ihrer Gewohnheit den Schweiß von der Stirn , zog ihm die Schuhe aus und die Pantoffeln an und sagte ihm dann erst , daß sie sehr betrübt sei , weil sie schon wieder heiraten müsse , der Bürgermeister wolle dem Berthold nicht anders das Türmeramt und ihm den Ratsschreiberdienst geben . » Tut es doch mir zu liebe « , sagte Berthold , » heiratet den Vater , da brechen wir hier die Wand weg und haben mehr Raum . « - » Ja wie du ' s verstehst « , sagte Hildegard , » der Martin hat ' s mir wohl prophezeit an unserm Hochzeittage aus dem Zinnguß , aber wenn mein Schwindel nicht wäre , daß ich die Treppe hinunter gehen könnte , ich ginge lieber ins Kloster , als daß ich wieder ins Ehebette stiege . « - » Mutter du mußt heiraten « , sagte der Sohn , » denn ins Kloster dürfte ich nicht mitgehen und ich kann dich nimmermehr verlassen . « Hildegard drückte den Knaben an ihr Herz , der alte Berthold trat vom Wächtergange herein , sie verlobten sich unter vielen Tränen . Wirklich setzte es der Bürgermeister aus Wohlgefallen gegen den alten Berthold bei der Bürgerschaft durch , daß diesmal der Mann von der Feder , statt eines Kriegsmanns , die Türmerstelle erhielt , als Grund führte er an , daß der alte Berthold in früheren Zeiten doch auch der Stadt mit dem Schwerte bei mehreren Fehden gedient habe . Der junge Berthold wurde nur vorläufig in Eid und Pflicht genommen , weil er noch zu jung war , und der Alte behielt immer noch Gehalt und Würde eines Ratschreibers . Die dritte Hochzeit , welche Frau Hildegard feierte , war die stillste von allen , der alte Berthold gestand mit inniger Rührung , daß die Wege des Himmels unerforschlich wären , der ihm nach ruhigem Ausharren im Alter ein Glück aufdränge , wonach er in früheren Jahren vergeblich sich bemüht ; wenn er es auch nicht lange mehr genieße , so müsse er doch die Fügung des Himmels preisen . - » So ist es doch wahr « , seufzte der junge Berthold , » daß du älter wirst und gebeugter gehst , seltener froh bist und öfter stille in dich versinkst , stirb nur nicht so bald wie Martin , dann wären wir ganz verlassen . « - » Jetzt haben wir uns noch ! « sagte der Alte , und ging das Wächterlied vom Turm zu blasen . Die mühsame Arbeit des jungen Berthold hatte die Neugierde des herrschaftlichen Stadtvogts , des Herrn Brix , auf die Reste des alten Palasts gewendet , und er hielt es jetzt für seine Pflicht , da er in demselben ein Besitztum seines Herrn , des Grafen von Wirtemberg erkannte , bei demselben anzufragen , was damit anzufangen sei . Da nun niemand für diese alten , ehrenwerten Trümmer sprach , so wurden sie zum öffentlichen Verkauf bestimmt . Der junge Berthold war untröstlich , als sein liebes Eigentum , wofür er es so lange gehalten , zum öffentlichen Verkauf an den Meistbietenden ausgerufen wurde , er hätte dem Ausrufer den Mund zuhalten mögen , er hoffte , die Leute würden nicht darauf achten . Aber bald kamen Bürger der Stadt , besahen sich die Gelegenheit , maßen das Gärtchen rund brummten nur immer , daß so viel aufzuräumen , sonst gäbe es schon einen artigen Bleichplatz . Also nichts , was da gewesen , nichts was er gepflanzt , sollte bleiben , alles sollte für den gemeinsten Gebrauch vernichtet werden . Da fielen ihm die fünf Goldgülden ein , die ihm Martin als sein Erbe ( mit der Kiste , worin der Schädel ) oftmals gezeigt und ihm wohl eingeprägt hatte , das Geld nur dann zu brauchen , wenn er sein ganzes Glück und Geschick damit lenken könne . Aber dies schien ihm zu wenig für die Herrlichkeit seines Lieblingsortes , er kannte niemand im Städtlein so vertraulich , daß er ihn hätte um Rat fragen mögen . Von Berthold und von Frau Hildegard fürchtete er Widerspruch , er mußte ihnen seinen häufigen Besuch der wüsten Stelle verschweigen , denn der Ort gefiel ihnen nicht . Ganz heimlich nahm er an dem Freitage , der zur öffentlichen Versteigerung bestimmt , sein Erbteil mit , betete in drei Kapellen und war der erste auf dem Rathaussaale , wo die Versteigerungen abgehalten wurden . Es versammelten sich viele , er glaubte in ihnen Seine ärgsten Feinde zu sehen . Es geschah der erste Ruf und alles schwieg . Es geschah der zweite Ruf , und er bot mit trockener , fast erdrückter Stimme seine fünf Goldgülden , und keiner überbot ihn . Es wurde wieder zum ersten- und zweitenmal ausgeboten , und keiner überbot ihn . Da geschah das dritte Ausgebot und er glaubte schon , den Hammer für sich niedergeschlagen zu sehen , als eine ihm wohlbekannte Stimme einen Gulden mehr bot . Er sah sich erschrocken um , erstaunte aber noch mehr , als er das Antlitz des Alten , der ihn damals in die Kapelle geführt , hinter sich erblickte . Und hätte er auch einen unerschöpflichen Geldbeutel gehabt , gegen den hätte er nicht gewagt zu bieten , der Alte zog alle seine Gedanken auf sich und er war verwundert , ihn hier in gewöhnlicher ritterlicher Kleidung wieder zu sehen , den er damals in so seltsamer , prächtig alter Tracht erblickt . Der Alte trat zu ihm und fragte ihn leise , ob er denn nicht überbieten wolle ? Der kleine Schreiber antwortete ihm traurig , er habe nicht mehr Geld , auch wage er sich nicht , gegen ihn zu bieten . - Der alte Herr erwiderte aber , daß er sich irre , wenn er glaube , daß er geboten , der Schneider dort wolle sich eine Werkstatt in dem alten Gemäuer anlegen , er möge nur zubieten , und auf Gott vertrauen , mit