glaubt nämlich dort an mich wie an das Evangelium ; jenen kühnen philosophischen Waghälsen , die auf die Gefahr hin , daß ich sie zu mir nehme , meine Existenz geleugnet und mich zu einem lächerlichen Phantom gemacht haben , ist es noch nicht gelungen , den glücklichen Kindersinn dieses Volkes zu zerstören , in dessen ungetrübter Phantasie ich noch immer schwarz wie ein Mohr , mit Hörnern und Klauen , mit Bocksfüßen und Schweif fortlebe , wie ihre Ahnen mich gekannt haben . Wenn andere Nationen durch die sogenannte Aufklärung so weit hinaufgeschraubt sind , daß sie , ich schweige von einem Gott , sogar an keinen Teufel mehr glauben , so sorgen hier unter diesem Volke sogar meine Erbfeinde , die Theologen , dafür , daß ich im Ansehen bleibe . Hand in Hand mit dem Glauben an die Gottheit schreitet bei ihnen der Glaube an mich , und wie oft habe ich das mir so süße Wort aus ihrem Munde gehört : » Anathema sit , er glaubt an keinen Teufel . « Ich kann mich daher recht ärgern ; daß ich nicht schon früher auf den vernünftigen Gedanken gekommen bin , meine freie Zeit auf einer Universität zu verleben , um dort zu sehen , wie man mich von Semester zu Semester systematisch traktiert . Ich konnte nebenbei noch manches profitieren . Alle Welt ist jetzt zivilisiert , fein , gesittet , belesen , gelehrt . Schon oft , wenn ich einen guten Schnitt zu machen gedachte , fand es sich , daß mir ein guter Schulsack , etwas Philosophie , alte Literatur , ja sogar etwas Medizin fehle ; zwar , als das Magnetisieren aufkam , habe ich auch einen Kursus bei Meßmer genommen , und nachher manche glückliche Kur gemacht . Aber damit ist es heutzutage nicht getan ; daher die elenden Sprichwörter , die in Deutschland kursieren : ein dummer Teufel , ein armer Teufel , ein unwissender Teufel , was offenbar auf meine vernachlässigte wissenschaftliche Bildung hindeuten soll . Es ist noch kein Gelehrter vom Himmel gefallen , und ich bin vom Himmel gefallen , aber nicht als gelehrt ; darum entschloß ich mich , zu studieren , und womöglich es in der Philosophie so weit zu bringen , daß ich ein ganz neues System erfände , wovon ich mir keinen geringen Erfolg versprach . Ich wählte .... en , und zog im Herbst des Jahres 1819 daselbst auf . Ich hatte , wie man sich denken kann , nicht versäumt , mich meinem neuen Stande gemäß zu kostumieren . Mein Name war von Barbe , meine Verhältnisse glänzend , das heißt , ich brachte einen großen Wechsel mit , hatte viel bar Geld , gute Garderobe , und hütete mich wohl , als Neuling , oder wie man sagt , als Fuchs aufzutreten ; sondern ich hatte schon allenthalben studiert , mich in der Welt umgesehen . Kein Wunder , daß ich schon den ersten Abend höfliche Gesellschafter , den nächsten Morgen vertraute Freunde , und am zweiten Abend Brüder auf Leben und Tod am Arm hatte . Man denkt vielleicht , ich übertreibe ? wäre ich Kavalier , so würde ich auf Ehre versichern und Holmichderteufel als Verstärkungspartikel dazusetzen ( denn auf Ehre und Holmichderteufel verhalten sich zueinander wie der Spiritus lenis zum Spiritus asper ) , in meiner Lage kann ich bloß meine Parole als Satan geben . Es waren gute Jungen , die ich da fand . Es begab sich dies aber folgendermaßen : man kann sich denken , daß ich nicht unvorbereitet kam ; wer die deutschen Universitäten nur entfernt kennt , weiß , daß ein an Sprache , Sitte , Kleidung und Denkungsart von der übrigen Welt ganz verschiedenes Volk dort wohnt . Ich las des unsterblichen Herrn von Schmalz Werke über die Universitäten , Sands Aktenstücke , Haupt über Burschenschaften und Landsmannschaften etc. , ward aber noch nicht recht klug daraus , und merkte , daß mir noch manches abging . Der Zufall half mir aus der Not . Ich nahm in F. einen Platz in einer Retourchaise ; mein Gesellschafter war ein alter Student , der seit acht Jahren sich auf die Medizin legte . Er hatte das savoir vivre eines alten Burschen , und ich befliß mich in den sechs Stunden , die ich mit ihm der Musenstadt zufuhr , an ihm meine Rolle zu studieren . Er war ein großer wohlgewachsener Mann von 24 - 25 Jahren , sein Haar war dunkel und mochte früher nach heutiger Mode zugeschnitten sein , hing aber , weil der Studiosus die Kosten scheute , es scheren zu lassen , unordentlich um den Kopf , doch bemühte er sich , solches oft mit fünf Fingern aus der Stirne zu frisieren . Sein Gesicht war schön , besonders Nase und Mund edel und fein geformt , das Auge hatte viel Ausdruck , aber welch sonderbaren Eindruck machte es ; das Gesicht war von der Sonne rotbraun angelaufen ; ein großer Bart wucherte von den Schläfen bis zum Kinn herab , und um die feinen Lippen hing ein vom Bier geröteter Henri quatre . Sein Mienenspiel war schrecklich und lächerlich zugleich , die Augbrauen waren zusammengezogen und bildeten düstere Falten ; das Auge blickte streng und stolz um sich her , und maß jeden Gegenstand mit einer Hoheit , einer Würde , die eines Königsohnes würdig gewesen wäre . Über die unteren Partien des Gesichtes , namentlich über das Kinn konnte ich nicht recht klug werden , denn sie staken tief in der Krawatte . Diesem Kleidungsstück schien der junge Mann bei weitem mehr Sorgfalt gewidmet zu haben , als dem übrigen Anzug ; diese beiläufig einen halben Schuh Höhe messende Binde von schwarzer Seide zog sich , ohne ein Fältchen zu werfen , von dem Kinn inklusive bis auf das Brustbein exklusive , und bildete auf diese Art ein feines Mauerwerk , auf welchem der Kopf ruhte ; seine Kleidung bestand in einem weißgelben Rock , den