noch das Schillern der bleichen Flügel , er griff deshalb stärker in die Saiten und stimmte zuletzt unter lautem Begleiten der Stimme einen Choral an , vor dem seine Seele sich hob und dehnte . Er hatte die ganze Nacht über aufgesessen und die heiße Brust dem frischen , beruhigendem Morgenstrahl geöffnet . Der Thau lag perlend auf einem kleinen Blumengärtchen unter seinen Fenstern . Levkoyen und Reseda dufteten balsamisch , durch die Blätter säuselte der Morgenwind und schüttelte die hellen Tropfen erquicklich auf den Rasen . Es ward recht still und hell in Alonzo , und er konnte sogar dem erwachenden Leben umher , vom einförmigen Treiben der Hökerer und Verkäufer an bis zum emsigen Fleiß in der geöffneten Werkstatt freudig zu sehen . Nach und nach ward alles lauter , auch in seiner nächsten Nähe . Es war noch frühe , als er folgenden Zettel von Philipp erhielt : » Sie waren gestern Abend nicht zu finden , ich habe Sie vergeblich gesucht . Heute bin ich gedrängt und eilig . Nur so viel , Ihr Auftrag ist ausgerichtet und aufgenommen wie Sie wünschen können . Man sagt es nicht , aber man erwartet Sie . Sie hätten unrecht , dies Vertrauen zu täuschen . Leben Sie für ein paar Tage wohl . Ich mache einen kleinen Streifzug nach Versailles und dort umher . Gott mit Ihnen ! « Weich und offen und unbewaffnet gegen unerwartete Eindrücke , wie Alonzo es in der frühen Morgenstunde war , trafen ihn die flüchtigen unbefriedigenden Zeilen höchst unangenehm . Er warf den Zettel heftig vor sich hin . Es ist doch wahr , rief er , Künstler sind schroffe Egoisten , sich selbst in der Kunst heraufschmeichelnd und verwöhnend , lassen sie alles andre im Leben , all ' die tausend rührenden Beziehungen des Daseins unbeachtet , und kränken unaufhörlich durch Nachläßigkeit und Leichtsinn ! In Versailles ! was will er da ! nach alten Bildern jagen , je verbleichter und bestäubter , je lieber sind sie ihm freilich , die heiße , lebendige Nähe des wartenden Freundes , was ist sie dagegen ! sie fällt nur unbequem in seine Träume . Die Gegenwart ist so wahr , sie sieht so scharf und nahe ins Auge , die Phantasie hat nicht Raum , nicht Zeit zu spielen , sie will die That , die rund herausgesprochene , feste That , man hat es leichter drüben hin zu sehen und jeden flüchtig auf sich selbst zurückzuwerfen ! Er war in großer Bewegung auf- und abgegangen . Da blitzte es dunkel in ihm auf , er hat mir wohl gar etwas zu verbergen ! er will mit der Sprache nicht heraus , ich soll selber sehen . Das ist so recht ! dem unangenehmen Eindruck geht man aus dem Wege . Immer unwilliger , immer zerrissener im Innern beschloß er jetzt all ' der Quälerei ein Ende zu machen . Der schwere Gang zu Frau von Saint Alban ward unternommen . Der Weg war lang , Alonzo hätte ihn noch um Stunden ausdehnen mögen . Endlich fuhr der Wagen jener wohlbekannten Mauer entlängst . Der Tag schien hell und deutlich auf die verhängnißvolle Stelle nieder , das Pförtchen stand offen , Kinder liefen hinein und heraus und sammelten in Körbchen die abgefallenen Rosenblätter , um sie weiter zum Verkauf zu tragen . Ein alter Mann stand daneben und hütete die blühenden Zweige vor Beschädigung . Es ward alles so wirklich , so beängstigend um Alonzo . Vor einem dunkeln Eisengatter , am Eingange einer dichten hochgewölbten Kastanienallee hielt jetzt der Wagen . Der Schlag flog auf , Alonzo blieb länger keine Wahl , er war gemeldet , angenommen , so trat er denn in Gottes Namen in den schattigen Gang . Die Brust war ihm so beklemmt , daß er ein paarmal hustete und stille stand , um nur des stockenden Athems wieder Herr zu werden . Eine breite Rasentreppe herauf zwischen künstlichen Blumenbeeten erstieg er mühsam die Terassen , und trat nun unter das Portal des vornehmen altväterlichen Gebäudes . Gewölbte Gänge , in Stuck gearbeitete Verzierungen , breite Fliesen , ein paar steinerne Ritterbilder , an die sich die freche Hand der Zeit vergeblich wagte , alles hier sprach von gediegener , fester Sinnesweise . Armand öffnete feierlich , mit gesenktem Blick einzig auf sein Geschäft bedacht , eine Thür , und Alonzo stand vor Frau von Saint Alban . Wie er hieher gekommen ? was er hier sollte ? es war ihm selbst ein Räthsel . Er verbeugte sich tief , als die lebhafte Frau mit schnellem Blick an ihm hinfliegend ausrief : das erwartete ich . Sie mußten es sein ! Ich erkannte sie sogleich und das ist bei dem Tumulte dieser Zeit recht sehr viel , Sie sehen , wie tief Sie in unserm Herzen leben . Alonzo hatte bei dem ersten Laut ihrer Stimme die Mutter seiner Unbekannten wiedergefunden . Ein Strahl unaussprechlicher Freude blitzte durch seine Seele . Es scheint , fuhr Frau von Saint Alban fort , Ihr Eintritt in dies Haus bringt Segen . Mein Sohn ist heut um vieles wohler , er dankt das unfehlbar Ihrer gestrigen Botschaft , die ihm sichtlich wohl that . Die linde verbindliche Weise , mit der das zerrissene Mutterherz dem Trost zu geben bemühet war , der ihr so unaussprechlich wehe that , verwirrte Alonzo vollends . Gnädige Frau , stammelte er unter flammendem Erröthen , wie ich Ihnen gegenüberstehe , Sie trauen mir zu , daß ich es fühle . Ihre Güte macht mich vor mir selbst schuldiger als ich es wirklich bin . Ich kann Ihnen nichts , gar nichts sagen , daß nicht zu viel oder zu wenig wäre . Ihr scharfer Geist aber macht es Ihnen klar , daß es unglückliche Werkzeuge in der Hand des Himmels giebt , die ohne ihre Schuld bestimmt sind , den Frieden Anderer zu trüben . Gewiß es giebt im Leben verhängnißvolle Augenblicke , die dunkel und