beglückt , In allen meinen Sinnen Bin ich von ihr entzückt . Achtes Kapitel Graf Karl verlobt sich mit der Gräfin Dolores Am andern Morgen wurde alles fest unter ihnen besprochen , sie verstanden einander , daß sie verlobt wären , und wußten nicht wie ; er hatte keinen Ring bei sich , sonst wäre auch diese Förmlichkeit beobachtet worden ; von der Universität wollte er einen zierlichen Goldring senden , er nahm das Maß an ihrem schönen Finger mit einem seiner Haare . Klelia trat darauf ein ; der Graf faßte eine ungemeine Achtung gegen sie bei ihrem ersten Anblicke : die Höhe ihrer Gestalt und Stirne , ihr feiner Mund , ihr klares Auge geboten jedem Achtung ; sie nahte sich ihm vertraulich , tadelte zwar die große Eile in der Verbindung mit ihrer Schwester , aber so wohlwollend , daß beide sie dafür küssen mußten . Der Graf , dem noch von Jugend an eine gewisse allegorische Mythologie anhing , glaubte in ihr die Freundschaft zu entdecken , wie er in der Schwester die Liebe gefunden ; gewiß war es , so wenig sie sich vordrängte , so milde schützte ihr reicher ernster Geist die beiden Liebenden gegen den langweiligen Überdruß , der den zurückhaltenden Brautstand bei allen Äußerungen von Glück in manchen Stunden doch ganz fatal macht . Wir wollen uns nun einige Wochen denken , wie wir sie entweder selbst erlebt , oder aus dem Berichte glücklicher Seelen , oder aus Büchern kennen gelernt , von Liebe umwunden , von der wohlwollenden Freundschaft der guten Klelia belebt , die mit Muttersorgfalt sie beide bewachte und sich an ihnen erfreute und den Grafen vor allen Männern ehrte und bewunderte . Dolores glaubte , daß sie den Grafen liebe , alle ihre Hoffnungen waren ja auf ihn gesetzt , auch war es unvermeidlich , daß er nicht bei näherer Bekanntschaft gewonnen hätte ; seine Liebe zu ihr konnte sich nicht mehren und nicht mindern , es war Liebe , und so brachte er unbemerkt die ganzen Ferien in dem geliebten Kreise der guten Stadt zu , die ihm sein eigentliches Vaterland zu sein schien ; die ferne Schweiz mit ihren Wasserfällen , Eismeeren , heiligen Freiheitstempeln und unsterblichen Schlachtfeldern lag ihm außer seiner Welt . Zuweilen warf er es sich vor , daß er die ganzen Tage bei den Mädchen mit Nichtstun zubringe , auch fürchtete er ihnen überflüssig zu werden , aber dann baten sie ihn jeden Abend , daß er am Morgen doch ja recht früh wiederkommen möchte ; bald wollten sie eine Stunde auf der Gitarre , bald im Spanischen bei ihm nehmen . Die sorgfältige Erziehung seiner Mutter hatte alle Fertigkeiten und Kenntnisse der gebildetsten Stände in ihm gesammelt ; durch das Vergnügen dies Erlernte so schönen Wesen mitzuteilen , erhielt es in ihm selbst eine schönere Gestalt und Anordnung , er lernte seinen Vorrat kennen und brauchen , er gewann vielleicht eben so viel durch seine Liebschaft , als andre Studenten durch ihre Liebeleien verlieren . Klelia gab ihm den Mut ohne Scheu religiös zu sein , den er unter bornierten Bigotten und bei frechen Spöttern verloren , er wagte es ohne Scheu seinen Glauben an Geheimnisse des höheren Lebens und an deren sinnliche Offenbarung zu bekennen ; er wußte , daß sie ihn verstand und würdigte , das merkte er aber auch , daß diese Gesinnungen seiner Dolores abschreckend waren . Seine Betrachtung darüber glich diesen Unterschied bald aus , er meinte es die höchste Unschuld , Gott und die Welt , alles in sich zu fühlen und zu ehren , ohne es von sich zu trennen - so leicht weiß sich ein Liebender von dem zu überreden , was er nicht anders wissen will . Die Beendigung ihres Bildes , das er immer neu anfing und nie zu seiner völligen Befriedigung enden konnte , da sie ihr Gesicht , um noch schöner , noch lebhafter zu erscheinen , ganz unnütz bewegte und veränderte , hielt ihn noch über seine Ferienzeit in der Stadt zurück ; es waren so schöne Stunden , wo er ihr so oft in die Augen sah . Auch sie unternahm es ihn zu zeichnen , aber die Geduld fehlte ihr , es wurde eine Karikatur . Um ihren Fehler zu verstecken , hatte sie nämlich allmählich alles übertrieben ; er wunderte sich über sich selbst , daß er so aussehe in ihren Augen , wir aber müssen bekennen , daß wir jungen Mädchen , die Karikaturen zu zeichnen geneigt sind , einen Hexenprozeß machen würden , es geht nicht mit rechten Dingen zu und ist uns in der innersten Seele verhaßt ; was kann denn ein Mädchen noch menschlich erhalten , wenn ihr die menschliche Schönheit nicht einmal heilig ist , die überall selten , nun noch durch den unauslöschlichen Eindruck echter Zerrbilder , bei jeder Wiederbegegnung des mißhandelten Unglücklichen , aus den letzten Schlupfwinkeln immer mehr verschwindet . Bald trägt er vor unsrer Einbildungskraft wirklich alle die erschrecklichen Ecken und Verdrehungen - bei Gott , nur ein verzweifelnder Politiker , der das Wohl des ganzen Staats in Gefahr sieht , darf so frech das Ebenbild Gottes im einzelnen Menschen verhunzen , als wir solches in England sehen . Klelia sagte der Dolores das oft , wenn sie ihr so allerlei unschuldige Leute , die ihr irgendwo begegnet , vorlegte ; diese aber meinte , man dürfe das nicht so ernsthaft nehmen und es erkenne doch jeder den Scherz . Inzwischen war in der innern Haushaltung des Schlosses einige Veränderung durch die Freigebigkeit des Grafen hervorgebracht . Er hatte sich , nicht ohne weitläuftige Überlegung und Abwägung verschiedener anderer Gelegenheiten die beiden armen schönen Kinder zu unterstützen , endlich eines Abends mit niedergeschlagenen Augen an seinen Wirt gewendet - der ihm die erste Bekanntschaft im Schlosse erworben , ihm auch die drückende Armut dort beschrieben hatte - und ihm bei unverbrüchlicher Verschwiegenheit zwei Dritteile seines Reisegeldes eingehändigt , sie den Gräfinnen als eine heimliche alte Schuld