die Brust Oswald und sprach mit gebrochener Stimme : » Ach Oswald , Gott weiß es , du bist mir allzulieb geworden , mehr denn recht ist . Aber mein Vater ist reich , und will einen reichen Sohn haben , und ändert seinen strengen Sinn nicht . Du aber bist nur ein geringer Schulmeister , und kannst noch lange keine Frau ernähren . « Da schloß Oswald die gute , weinende Elsbeth in seine Arme , und drückte den ersten Kuß auf ihre Lippen und sagte : » Nun bist du meine Braut und Verlobte , und keine Macht auf Erden soll dich wieder von mir nehmen . Fürchte dich nicht , du Holdselige , denn nun gehörst du mir an . « Und er ging hinaus , den alten Siegfried und die Mutter zu suchen . Und Elsbeth hörte sie alle sehr laut und heftig mit einander reden , aber verstand nichts . Und sie zitterte vor großer Angst , und wußte in ihrer Noth keinen Rath . Da fiel sie an der Fensterbank auf ihre Knie , und faltete ihre Hände und betete inbrünstig mit thränenvollen Augen zum Himmel , während die Andern stritten . Und als es ihr leichter ums Herz ward und sie aufstand , sah sie draußen den Oswald , begleitet vom Vater und der Mutter , von der Mühle weg ins Dorf gehen . Das vermehrte die Furcht und Angst über die Maßen . Keiner in der Mühle wußte , wohin die Aeltern mit dem Oswald gegangen . Sie wußte aber wohl , Oswald war hitzig und aufbrausend , und konnte gegen die Aeltern gefehlt haben und mit ihnen vor den Richter gegangen sein , und das war der Löwenwirth ! In übergroßem Kummer betete sie viel für Oswald und sich . Es war zehn Uhr Nachts , da hörte sie draußen Geräusch . Es kamen Vater und Mutter mit Oswald . Und Siegfried nahm seine Tochter und sprach : » Elsbeth , du hast also den Oswald lieb ? « Sie antwortete und sprach : » Kann ich dafür ? Ihr hattet ihn ja auch lieb . « Da legten die Aeltern die Hände Oswalds und Elsbeths in einander und segneten die Beiden als ihre Kinder . Elsbeth war ganz erschrocken , und wußte nicht , ob sie träume . 10. Oswald kommt in schlechten Ruf . Als am folgenden Sonntag in der Kirche der Schulmeister Oswald und Elsbeth als Brautleute von der Kanzel herab verkündet wurden , da rissen die Goldenthaler Bauern die Augen gewaltig auf , und die Weiber zischelten beständig einander etwas in die Ohren , und der Löwenwirth ging aus der Kirche , wie ein grimmiger Löwe , und schwor , er wolle nicht ruhen , bis er den meineidigen Müller sammt seinem ganzen Hause und dem Schulmeister zu Grunde gerichtet , aus dem Dorfe vertrieben und Alle ins Zuchthaus gebracht hätte oder an den Galgen . Nichtsdestoweniger feierten Oswald und seine Elsbeth nach drei Wochen in der Mühle sehr vergnügt ihre Hochzeit , dem grimmigen Löwen zum Trotz . Und als die Neuvermählten Abends aus der Mühle heim kamen in Oswalds Hans , fiel Elsbeth ihrem Manne um den Hals und sagte : » Ach Gott , wie bin ich so glücklich ! Ich kann noch nicht daran glauben , daß Alles wahr sei . Und man sagt wohl , es gibt betrübte , übelgerathene Ehen ; könnten wir auch wohl Beide jemals aufhören , uns lieb zu haben , und könnten wir jemals wünschen , lieber getrennt , als ewig verbunden zu sein ? « Oswald antwortete und sprach : » Wir werden Beide mit einander glücklich sein , so lange wir leben auf Erden ; aber wir müssen ein dreifaches Gelübde thun . Und so lange wir es redlich halten , wird Eintracht und Segen Gottes in unserer Ehe sein . Von heute an lebst du für mich , und ich lebe für dich ; und wir wollen nie vor einander das geringste Geheimniß haben , und selbst wenn wir gefehlt haben , es uns einander sogleich offenbaren . Dadurch werden wir manchen Fehltritt und manches Mißverständniß verhüten , das oft schmerzliche Folgen haben kann . Dann aber wollen wir von unsern häuslichen Sachen Niemandem , auch Vater und Mutter nichts offenbaren , daß Niemand in unsern Dingen reden könne , oder sich zwischen uns dränge . Nur so gehören wir Beide uns ganz an , als wären wir allein in der Welt . Endlich wollen wir niemals gegen einander böse werden , und nicht einmal zum Scherz mit einander böse thun ; denn aus Neckerei wird oft Ernst , und was man zuweilen thut , daran gewöhnt man sich leicht . « So sprach Oswald . Und Beide thaten sich einander gegenseitig das Gelübde vor Gott . Und wie sie den Bund mit einem Kuß besiegelten , stieg vor dem Hause in nächtlicher Stille ein sanfter schöner Gesang von vielen Stimmen empor . Das waren Oswalds Schüler und Schülerinnen im Gesang , die doch auch ihrem Lehrer eine Freude machen wollten . - Und wie die Neuvermählten folgenden Morgens aufgestanden waren , sahen sie viele Männer , Weiber und Kinder in der Ferne zusammengelaufen stehen , und auf das Haus schauen und darauf zeigen . Oswald öffnete neugierig das Fenster , und sah sein ganzes Haus wunderbar mit Blumenkränzen und Blumenschnüren umhängt und umsponnen . Das hatten in der Nacht still und heimlich seine Schüler und Schülerinnen gethan . Auch die kleinsten Kinder hatten dazu Feld- und Gartenblumen gesammelt . So lange das Dorf Goldenthal auf Erden war , hatte man dergleichen nicht erlebt , und als Oswald wieder zur Schule ging , kamen am ersten Tage nach seiner Hochzeit alle Kinder , groß und klein , reich und arm , und hatten sich mit Blumensträußen geschmückt , als wäre es ein großer Festtag . Das freute den Oswald und seine junge Frau recht innig ; denn das verrieth doch gute Herzen voll Liebe