . Die einzigen Hausgenossen des Ratsschreibers waren , ein alter grauer Diener , zwei große Katzen und die unförmlich dicke Amme . Diese vier Geschöpfe starrten den Gast mit großen , bedenklichen Augen an , die ihm bewiesen , wie ungewohnt ihnen ein solcher Zuwachs der Haushaltung sei . Die Katzen umgingen ihn schnurrend , mit gekrümmtem Rücken , die Amme schob unmutig an der ungeheuren Buckelhaube von Golddraht und fragte , ob sie für zwei Personen das Abendessen zurichten solle ? Als sie aber nicht nur ihre Frage bestätigen hörte , sondern auch den Auftrag ( man war ungewiß , war es Bitte oder Befehl ) bekam , das Eckzimmer im zweiten Stock für den Gast zuzurüsten , da schien ihre Geduld erschöpft ; sie ließ einen wütenden Blick auf ihren jungen Gebieter schießen und verließ mit ihrem Schlüsselbund rasselnd das Gemach . Georg hörte noch lange die hohltönenden Treppen unter ihren schweren Tritten erbeben , und die öde Stille des großen Hauses gab in vielfältigem Echo das Gepolter der Türen zurück , welche sie im Grimme hinter sich zuwarf . Der graue Diener hatte indessen einen Tisch und zwei große Armstühle an den ungeheuren Ofen gerückt ; den Tisch besetzte er mit einem schwarzen Kasten , stellte zu beiden Seiten desselben ein Licht und einen silbernen Becher mit Wein und entfernte sich dann , nachdem er einige leise Worte mit seinem Herrn gewechselt hatte . Herr Dieterich lud seinen Gast ein , an seiner gewöhnlichen Abendunterhaltung teilzunehmen . Er öffnete den schwarzen Kasten , es war ein Brettspiel . Georg graute vor dieser Unterhaltung seines Gastfreundes , als er ihm erzählte , daß er seit seinem zehenten Jahre alle Abende mit der Amme an diesem Spiele sich ergötze . Wie öde , wie unheimlich kam ihm das ganze Haus vor . Das Rennen und Laufen der Amme hatte doch noch an Leben und Bewegung erinnert , jetzt aber lag Grabesstille über den weiten Gängen und Gemächern , nur zuweilen vom Knistern der Lichter , vom Ticken des Holzwurmes im schwärzlichen Getäfer und dem eintönigen Rollen der Würfel unterbrochen . Das Spiel hatte nie etwas Anziehendes für ihn gehabt , seine Gedanken waren auch ferne davon und die tiefe Melancholie der öden Gemächer und der Gedanke , nur wenige Straßen von ihr entfernt , doch den langersehnten Anblick der Geliebten entbehren zu müssen , breitete düstere Schatten über seine Seele . Nur die ungeheuchelte Freude Herrn Dieterichs , beinahe alle Spiele zu gewinnen , die seinem gutmütigen Gesicht etwas Angenehmes verlieh , entschädigte ihn für den Verlust der langsam hinschleichenden Stunden . Mit dem Schlag der achten Stunde führte Dieterich seinen Gast zum Abendbrot , das die Amme trotz ihres Unmutes , trefflich bereitet hatte , denn sie wollte der Ehre des Kraftischen Hauses nichts vergeben . Hier öffnete auch der Ratsschreiber wieder die Schleusen seiner Beredsamkeit , indem er seinem Gaste das Mahl durch Gespräch zu würzen suchte . Aber umsonst spähete dieser , ob er nicht von seinem schönen Mühmchen reden werde ; nur eine Ausbeute bekam er , Kraft zählte unter den württembergischen Rittern , die in Ulm anwesend seien , auch den Ritter von Lichtenstein auf . Doch schon dieses Wort erweckte dankbare Gefühle gegen die Wendung seines Schicksales in ihm . Jetzt erst freute er sich , einer Partei beigetreten zu sein , die ihm sonst außer den berühmten Namen , die sie an der Spitze trug , ziemlich gleichgültig war . So aber hatte auch ihr Vater sich in dem Sammelplatze des Heeres eingefunden , und durfte er auch nicht hoffen , daß ihm das Glück vergönnen werde , an der Seite des teuren Mannes zu fechten , so trug er doch die Gewißheit in der Brust , ihm beweisen zu können , daß Georg von Sturmfeder nicht der letzte Kämpfer im Heere sei . Der Hausherr führte ihn nach aufgehobener Tafel in sein Schlafgemach und schied von ihm mit einem herzlichen Glückwunsch für seine Ruhe . Georg sah sich das Gemach , das man ihm angewiesen hatte , näher an , und fand , daß es ganz zu dem öden Hause passe . Die runden , vom Alter geblendeten Scheiben der Fenster , das dunkle Täferwerk an Wand und Decke , der große weit vorspringende Ofen , selbst das ungeheure Bette mit breitem Himmel und steifen , schweren Gardinen , sie gewährten ein düsteres , beinahe trauriges Aussehen . Aber dennoch war alles zu seiner Bequemlichkeit eingerichtet . Frische , schneeweiße Linnen blinkten ihm einladend aus dem Bette entgegen , als er die Vorhänge zurückschlug ; der Ofen verbreitete eine angenehme Wärme , eine Nachtlampe war an der Decke aufgehängt , und selbst der Schlaftrunk , ein Becher wohlgewürzten warmen Weines , war nicht vergessen . Er zog die Gardinen vor , und ließ die Bilder des vergangenen Tages an seiner Seele vorüberziehen . Geordnet und freundlich kamen sie anfangs vorüber , dann aber verwirrten sie sich , in buntem Gedränge führten sie seine Seele in das Reich der Träume , und nur ein teures Bild ging ihm heller auf , es war das Bild der Geliebten . V -Ist ' s kein Wahn ? Will der Holde , Vielgetreue , Dem ich Herz und Leben weihe , Heute noch zu Gruß und Kusse nahn ? F. Haug Georg wurde am anderen Morgen durch ein bescheidenes Pochen